Explodierende Energiepreise: Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin empfiehlt den Armen dicke Pullover


Bildmontage: HF

29.07.08
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Wer nicht zahlen kann, soll auch nicht heizen

Von Edith Bartelmus-Scholich

Der Preis für Heizöl ist im Laufe der letzten Monate um 62% gestiegen. Der Gaspreis wird folgen.  Es ist absehbar, dass einkommensschwache Haushalte diese Preissteigerung nicht mehr auffangen können. Schon im vergangenen Jahr wurden 1 Million Haushalte die Energiezufuhr wegen unbezahlter Rechnungen gesperrt. DGB, LINKE und Grüne fordern, die ausufernden Steigerungen bei Heizöl und Erdgas durch Sozialtarife für Energie abzufedern. In die Debatte hat sich nun Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) eingeschaltet.

Sarrazin findet Sozialtarife für Energie unnötig. Hohe Preise regulieren sich am Markt, ist sein Credo. Wer die Preise für Heizöl oder Erdgas nicht mehr bezahlen kann, soll die Heizung eben drosseln. Sarrazin weiss, dass 16 Grad Raumtemperatur und ein dicker Pullover den Armen zumutbar sind. Auch die Pendlerpauschale will er nicht wieder einführen. Der Weg zur Arbeit soll Privatsache bleiben.

Sarrazin denkt in abstrakten, nackten Figuren. Die Lebenswirklichkeit ist ihm fremd, sofern er sie nicht leugnet. Im wirklichen Leben, fern der Sarrrazinschen Weisheiten gibt es Millionen Haushalte, die schon vor der exorbitanten Preissteigerung die Heizung gedrosselt haben. Arme beheizen meist schon heute nur noch einen Teil ihrer Wohnung. Hartz IV Betroffene können aus dem vollständig unzureichenden Regelsatz nicht einmal mehr die Energie zum Kochen aufbringen. An vielen Tagen bleibt in unzähligen Haushalten nicht nur die Wohnung, sondern auch die Küche kalt. Energielieferanten nehmen keine Rücksicht auf Armut, Kleinkinder oder Alte im Haushalt. Rücksichtslos wird abgesperrt, wenn nicht pünktlich gezahlt wird. Den Armen in der BRD werden längst die Grundbedürfnisse abgeschnitten.

Sarrazin hingegen gefällt sich darin, den Armen selbstgerecht Ratschläge zu erteilen. Er will von 122 Euro im Monat gesund essen können, will für 5 Euro Mindestlohn arbeiten gehen und nun im dicken Pullover in der kalten Wohnung sitzen. Leider kann er als Finanzsenator dieses Leben so gar nicht führen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin sollte ihm rasch Gelegenheit geben, seine Ratschläge selbst zu erproben. Eine fristlose Entlassung, Langzeitarbeitslosigkeit, Aufbrauchen seiner Ersparnisse und dann ab ins Abenteuer Überleben!

Edith Bartelmus-Scholich, 29.7.08

 

 







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