Dreieicher Wohnungspolitik: Am Bedarf vorbei geplant

01.11.15
HessenHessen, News 

 

Von Natascha Bingenheimer

Eklatanter Wohnungsmangel und Wucherpreise

„Die Stadt Dreieich muss ihre Wohnungspolitik dringend neu überdenken: Es mangelt an bezahlbaren Wohnungen.“ Das sagt Natascha Bingenheimer, Stadtverordnete in Dreieich und Kreistagsabgeordnete im Kreistag Kreis Offenbach. „Die Erschließungs- und Bebauungspolitik der letzten Jahre hat sich zu stark auf Neubaugebiete wie Heckenborn oder NASS Nördlich der Albert Schweitzerstr. konzentriert, die den schnell steigenden Bedarf an bezahlbaren Mietwohnungen in keiner Weise decken können und werden. Es ist außerdem absolut unsinnig, einen weiteren Grünflächenverbrauch samt Bodenversiegelung anzukurbeln, auf denen Einzel- oder Reihenhäuser entstehen, in die dann eine kleine Zahl Menschen einziehen.“

Soziales und Wohnungsbau

„Tatsache ist: Bei sechs Wohnungsbaugesellschaften - mit der Nassauischen Heimstätte als der größten - werden in den kommenden Jahren weiter Wohnungen zusätzlich aus der Sozialpreisbindung fallen. Das verschärft die Lage zusätzlich, zum Beispiel am Berliner Ring.“

„Die Wohnungsbaupolitik in Dreieich übt sich in Rosinenpickerei, indem sie seit Jahren den Bau von Einzel- und Reihenhäusern befördert, um eine zahlungskräftigere Klientel anzuziehen. Inzwischen ist es kaum mehr möglich, überhaupt eine Mietwohnung zu finden, und wenn, dann zu Wucherpreisen.

Die Stadt hat es über Jahrzehnte versäumt, Investoren Vorgaben dahingehend zu machen, dass ein bestimmter Prozentsatz von Flächen in neu erstellten Projekten sozial gebunden ist.“

„Wir benötigen also nicht nur mehr Wohnungen, sondern auch ein höhere Wohndichte, die mit Einzelbebauungen gar nicht zu bewerkstelligen ist“, folgert Bingenheimer. „Die Dreieich Zeitung recherchierte unlängst, dass Mitte September in Dreieich über 450 Bürger auf der Warteliste für Sozialwohnungen standen.“

Lebenskonzepte und Wohnungsbau

Die Politik muss zur Kenntnis nehmen, dass die Lebenskonzepte in einem grundlegenden Wandel begriffen sind. Das bezieht sich auf die steigende Zahl von

  • Singles (z.Bsp. Auszubildende, pendelnde Arbeitnehmer, Arbeitssuchende, Studenten)
  • Alleinerziehenden;
  • alternativen Lebensformen (z. Bsp. Mehrgenerationenhäuser)
  • Ebenso geht es um demografische Entwicklungen, sprich, die zunehmende Zahl von (u.U. verwitweten) Rentnern und Senioren, die dauerhaft kaum in Einfamilienhäusern verbleiben;
  • Verschärft wird die Problematik durch einen migrationsbedingten Zuzug in den bereits hoch verdichteten Raum.

Ökologie und Wohnungsbau

„Es muss aber eindringlich davor gewarnt werden“, so die Linke, „den höheren Bedarf über einen weiteren massiven Flächenverbrauch zu bewerkstelligen. Dieser Punkt hat eine besondere Brisanz.“

Es gibt zwei klar vorgegebene Richtungen. Wir benötigen

  • mehr Nachverdichtung (Prinzip ‚Nachverdichtung vor Neuausweisung von Baugebieten’) und
  • bei Ausweisung eines Neubaugebietes das Erreichen von mehr Wohneinheiten durch Höhe (Prinzip ‚Mehr Fläche durch mehr Etagen’).

Wanderungsbewegungen und Wohnungsbau

„Es gibt Bevölkerungsentwicklungen, die eine Stadt wie Dreieich auch gar nicht steuern kann. Gemeint ist die Entwicklung der Einwohnerzahl je Quadratkilometer. Die Wachstumsdoktrin der Ballungsgebiete muss vor dem Hintergrund der Besiedlungsdichte im Rhein-Main-Gebiet kritisch hinterfragt werden.“

Die Einwohnerzahl in der BRD wird aufgrund des demografischen Wandels abnehmen. Gleichzeitig verteilt sich die Bevölkerung ungleicher in der Fläche, das heißt, Menschen ziehen aus ländlichen Räumen fort und in Ballungsgebiete und deren Speckgürtel zu, weil sie dort Arbeitsplätze finden. Das gilt auch für Dreieich. Dreieich hat 752 Einwohner je km2, Sprendlingen über 1007. Der Landkreis Offenbach hat 950 Einwohner je km2 und steht damit schon jetzt mit an der Spitze der Besiedlungsdichte der Landkreise in der BRD überhaupt.

Natascha Bingenheimer

Stadtverordnete Dreieich

Kreistagsabgeordnete Kreis Offenbach







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