EU = Heilige Europäische Union Deutscher Nation?

18.05.13
KrisendebatteKrisendebatte, Internationales, News 

 

von Kurt Wolfgang Ringel

Das freigeistige Wort zum Sonntag, den 19.05.2013

»Man kann nicht voraussehen, welche konkrete Gestalt die EG annehmen wird, aber eines ist schon jetzt ziemlich klar: Sie wird die Probleme Europas nicht lösen und sich früher oder später als ein neuer Herd von Streitigkeiten und Interessengegensätzen erweisen. Klar ist auch, daß sich der Hauptkonflikt zwischen dem Zentrum und der Peripherie abspielen wird.

Der von Deutschland gelenkte kontinentale Superstaat wird zunehmend das Schicksal aller anderen Mitgliedsstaaten bestimmen, ihre Souveränität einengen und aus ihnen Satelliten der Machtzentrale machen. Auch wenn Brüssel, Luxemburg und Straßburg als Verwaltungsspitze bleiben, wird Berlin der eigentliche Mittel- und Schaltpunkt, die Kommandostelle des zukünftigen Europa. Der ganze EG-Superstaat zielt auf die Einverleibung der schwächeren durch die führenden Länder ab. Diese Entwicklung entspricht der Tendenz des Spätkapitalismus, alles zu vereinnahmen, gleichzuschalten und zu instrumentalisieren.

Aber überlebensgroße politische Gebilde haben auf die Dauer nicht gut funktioniert, sie sind dazu verurteilt, in Zusammenhanglosigkeit und Chaos zu enden. Die Weltgeschichte lehrt, daß auch für die größten und unbesiegbar scheinenden Machtsysteme irgendwann die Todesstunde kommt, weil Macht von Natur aus irrational ist und sich nicht ewig reproduzieren kann.« [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mit dieser Prognose von Heleno Saña ist eigentlich schon alles gesagt über die EG- Nachfolgerin EU. Heilig ist dieses Gebilde allemal. Und wenn es auch nur scheinheilig ist, so holen sich trotzdem all ihre Chefs den Segen vom Vatikan. Längst sind wir, genauer gesagt die EU, mittendrin in den vorausgesagten Querelen und Krisen. Die Einheitswährung allein schafft kein Vereintes Europa. Im Gegenteil, die Gegensätze zwischen den „Herren- und Knechtnationen“* sind unüberbrückbar; sie vertiefen sich weiter. Und es gibt in jedem kapitalistischen Staat zwei Nationen, die der Herrschenden und die der Beherrschten!

»Daß ein kapitalistisches System für die große Mehrheit der Bevölkerung von Übel ist, kann als empirisch nachgewiesen gelten; daß es, wenn nicht irgendwie gebändigt bzw. reguliert, zur Verelendung der Massen und im wahrsten Sinn des Wortes zu Mord und Totschlag führt, kann nicht bestritten werden. Das 20. Jahrhundert der Katastrophen mit zwei Weltkriegen, zwei großen Weltwirtschaftskrisen, zahlreichen kleineren Kriegen und Krisen findet im 21. Jahrhundert eine traurige Fortsetzung. « [2]

Keiner der Regierenden ist schuldlos an den Zuständen im EU-Europa. Mit ihren Entscheidungen bestimmen sie über die Lebensweise und über die Zukunft vieler Menschen. Diese machen sie zu Objekten ihrer Machtgelüste. Und dies, obwohl sie von ihnen demokratisch gewählt wurden. Die Herrschenden im Kapitalismus leugnen die Klassenstruktur. Auf diese Weise sollen die Einkommensunterschiede verheimlicht bzw. heruntergespielt werden. Auch sollen die benachteiligten Menschen dazu gebracht werden, sich unterzuordnen. Und sie sollen sich mit den Entbehrungen sich genauso abfinden wie mit den Unterordnungen.

