Rentenalter rauf?


Bildmontage: HF

27.05.18
SozialesSoziales, Debatte 

 

Von Holger Balodis

Der Bundesbank-Chef Jens Weidmann fordert ein höheres Renteneintrittsalter. Bereits vor zwei Jahren hatte er für die Zielmarke von 69 Jahren plädiert. Angeblich um die junge Generation nicht zu überfordern. In Wahrheit beschleunigt eine solche Maßnahme die soziale Schieflage der Gesellschaft. Denn aus der Tatsache, dass die Menschen im Schnitt älter werden, folgt noch lange nicht, dass sie auch länger arbeiten können, vor allem nicht alle. Die Fakten: Derzeit liegt das tatsächliche Zugangsalter bei 64,1 Jahren und wenn man die Erwerbsminderungsrenten einschließt bei 61,8 Jahren. Wer also über ein Rentenalter von 69 fabuliert, weiß genau, dass das die Allermeisten nicht schaffen werden. Vor allem nicht jene, die unterdurchschnittlich verdienen und somit bereits heute besonders niedrige Renten bekommen. Sie müssen tendenziell eher aus dem Berufsleben aussteigen als Besserverdiener und haben somit besonders geringe Chancen das höhere Renteneintrittsalter tatsächlich zu erreichen. Die Folge sind heftige Rentenabschläge für eine vorzeitige Verrentung, also ein Rentensenkungsprogramm für die Ärmsten. Wenn man weiß, dass genau jene Gruppe obendrein statistisch deutlich kürzer lebt als die Besserverdiener wird eines deutlich: Die deutliche Erhöhung des Renteneintrittsalters wird zu einer weiteren Umverteilung von unten nach oben führen. Kleinverdiener bekommen noch weniger und im Einzelfall noch kürzer eine Rente gezahlt. Besserverdiener dürften hingegen weniger von Rentenabschlägen betroffen sein. Ihre Renten werden also vergleichsweise seltener gekürzt und sie profitieren auch weiterhin von ihrem längeren Leben – auf Kosten der Armen.

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)







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