Geplante Asphaltierung des naturnahen Spreewegs hinter Schlosspark Charlottenburg: Senatorin Günther antwortet nicht

23.01.20
BerlinBerlin, Bewegungen, Umwelt 

 

Von NaturFreunde Berlin, NABU Landesverband Berlin und  Berliner Netzwerk für Grünzüge („Grünzüge für Berlin“)

In einem gemeinsamen Schreiben an Senatorin Günther und ihre beiden Staatssekretäre für Verkehr, Umwelt- und Klimaschutz haben Mobilitäts- und Naturschutzverbände und Initiativen die Planungen der Senatsbehörde zum Spreeweg hinter dem Schlosspark Charlottenburg scharf kritisiert.

Der Weg entlang der Spree verläuft zwischen den Kleingärten und der Uferböschung entlang der Spree bis zur Einmündung in die Straße Wiesendamm teils auf schmalen Sand- und Wiesenwegen, teils auf Schotterwegen und Holzbohlenbrücken, und wird von erholungsuchenden Fußgänger*innen, Jogger*innen und Radfahrer*innen genutzt. Er ist im Fußgängerwegenetz auf Landesebene als „Grüner Hauptweg 1“ ausgewiesen.

Die Senatsverwaltung hat die InfraVelo GmbH mit dem Ausbau des Wegs zum „Rad- und Wanderweg“ beauftragt. Nach entsprechender Ausschreibung hat ein Planungsbüro mit der Umsetzung begonnen.

NaturFreunde Berlin, FUSS e.V., NABU Berlin, Grünzüge für Berlin und Grüne Radler Berlin äußerten in ihrem gemeinsamen Schreiben die Befürchtung, der Weg solle zur Ermöglichung des schnellen Radverkehrs verbreitert und asphaltiert, den Berliner*innen damit ein naturnaher Erholungsraum und den Fußgänger*innen ein gelenkschonender Weg genommen werden. Der Spreeweg ist eine der letzten naturnahen Biotopverbindungen der westlichen Innenstadt, die weichen Wege für Fußgänger und Erholungsradfahrer ideal. Die Entschleunigung aufgrund schmaler Wegführung erzeugt ein rücksichtsvolles Miteinander. Die Planungen der Senatsverwaltung liefen auf einen Ausbau zu einem weiteren Radschnellweg hinaus, parallel zu den geplanten Radschnellwegen auf Heerstraße und Nonnendamm. Der Ausbau des Radverkehrs dürfe aber nicht mit einer weiteren Zerstörung des aufgrund der Bautätigkeit bereits stark dezimierten Grüns in der Innenstadt einhergehen. Eine echte Verkehrswende erfordere einen Rückbau der autogerechten Stadt zugunsten der Radfahrer*innen, indem Fahrspuren und Parkstreifen zu Radwegen umgestaltet werden.

In dem Brief wurden die Senatorin und ihre Staatssekretäre aufgefordert, sofort alle Planungen zum Bau von Radwegen in Parks und auf Naturflächen zu stoppen Trotz zwischenzeitlicher Nachfrage hat die Senatsverwaltung den Verbänden und Initiativen bislang weder ein Gesprächsangebot unterbreitet noch in anderer Weise auf das Schreiben vom 22. Oktober 2019 reagiert.

Dazu Uwe Hiksch, stellv. Vorsitzender der NaturFreunde Berlin: „Seit drei Monaten gibt es keinerlei Antwort auf den Brief der Naturschutzverbände und Initiativen. Das ist nicht akzeptabel und auch unhöflich. Wir erwarten von der Senatsbehörde, dass sie auf Anfragen und Forderungen der Zivilgesellschaft in angemessenen Zeiträumen reagiert. Wenn der Berliner Senat als Radstrategie vorhat, wertvolles Stadtgrün zu opfern, statt einen Ausbau von Fahrradinfrastruktur auf bestehenden Straßen vorzunehmen, ist das nicht akzeptabel.“

Die 20 grünen Hauptwege waren ursprünglich eine Zusammenstellung von 20 Wanderwegen durch das Berliner Stadtgebiet.  Fußgänger*innen stand dabei im Zentrum der Planung. Warum die InfraVelo GmbH, eine Tochter der Grün Berlin e.V., die nach eigener Darstellung für die Umsetzung von Projekten wie Radschnellverbindungen und Radfernwegen zuständig ist, eine tragende Rolle für die Gestaltung des Spreewegs erhalten hat, können wir nicht nachvollziehen.

Die Planung von Radschnellwegen durch Grünflächen und auf Uferwegen hatten die Verbände und Initiativen bereits in einer gemeinsamen Erklärung vom 6. Juni 2019 öffentlich kritisiert.

 







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