Wohltätig im Aufsichtsrat

06.11.12
PolitikPolitik, Wirtschaft, Debatte, TopNews 

 

von Marja Winken

Neid sei es, schreiben manche Kommentatoren, der sich an dem Kanzlerkandidaten der SPD austobe. Auch ständige Vortragsreisen seien doch anstrengend und deshalb ihres Lohnes wert.

Das stimmt schon; vermutlich erfordert ein launiges Referat vor Bankern mehr Konzentration als das Herumsitzen im Bundestag. Und auch ein Schachspiel mit Helmut Schmidt will erst Zug um Zug geführt sein, bevor es sich verkaufsfördernd im Buchmarkt einsetzen läßt.

Durch Nichtstun sammeln sich nicht unterm Strich Euro-Milliönchen an. Zu bedenken ist auch, daß Peer Steinbrück nebenher Aufgaben übernommen hatte, die gar nicht üppig bezahlt werden.

Ein Mandat im Aufsichtsrat der Thyssen-Krupp Aktiengesellschaft nahm er wahr. Da war viel Verantwortung zu tragen: Die alte Rüstungsschmiede rentiert sich nicht mehr durch den Absatz von Kanonen, sie muß moderne Militärgeräte anbieten, auf  kostspielige U-Boote hat sie sich spezialisiert, die müssen aber erst mal an die Staatsmänner gebracht werden.

Also Export nach Griechenland, in die Türkei, nach Israel , an den Golf und vielleicht auch nach Pakistan. Natürlich nicht, das wäre ja ein Gesetzesverstoß, in Spannungsgebiete. In einer solchen Branche brauchen Aufsicht und Rat viel politische Kompetenz.

Jetzt hat Steinbrück, um seiner Partei willen, dieses Mandat beiseitegelegt. Finanziell ist das nicht tragisch, die Jahresvergütung betrug nur ca. 70.000,- Euro, kaum der Rede wert. Eher Wohltätigkeit, das Engagement bei Thyssen-Krupp.

(Vorab aus der Zweiwochenschrift "Ossietzky", Ausgabe 23)




VON: MARJA WINKEN






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