Rentenbescheid

02.08.21
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Satire von Deutscher Einheit(z)-Textdienst

Sehr geehrter Herr Härtel,

hiermit erhalten Sie nach 47 Arbeitsjahren Ihren Rentenbescheid! Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass dieser aus zwölf bedruckten Blättern im Format DIN A 4 besteht. Das bedeutet, dass es im Computer der deutschen Rentenversicherung zu einer sehr gründlichen Bearbeitung Ihrer Rentenangelegenheit gekommen ist. Üblich sind bei uns für Rentenbescheide nämlich nur sieben Blatt bedrucktes Papier im Format DIN A 4.

Und nun das Wichtigste, nämlich zu Ihrer Rente, die Sie ab dem nächsten Monat erhalten: Wie Ihnen sicher bekannt ist durch die Medien, besteht die Rente neuerdings nicht mehr aus einer regelmäßigen monatlichen Auszahlung, sondern aus einer persönlichen Grundausstattung, die Sie einmalig erhalten und mit der Sie künftig täglich Ihre Rente je nach Bedarf einholen können. Konkret handelt es sich um einen gut ausgestatteten, großen Einkaufswagen mit verschiedenen Metallkörben und Unterteilungen, in denen Sie Ihre Rente täglich hineinstellen. Dafür stehen Ihnen die Abfallkörbe in der Hauptstraße ab Hausnummer 43, der Bergstraße, der gesamten Fußgängerzone, dem Busparkplatz sowie dem Wohngebiet West und am Samstagabend der Platz vor dem Theater zur Verfügung. Ihr Ausweis dafür liegt bei und ist den Sicherheitskräften bei einer Kontrolle vorzulegen.

Wir versichern Ihnen nach unserer Rentenberechnung, dass die Tageseinnahmen an Flaschenpfand in den aufgezeigten Straßen für Sie bei einer aktiven Sammeltätigkeit von acht Stunden täglich völlig ausreichend sind, damit Sie Ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Wir machen Sie vorsorglich darauf aufmerksam, dass die Sammeldistrikte für Sie bindend sind. Wenn Sie in anderen Straßen sammeln, führt dies nach Kontrollen zu Strafmaßnahmen wie Flaschenpfandkürzung und Reduzierung Ihrer Sammelgebiete.

Abschließend weisen wir Sie darauf hin, dass die von uns errechnete Rente natürlich nur mit hinzugerechneter Ergänzungsnahrung durch die Tafel, die anliegenden Wärmestuben und durch gelegentliches Betteln in der Fußgängerzone gedacht ist.

Hochachtungsvoll

Rentenversicherungsamt

Dr. Ewald Pfitzner







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