Denk ich an Gauck in der Nacht...

02.04.12
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von Franz Witsch

...bin ich um den Schlaf gebracht.

So könnte man meine Heine nachempfundene Befindlichkeit überschreiben. Unerträglich verlogen, dieser Gauck.

Dazu möchte ich dem interessierten Leser einen Text zur Kenntnis geben, siehe unten [1]

Der Text ist informativ und hat dennoch eine erhebliche Schwäche, wiewohl er auf ein Gefühl (gegen Gauck) verweist, mit dem ich mich identifizieren kann.

Allein, die Autorin Susann Witt-Stahl analysiert den historischen Kontext und vermutlich auch die Systemfrage nicht präzise. Das sei an zwei Beispielen deutlich gemacht:

(1) Sie wirft Gauck vor, dass er gegen jene, 'die die Systemfrage stellen, ohne je eine System-Alternative gesehen zu haben', wettern würde, und erweckt damit den Anschein, dass es im (linken) öffentlichen Diskurs tatsächlich Teilnehmer gäbe, die (wie sie selbst) die Systemfrage hinreichend stellen. Dabei bedeutet, die Systemfrage zu stellen, zunächst noch gar nichts.

Das tun auch Neoliberale wie Hans-Werner Sinn, ohne dass sie das System insgesamt infrage stellen. In vergleichbarer Weise verfahren Linke. Zumindest kenne ich keine(n), der/die die Systemfrage zureichend stellt. Sie wollen nichts ändern, nur gut leben. Das beweist die Partei "Die Linke" jeden Tag. Gut zu leben sei auch allen anderen Linken gegönnt, wenn sie nur - pardon - mit ihrem undifferenzierten Systemgeschwätz nicht immerzu nerven würden.

(2) Gauck, so die Autorin weiter, setze Kommunismus und Nazi-Deutschland "unentwegt gleich", wiewohl er behaupte, es nicht zu tun. Wie dem auch sei, historische Ereignisse sind singulär: das eine wie das andere politische System als historisch singulär zu bezeichnen ist per definitionem richtig, also belanglos. Also muss es erlaubt sein, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, die es z.B. gestatten, das eine wie das andere System als verbrecherisch zu bezeichnen.

Mit der Aussage eines "uneingeschränkt verbrecherischen Kommunismus" möchte sich die Autorin aber vermutlich nicht identifizieren. Da hält sie sich zumindest bedeckt. Dabei ist der Kommunismus, wie er leibt und lebte, unter keinen Umständen gerechtfertigt (Marx würde sich im Grabe umdrehen), völlig unabhängig davon, ob und welche fundamentalen Unterschiede er zum Nazi-System aufweist.

Ohne diese Aussage erweckt die Autorin indes den Anschein, als könne man sagen, der Kommunismus sei wenigstens ein bisschen legitimiert, vielleicht weil es kommunistische Widerstandskämpfer im "Dritten Reich", oder weil es in der DDR keinen Völkermord gegeben habe; - mit dieser Aussage lässt sich jede nur erdenkliche heutige Schweinerei rechtfertigen, so in der Art: bei uns ist zwar manches verbesserungsbedürftig, aber man kann wenigstens seine Meinung sagen.

Ich möchte hinzufügen, dass eine hinreichende soziale und ökonomische Analyse sehr wahrscheinlich in der Lage wäre, die Aussage zu rechtfertigen, dass unser politisches System verbrecherisch ist, und zwar völlig unabhängig davon, ob man hier seine Meinung sagen darf oder nicht. Nun, ich kann mir vorstellen, dass sich z.B. Gysi bei uns genauso, wenn nicht wohler fühlt als in der DDR.

Aber nicht, weil er früher weniger herumgeschleimt hätte, sondern weil er hier mehr Bedeutung für sich selbst generieren kann: hier darf er unentwegt in die Kamera lachen und verdient sich dabei auch noch dumm und dämlich. Warum sollte er also hier auch nur das Geringste ändern wollen?

Der würde, wie der Gauck (und das arbeitet die Autorin gut heraus!), in jedes politische System passen. Deswegen hat Gysi dem Gauck, weil er das Wort "Gerechtigkeit" in den Mund genommen hat, auch brav zugeklatscht. Beide glauben an die Magie ihrer Worte, weil sie Geld generieren. Redefluss gegen Geldfluss. Das beherrschen sie und davon leben sie. Mehr wollen sie nicht.
 
[1] http://www.hintergrund.de/201203311989/politik/inland/die-geschichte-neu-schreiben.html
www.film-und-politik.de

Susann Witt-Stahl
via hintergrund.de

Warum Joachim Gauck der Präsident der deutschen Normalisierung ist

Die von Joachim Gauck repräsentierte und zur Ideologie erhobene deutsche Normalität indiziert eine Radikalisierung der Normalisierungsbestrebungen. Sein extremer Antikommunismus und sein Geschichtsrelativismus drohen, ein wichtiges mit Richard von Weizäckers Rede manifest gewordenes Eingeständnis, Deutschland sei am 8. Mai 1945 befreit worden, objektiv zurückzunehmen.

Der neue Bundespräsident überhäuft die polnischen Nachbarn mit Komplimenten. Schon 2009 hatte Joachim Gauck angekündigt: „Wenn die nächste Diktatur (in Deutschland) kommt, gehe ich nach Polen.“ (1) Vorläufig kann er es bei einem Besuch belassen. Die Entscheidung, dass Komoroeski - Gauckseine erste Auslandsreise in „das europäische Land der Freiheit“ gehen soll, betont er, „kam von Herzen“.

Spätestens als ihm sein Gastgeber, Präsident Komorowski, ein Wahlplakat der Gewerkschaft Solidarnosc – sie hatte zum Ende des real existierenden Sozialismus in Polen und in ganz Osteuropa beigetragen – überreicht und Gauck überglücklich reagiert, ist auch der letzte Zweifel an der Aufrichtigkeit dieser Liebeserklärung ausgeräumt.

Der Hass auf alles, dem das Label „Kommunismus“ verpasst werden kann, verbindet über Grenzen hinweg. Wenn es gegen die Roten geht, dann stören auch revisionistische und geschichtsfälschende Äußerungen, wie sie Gauck im Nachwort des Schwarzbuch des Kommunismus verewigt hat, nicht die neue Harmonie: „Einheimischen wie Vertriebenen galt der Verlust der Heimat als grobes Unrecht, das die Kommunisten noch zementierten, als sie 1950 die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten", hatte er 1998 behauptet (dass die Abtretung ehemals deutscher Gebiete an Polen ebenso von den westlichen Alliierten forciert wurde, ficht ihn nicht an). Gauck darf das. Er ist längst nicht mehr nur der Präsident der deutschen, sondern auch der „polnischen Herzen“, meint zumindest die Mittelbayerische Zeitung....

Weiter hier:
http://www.hintergrund.de/201203311989/politik/inland/die-geschichte-neu-schreiben.html

 


VON: FRANZ WITSCH






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