AN DIE STAATSMINISTERIN AYDAN ÖZOGUZ

18.12.13
PolitikPolitik, Internationales, News 

 

von Zentralrat der Armenier in Deutschland

Sehr geehrte Frau Ministerin Özoguz,

wir gratulieren Ihnen zu Ihrer Ernennung als Staatsministerin für Fragen von Migration und Integration. Sie haben eine sehr komplexe Aufgabe vor sich und wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Bewältigung dieser Herausforderung.

Wir freuen uns darüber, dass auch in der neuen Bundesregierung wieder ein Kabinettsmitglied mit ausländischen Wurzeln vertreten ist. Für die vor Ihnen liegende Arbeit kann es nur von Vorteil sein, dass Sie allein aus dem persönlichen familiären Hintergrund ein vertieftes Verständnis für die Themen mitbringen, die uns in den unterschiedlichen Migranten-Gruppen bewegen.

Die Armenier in Deutschland verbinden ihre historischen Wurzeln in der alten Heimat – und damit im osmanischen Reich - mit einer weit fortgeschrittenen Verwurzelung in der neuen Heimat. Aber es bleibt ein schmerzhafter Stachel, der uns tagtäglich quält: die Leugnung der eigentlichen Ursache für unser Leben in der Diaspora, die Leugnung also des türkischen Völkermords an den Armeniern durch die Türkei. Vor allem aber die Verdrängung dieser historischen Tatsache auch durch die deutsche Politik.

Der Prozess der Integration bleibt massiv gestört durch diese Politik des (Ver-) Schweigens. Und das gilt natürlich nicht nur für die Armenier und andere nicht-türkische und/oder nicht-islamische Türkei-stämmige Migranten, sondern genauso für die Migranten mit türkischem und islamischen Hintergrund: So lange wir hierzulande zulassen, dass diese Mitbürger sich der Geschichte Ihrer Vorfahren entziehen, so lange wird es für beide Gruppen – die Nachfahren der Opfer wie die Nachfahren der Täter – keine wirkliche Integration geben.

Wir hoffen sehr, dass Sie zu einem freien Umgang mit der europäischen Geschichte von Verfolgung und Völkermord beitragen und dass Sie Wege finden helfen, diese Thematik in einen offenen Diskurs zu transferieren. Mit dem Ziel, eines Tages das integrationsfeindliche Defizit aus unseren die Schul- und Lehrbüchern zu tilgen – mit anderen Worten: das Thema Völkermord in den Kanon unserer Grundwerte und damit in den Kanon unserer Bildungsinhalte aufzunehmen.

Es ist nicht mehr lange hin, bis wir jenes Datum begehen müssen, das uns alle schon seit langem berührt – den 24. April 2015. Das ist die hundertste Wiederkehr des Völkermords von 1915. Die deutsche Politik sollte bis dahin einen Weg gefunden haben, die historischen Fakten anzuerkennen und damit endlich einen Prozess der Versöhnung einzuleiten.

Verzeihen Sie, dass wir Ihnen dieses Thema jetzt gleich in den ersten Tagen Ihrer Amtszeit auf den Tisch legen. Aber wir glauben an den Dialog. Wir hoffen sehr, mit Ihnen über dieses Problem ins Gespräch zu kommen.

Mit den besten Wünschen
Azat Ordukhanyan
Vorsitzender des Zentralrats der Armenier in Deutschland
Frankfurt am Main, 17. Dezember 2013



VON: ZENTRALRAT DER ARMENIER IN DEUTSCHLAND






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