»Alles ist anscheinend frei: Markt, Erwerbsleben, Meinungs- und Koalitionsbildung. Aber diese Pluralität ist in Wirklichkeit eine von den Machteliten verwaltete Freiheit. Die Menschen im Abendland sind heute gewiß freier als je zuvor, aber lediglich im Sinne der kapitalistischen Ideologie. Genauer: Sie sind frei, insofern sie die Spielregeln des Systems protestlos hinnehmen. Ihre Freiheit beruht auf der »Einsicht in die Notwendigkeit« und setzt die Anpassung an das System voraus. Die Menschen sind keineswegs selbst-, sondern fremdbestimmt. Das Sagen hat letztlich das kapitalistische Über-Ich. ...diese Wertvorstellungen haben immer nur ein Ziel: die herrschenden Machtverhältnisse zu rechtfertigen.« [3]

Im Kapitalismus stehen sich eine Vielzahl von ausgebeuteten Ländern eine Handvoll von Ausbeuterländern gegenüber. Und diese Handvoll Länder hat furchtbare Angst davor, die Menschen könnten begreifen, dass die Menschheit ohne Ausbeutergesellschaften menschlicher und friedlicher lebt. Deshalb haben die EU-Obrigkeit und der US-Imperialismus solch eine Todesangst vor dem Beispiel Südamerika, besonders vor Venezuela.  

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Problem des Vereinten Europas ist schon sehr alt. Auch Lenin hat sich mit dem Problem Vereintes Europa beschäftigt: » Mit Vergnügen habe ich darüber nachgelesen, was W. I. Lenin schon 1915 in seiner Schrift »Über die Lösung der Vereinigten Staaten von Europa« aussagte. Als lebte er noch mitten unter uns, schrieb er u. a.: »Vom Standpunkt der ökonomischen Bedingungen des Imperialismus ... sind die Vereinigten Staaten von Europa unter kapitalistischen Verhältnissen entweder unmöglich oder reaktionär«.

Die EU ist wohl mehr letzteres. Er rügt »... die nationalen Millionärsausschüsse, Regierungen genannt »..., speziell die Englands, Frankreichs und Deutschlands. Er bejaht aber politische Umgestaltungen in wahrhaft demokratischer Richtung. Mit Nachdruck sagt er aus, dass zeitweilige Abkommen der Kapitalisten heißt, »mit vereinten Kräften den Sozialismus in Europa zu unterdrücken«, was wir ja täglich in der Gegenwart erleben. Die EU ist mit und ohne Euro reaktionär.«.  [4]

Ja, EU-ROPA ist ein einziger Augiasstall. Wir brauchen einen neuen Herakles, der es versteht, diesen gründlich und für immer und ewig auszumisten. Allein wird das kein Mensch schaffen. Deshalb müssen sich viele, sehr viele Menschen vereinen, um allen Unrat zu beseitigen. Der Unrat, das ist das parasitäre, faulende, dem Untergang geweihte kapitalistische System mitsamt der dazugehörigen Denkweise. Die Völker müssen büßen für die Gier der Reichen. Nicht der Euro ist Schuld an der Misere der  Demokratie und dem Defizit an Menschenrechten, sondern die Profiteure sind es. Nehmen wir das Beispiel Hoeneß. Warum soll bei ihm und bei seinesgleichen, wie Ackermann, Hundt,  Koch etc. alles mit einer Selbstanzeige abgetan sein, egal, wie hoch die Summen sind, die sich diese Damen und Herren unter den Nagel gerissen haben. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Leser ironischerweise neue Wortschöpfungen kreieren: »Neues Wort im Duden: verhoenessen (umgangssprachlich für das Verhöhnen von braven Steuerzahlern oder das schnelle Vergessen von Steuersünden); ich verhoenesse; Verhoenessung.«. [5] Bei dem schnellen Vergessen von Steuersünden muss unbedingt ergänzt werden: Mit aktiver staatlicher Hilfe und Unterstützung!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

