Nicht nur der Virus macht krank, sondern auch Lockdown-Maßnahmen

24.02.21
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Von Michael Lausberg

Die psychosozialen Folgen eines längeren Lockdown werden als Kollateralschäden einfach hingenommen und auf Sachzwänge und abstrakte Zahlen verwiesen. Sie spielen eine ungeordnete Rolle bei den Entscheidungen im Umgang mit Corona, mit desaströsen Folgen.

Die Corona-Maßnahmen bedeuten für Millionen Menschen wirtschaftliche Existenzsorgen und Zukunftsängste. Großkonzerne wie Lufthansa bekommen großzügige Hilfen, dagegen fristen abhängig Beschäftigte, kleine Selbständige, Kreative in Kunst und Kultur ein Schattendasein auch wegen der Unfähigkeit, Gelder rechtzeitig auszuzahlen.

Damit oft verbunden sind schon jetzt spürbare psychosoziale Folgen, die sich in den nächsten Jahren wohl noch potenzieren werden.

Die beiden Lockdowns haben die angespannte Situation für viele Menschen noch verschärft. Soziale Isolation, familiäre Konflikte und Existenzsorgen haben zugenommen und werden zunehmen. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass sich die psychische Gesundheit der Bevölkerung noch weiter verschlechtern wird. Eine Befragung von Kindern ergab, dass Ängste, Einsamkeit bis hin zu Selbstmordgedanken sich im Lockdown potenziert haben. Aber auch beengte Wohnverhältnisse kommen nun stärker zum Tragen, wenn weniger Freizeitaktivitäten nach draußen verlagert werden können.

Auch die Dauer der Krise bringt inzwischen viele Erwachsene an den Rand ihrer psychischen Belastbarkeit.

Vor allem bei jüngeren Frauen bis Ende 30 hat sich die psychische Gesundheit verschlechtert. Das kann an der Vielfachbelastung bei berufstätigen Frauen mit Kindern liegen: Im Lockdowns waren plötzlich die Kinder zu Hause und brauchten Zeit und Zuwendung, gleichzeitig mussten viele Berufstätige auf einmal im Homeoffice im Job ihre Leistung bringen, und dann kam auch noch die Ansteckungsgefahr hinzu.

In einer Umfrage rechnen drei Viertel der Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen in der BRD mit einer Welle psychischer Erkrankungen in den kommenden zwölf Monaten. Das ergab eine Online-Befragung durch die pronova BKK, an der im Oktober und November 2020 bundesweit 154 Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen teilnahmen. Vier von fünf Therapeut*innen erwarten, dass Depressionen und depressive Verstimmungen weiter zunehmen. Dies betreffe besonders Menschen mit psychischen Vorerkrankungen.

Diese Liste lässt sich beliebig weiter fortsetzen.

Dabei ist zu erwarten, dass sich erst in den nächsten Jahren die Folgeerscheinungen des Lockdowns und die zur Gewohnheit gewordenen sozialen Verhaltensmuster sichtbar werden. Weiterhin ist zu erwarten, dass die Corona-Maßnahmen mitverursachten Selbstmorde oder die Flucht in verschiedene Spielarten von Suchterkrankungen steigen werden.

Ob sich die Entscheidungsträger der Corona-Maßnahmen jedoch damit auseinandersetzen werden? Wohl eher nicht, das wäre ja unbequem.









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