Demokratischer Zentralismus - Nein Danke


Bildmontage: HF

18.01.12
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von Melchior-Christoph von Brincken

Russland 1917: 2,53 Millionen Arbeiter bei Gesamtbevölkerung von 180 Millionen.Das sind 1,4 % der Bevölkerung. Diese Arbeiter waren demokratisch in Räten organisiert.
In den Räten hatten die Bolschewiki die Mehrheit. Die Räte und Bolschewiki putschten gegen das Parlament, (das zwar parlamentarisch gewählt war, aber nicht wie beauftragt, den Krieg beenden wollte).

Die Bauern wurden ermutigt sich das Land anzueignen, was im wesentlichen Aristokraten, aber auch Mittelbauern betraf (wie z.B. der deutsch/jüdisch stämmige Vater von Trotzki). Soweit so gut.

Als die Bauern dann das Getreide abgeben sollte, ohne einen entsprechenden Gegenwert zu erhalten war dies während des Bürger-Krieges noch nachvollziehbar. Nach dem der Bürgerkrieg (der 'Weissen' gegen den Arbeiterstaat) zu Ende war, wurden aber Versuche der Bauern Getreide auf (Schwarz-) Märkten zu verkaufen mit Erschießungen geahndet.

Diese Politik der Gängelung durch den Zentralstaat war einerseits durch ein Unverständnis der Ökonomie der Bolschewiki bedingt, die die Existenz von Märkten mit Kapitalismus gleichsetzten - es gab z.B.  in China jahrtausendelang Märkte ohne Kapitalismus, da arbeitssparende Maschinen vom Adel immer wieder zerstört wurden.

Die 'kommunistische Zentralregierung' hatte es nach dem Bürgerkrieg geschafft, dass sich ein Gutteil der Bevölkerung im Aufstand befand.
Die Aufständischen wurden 'die Grünen' genannt und lebten a la 'Robin Hood' im Wald und genau wie dieser führten sie Krieg gegen die Steuereintreiber - die sie überfielen. Als der Kronstadt Aufstand niedergeschlagen wurde, war Trozki selbst gerade mit der Niederschlagung eines Aufstands 'der Grünen' beschäftigt.

Anmerkung zu Kronstadt:
Das reaktionäre Machwerk 'Schwarzbuch des Kommunismus' behauptet, das 50.000 Menschen in Kronstadt umgebracht wurden.Der Anarchist Alexander Bergmann spricht von 2.000 Toten.Diese setzen sich allerdings aus 400 toten Kronstädtern und 1.600 toten Rot-Armisten zusammen, da diese ohne Deckung über das Eis liefen und daher ein gutes Ziel abgaben.

Die restlichen Kronstädter flohen über das zugefrorene Eis nach Schweden (viele kamen später wieder). Interessant ist nun die Zahl realer Opfer mit denen bürgerlicher Propaganda zu vergleichen: 400 zu 50.000. Bei einer realen Gesamtbevölkerung inkl. Soldaten von 14.500 in Kronstadt haben die bösen Bolschewiki - laut 'Schwarzbuch des Kommunismus' - jeden Kronstädter also mehr als 3 mal erschossen.

Die K-Gruppen oszellieren um die 'magische' Zahl von 300. Überschreiten sie diese, werden die hierachischen Strukturen, deren Entscheidungen bis dahin durch persönliche Gespräche nachvollziehbar aber auch beeinflussbar sind, unerträglich.
Meine eigenen Erfahrung in der SAG (aka Linksruck aka Marx 21) und ISO/IS zeigen, dass der 'demokratische Zentralismus' (die Nazis nennen das Kind beim Namen: Führerprinzip) bedeutet, das gewählte Vertreter Entscheidungen treffen können und de facto in die einzelnen Ortsgruppen hinein regieren.

Die Zusammensetzung der Delegierten kann zudem leicht manipuliert werden, in dem z.B. wie in der SAG / Linkruck ein vermögender Arztsohn Delegierten, die seine Linie unterstützen die Fahrkarten sponsert, und so oft überregional Mehrheiten erreichte, die zu einer Führung (ZK bzw. ZL) führten, die nicht die Mehrheit vertrat.

Die Schreiber der amerikanischen Verfassung (nein - ich bin kein Anti-Deutscher, sondern gegen Apartheid und Imperialismus) haben aus einem damals bürgerlichen revolutionärem Geiste mehrere Prinzipien aufgestellt:

Freiheit der Rede -
innerhalb der Linken wird gerne mit 'Ideologieverdacht' gearbeitet, d.h. man sei 'antisemitisch' wenn man etwas gegen den Apartheitsstaat Israel sagt. De facto werden Denkverbote ausgesprochen.
(Zionisten und Nazis kooperierten)

Das Recht Waffen zu besitzen - (bedeutete eigentlich im Wesentlichen, dass die Bürger bewaffnete Milizen haben dürfen, die sie gegen einen übermächtigen Zentralstaat schützen.

Die Zentral-Regierung dürfe kein Gesetz schreiben
('the federal state shall write no law') - nur die Staaten. Die Zentralregierung ist für die Verteidigung und Kriegsführung zuständig - für sonst nix.

D.h. auf Organisationsprinzipien linker Gruppen übertragen: Es darf kein ZK in die Ortsgruppen hinein intervenieren, sondern nur organisatorische Aufgaben wahrnehmen, die überregionales gemeinsames Agieren verlangen wie z.B. die Organisation überregionaler Demos oder die Durchführung der Revolution :)

Lenin hatte mit seinen Parteiprinzip jedoch in einem recht: Revolutionäre benötigen eine eigene Organisation.

mit freundlichen Grüssen
Melchior-Christoph von Brincken.
Wien, den 17. Jänner 2012

Mitglied bei:
www.soziale-opposition.de
www.internationale-sozialisten.de

Lesetipp:  'Liberty Defined'  - Ron Paul
(auch als Audiobook herunterladbar bei TPB, Ron Paul ist 'Libertarian', d.h. ist ein prokapitalistischer Anarchist, aber mit seiner Anti-Kriegsposition und dem Ansatz den Zentralstaat inkl. CIA wegzusparen sehr erfrischend - nicht nur für US Verhältnisse)

P.S.:. von den 1,4% Arbeitern, die die Räte ausmachten starben die meisten im Bürgerkrieg gegen 'die Weissen' und dann viele bei der Niederschlagung von innersowjetischen Aufständen. D.h. am Ende regierte das ZK und ein Apparat, und nicht die Arbeiter, die grossteils getötet worden waren.



VON: MELCHIOR-CHRISTOPH VON BRINCKEN






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