»Europa muss wieder zu seiner humanistischen und emanzipatorischen Tradition zurückkehren, sie zur einzigen Richtschnur seines Handelns machen. Und das heißt heute nicht nur, die Verhältnisse im eigenen Hause radikal zu ändern; es bedeutet zugleich, sich aktiv um die Probleme der verelendeten Erdteile zu kümmern und deren Lösung als die dringendste und wichtigste Aufgabe der Menschheit auf die Tagesordnung zu setzen. Aber das kann Europa nur schaffen, wenn es sich wieder zu seinen universalen Wurzeln bekennt. Es wäre überdies reichlich naiv, zu glauben, daß Europa sich ein Luxusdasein inmitten einer Welt leisten kann, die in Elend und Armut erstickt. Wenn Westeuropa sich weiterhin abkapselt und an seinem kurzsichtigen Egoismus festhält, wird es zum Hassobjekt der Menschheit werden und früher oder später für seine Haltung büßen müssen.« [ 6]  

Und damit dieses Ziel erreicht werden kann, die Verwirklichung demokratischer Verhältnisse, einschließlich der Einhaltung der universellen Menschenrechte, sind noch harte Kämpfe gegen alle diejenigen Profiteure erforderlich, die für das Kapital und Macht über Leichen gehen. Heute haben diese Personen von Seiten des Staates dafür nur noch Bagatellstrafen zu erwarten. Und meist sind diese zur Strafe ausgesetzt. In der EU spielt sich die herrschende Nation ( die oberen Zehntausend sind gemeint), als Herrennation auf. Was von diesen Managern und Politikern betrieben wird, ist schlichtweg FINANZ-APARTHEID! Unter den Auswirkungen dieses Systems haben am schlimmsten Griechenland, Zypern, Portugal und Spanien zu leiden.     

Die Aufklärung der Menschen ist ein wichtiges Mittel im Kampf gegen das menschenunwürdige kapitalistische

QUELLEN:

[1] Aus dem 15. Kapitel (EUROPA SUPERSTAAT/Der supranationale Leviathan) des Buches  „Lüge Europa“ von Heleno Sana,  1993, Rasch & Röhrig Verlag, S. 274 -286

[2] Wie erreichen? Aus einem Leserbrief von  M. H. aus M. In: der  Junge Welt  vom 13. Mai 2013

[3] Die Zivilisation frisst ihre Kinder/ Die abendliche Weltherrschaft und ihre Folgen von Helena Saña; Rasch und Röhrig Verlag Hamburg 1997; ISBN 3-89136-648-5 Seite 47

[4] Leser H. B., Leipzig: Hauptproblem ist nicht der Euro. In: Neues Deutschland vom 10. Mai 2013  

[5]  IN EINEM SATZ von Leser G. A. aus B., Braunschweig, Braunschweiger Zeitung vom 08. Mai 2013
[6] Aus dem 15. Kapitel (EUROPA SUPERSTAAT/Der supranationale Leviathan

 des Buches  „Lüge Europa“ von Heleno Sana,  1993, Rasch & Röhrig Verlag, S. 274 -286

* Frei nach Bertrand Russell

Ich wünsche uns allen ein sehr kritisches und nachdenkliches Wochenende.
Mit menschlichen Grüßen
Kurt Wolfgang Ringel

PS.: Zu diesem Thema empfehlen wir weiterführende Literatur:

» Freidenker«, Organ des Deutschen Freidenker-Verbandes, Sitz Dortmund, herausgegeben vom Verbandsvorstand, Erscheinungsweise vierteljährlich, Heft Nr. 3-2012, 71. Jahrgang; zu dem Thema: ESM –Keine Rettung vor Krisen und Kriegen

» Freidenker«, Organ des Deutschen Freidenker-Verbandes, Sitz Dortmund, herausgegeben vom Verbandsvorstand, Erscheinungsweise vierteljährlich, Heft Nr. 4-2012 EXTRA , 71. Jahrgang; Dokumente zu den Aufgaben der Aufklärung

Die Lüge Europa - Ein Kontinent bangt um seine Zukunft - Helena Saña - Rasch und Röhrig Verlag Hamburg 1993 - ISBN 3-891136-481-4

Die Zivilisation frisst ihre Kinder - Die abendliche Weltherrschaft und ihre Folgen - Helena Saña - Rasch und Röhrig Verlag Hamburg 1997 - ISBN 3-89136-648-5


VON: KURT WOLFGANG RINGEL






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