Krisendebatte

29.10.12
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von Klaus Horn

Wie zum Beginn der letzten Oktoberwoche von mir angekündigt, mische ich mich unter die “Debatteure“.

Als sich in ihrem Vorwort die Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm in Kassel am 3ten Julius 1819 nach dem Erscheinen ihres zweiten Märchen- bandes bei ihren Freunden bedankten, war unter denen auch die Bäuerin Viehmännin aus dem Dorfe Niederzwehrn bei Kassel.
Sie war nicht viel über fünfzig und sehr rüstig. Sie erzählte ihnen Sagen und Märchen ganz frei aus dem Gedächtnis.

Darunter befand sich auch das Märchen "Von einem der auszog das Fürchten zu lernen“. Darin landete ein für Arbeit missratener Sohn nach allerlei misslungenen Ver- suchen, ihm das Gruseln beizubringen, schließlich in einem Schloß und wurde sogar ein junger König. Und da er sich immer noch gruselte, ließ ihn auf Geheiß seiner Frau das Kammermädchen eines Nachts aus einem Eimer voll kaltem Wasser mit Gründlingen überschütten. Da wachte er auf und rief: „Ach, was gruselt mir.“ (1)

Gesetzt der Fall, ein modernes Kammermädchen hätte auf Geheiß von RIO in ihrem Eimer nicht Gründlinge, sondern die vielen Worte aus seinem Beitrag „Marxismus in der Krise“.... und überschüttete damit bereits die scharf-linken Leser...

Denn dieser RIO-Beitrag kulminiert nämlich in der Aufgabe der revolutionären Marxisten und RevolutionärInnen, die Notwendigkeit des massenhaften und gewaltsamen Sturz der bestehenden Ordnung zu erklären. Das Ziel ist die Machteroberung der ArbeiterInnen- klasse und die Errichtung eines ArbeiterInnen- Halbstaates, der Diktatur des Proleta- riats. Dazu gesellen sich Organe der Selbstorganisation und –verwaltung, die Abwähl- barkeit als erste Keimformen von Räten.

Summa summarum gedacht als eine  sowjetische Strategie. Der revolutionäre Marxismus – jedenfalls der in diesem Eimer des modernen Kammermädchens – soll durch Umgrup- pierung der zersplitterten Linken in Programm und Politik, wieder sichtbar werden, nebst dem Wiederaufbau der Vierten Internationale. ...Jacob und Wilhelms Märchen-Gründlinge wären blaß vor Neid geworden.

Wem noch nicht klar war, warum oben rechts in RIOS Worten eine Bildmontage mit Marx Kopf, darunter  für manchen vielleicht etwas verwirrend: „Alles was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin“ von H.F. mit Absicht hineingesetzt wurde, dem sei ergän- zend kurz folgendes gesagt (2).

Diesen Satz hätte Marx bestimmt wiederholt aus der Zeit von vor 10 Jahren über im Kopf verdrehte französische Studenten von der Saint-Cyr-Militärschule, so erzählte es Engels 1890 dem Sozialisten und Karls Schwiegersohn, Paul Lafargue. Denn inzwischen waren auch in die deutsche Partei jede Menge Studenten, Literaten und andere junge deklassierte Bürgerliche von der gleichen französischen Sorte eingetreten. Sie besetz- ten fast alle Redakteurstellen in den neuen Zeitungen und machten alle in Marxismus. Mit denen hätte sich RIO bestimmt messen können.

Eigentlich wollte ich nicht so ein schweres Geschütz in die Stellungen der Debatte bringen. Allein diese Umstände waren der Anlass.

Schieben wir lieber diese dunklen Wolken – es probiert sich damit bekanntlich so mancher seit eineinhalb Jahrhunderten -  über den Marxismus einfach fort. Was für Heiterkeit über die Klassiker Karl und Friedrich sorgen sollte, dichtete Heinz Kahlau, deutscher Lyriker (1931 bis 2012) so:

„Überall, / wo die Porträts der Klassiker / des Marxismus / gezeigt werden, / macht es mich traurig, / dass sie so ernst / auf uns schaun. Ist nicht / was wir in ihrem Namen erfüllen - / von allen Menschenwerken / das heiterste? /
Unser Ziel ist doch: / Freundlichkeit. / War Engels ein Sauertopf? / Warum zwinkert uns Lenin, / der listige Denker, / nicht aufmunternd zu? / Wo ist das Land, / auf dessen Erbauer / ein lachender Marx schaut?“ 
[3]

Ein Gruß
Klaus Horn

(1) Grimms Märchen, Gesamtausgabe „Edition DÖRFLER“ im NEBEL VERLAG GmbH, Eggolsheim ISBN 3-89555-238, 635 und14.
(2) Die Quellenangaben von H.F. nur ergänzend: „Heiteres und Bissiges von Marx und Engels“ – Zusammengestellt von Käte Schubert, Dietz Verlag Berlin 1987 ISBN 3-320-00613-4, 223. Auch Engels an Paul Lafargue, 27.August 1890 MEW 37,430
[3] d-nb.info/880206810/04

 

   

 


VON: KLAUS HORN






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