Über 600 "Linke" zahlen im Saarland keine Parteibeiträge

07.04.08
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EDV-Systeme kollabieren angeblich vor dem Ansturm neuer Parteimitglieder – Friedhof der Karteileichen wächst beständig

Von Claude Michael Jung

Im Saarland zahlen mehr als 600 Mitglieder der Partei DIE LINKE.Saar keine Beiträge. LINKE Landeschef Rolf Linsler sagte dazu dem Saarländischen Rundfunk (SR), man habe bereits eine Kommission eingesetzt, um die Unregelmäßigkeiten bis zum Sommer zu klären. Hintergrund des Problems sei, dass mit PDS und WASG zwei Parteien mit unterschiedlichen EDV-Systemen zusammengewachsen seien. Die Linke hat nach Angaben ihres Landeschefs Rolf Linsler im Saarland rund 2.100 Mitglieder.

Hätte Rolf Linsler die Mitgliederzahl seiner Partei im Saarland mit rund 2 100 brutto angegeben, wäre er dem tatsächlichen Mitgliederbestand schon fast nahe gekommen. Zieht man also die über 600 Karteileichen vom Bruttobestand ab, so verbleiben derzeit netto noch rund 1.500 als Istbestand des Landesverbandes. Die angeblich unterschiedlichen EDV-Systeme von WASG und PDS für das Zahlenfiasko verantwortlich zu machen, ist selbst bei wohlwollender Betrachtung Humbug und Nonsens.

Zwar hatte die PDS auch im Westen das gute alte „Adam-Riese System" zur Mitgliederverwaltung und Beitragseinzug auf ihren Rechnern installiert, anscheinend jedoch die veraltete Version 1.0. Diese zeigte lediglich klar an, wer wann seine Beitrage gezahlt hatte und wer im Rückstand war. Bei Beitragsrückstand folgte sodann eine freundliche Mahnung und danach die Bereinigung der Mitgliederdatei.

Dem Fortschritt zugewandt, installierte die WASG zur Mitgliederverwaltung auf ihren Rechnern, das neuere, wesentlich modernere und mit vielen kreativen Möglichkeiten ausgestattete „Adam-Riese System" in der Vollversion 2.0", samt Service-pak und Trickfilter. Das neue System hat die Möglichkeit, wie im Westen üblich, die Buchführung der Kreativität der USER (Benutzer) anzupassen. Nur der DAU, der dümmste anzunehmende USER, lässt bei diesen traumhaften Möglichkeiten die Pfoten von der kreativen Möglichkeit, selbst Karteileichen herauszuputzen und den Mitgliederbestand richtig schön aufzublähen. Das blendet wirkungsvoll die Öffentlichkeit und gaukelt dieser eine positive Bilanz und rosige Zukunftsaussichten vor. Man zeigt Kontinuität vor, wo in Wirklichkeit ein enormer Austausch der Mitgliederbasis von statten geht.

Die rund 600 Karteileichen im Saarland sind jedoch kein Einzelfall. Derzeit zahlen, nach unserer Redaktion vorliegenden internen Informationen, in den alten Bundesländern mehr als ein Drittel der angeblichen Mitglieder keinen Beitrag. In Rheinland Pfalz sollen es derzeit mehr als 50% sein und im Mitgliederstarken Landesverband NRW werden selbst öffentlich ausgetretene, ehemalige Mitglieder noch immer als Mitglieder geführt, gemeinsam mit ca. 1000 still schweigend ausgetretenen ex Mitgliedern.

Wozu der saarländische Landesverband da noch eine Kommission einsetzt, um die Unregelmäßigkeiten bei der Milchmädchenrechnung bis zum Sommer zu klären, mag das Geheimnis des Landesvorstands bleiben. Wenn rund 600 „Mitglieder" keinen Beitrag mehr zahlen, so dürfte wohl feststehen dass sie der Partei längst stillschweigend den Rücken gekehrt haben. Hinzu kommt eine ganze Reihe sogenannter Mitglieder, die niemals Beiträge an die Partei gezahlt haben, weil sie dazu gar nicht in der Lage waren. Hier handelt es sich um Empfänger von Hartz IV Leistungen, die nach Inanspruchnahme von Beratungen, welche DIE LINKE.Saar zeitweise angeboten hatte, zum Eintritt in die Partei der sozialen Gerechtigkeit überredet wurden. Mitgliederwerbung mit Drückermethoden?

Die von LINKE Landeschef Linsler angekündigte Kommission zur Exhumierung des Karteileichenbestandes, sollte wohl besser der Frage nachgehen, warum eine solch große Anzahl „Mitglieder" der Partei frustriert den Rücken kehrt, anstatt dem Landesschatzmeister beim Erbsenzählen die Stange zu halten. Klärungsbedarf besteht auch bei der Frage, ob das vor einigen Monaten, mit einem Blumenstrauß willkommen geheißene Mitglied Nummer 2000, die Willkommensgabe wieder herausrücken muss, oder ob der Blumenstrauß weiter auf dem Komposthaufen, seiner letzten Ruhestätte, in Frieden verrotten darf.

Au, den 5. April 2008







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