Die (a)sozialen Netze und die Politik

06.05.12
SozialesSoziales, Kultur, Debatte, TopNews 

 

von Roland Oeser

Als ich mich vor Jahren bei 'Facebook' angemeldet habe, versprach ich mir davon, als damals noch Mitglied der Partei DIE LINKE weitergehende Informationen aus anderen Verbänden zu erhalten, die z.B. nicht auf den offiziellen Seiten dieser veröffentlicht waren. Das funktionierte auch im Anfang ganz gut, es gab schon mal Hintergrundinformationen, die man eventuell auch nicht wirklich öffentlich machen wollte.

Mit den Jahren, inzwischen war ich aus der Partei ausgetreten, hatte ich eine Vielzahl von FB-Freunden, über tausend. Die Partei hatte ich immer noch im Auge, denn für mich stellte sie zumindest noch die letzte Alternative dar, überhaupt zu wählen. Dementsprechend war auch die politische Ausrichtung, die meine FB-Freunde vorgaben.

Mir ist klar, jeder Mensch ist ein Individuum. Wenn mehrere Individuen gleiche Interessen haben, schließen sie sich zusammen. Und wie bei jedem Zusammenschluss kann es dann zu Konflikten kommen. Diese sollten gemeinsam dann gelöst werden. Und es gibt die Einzelkämpfer, die sich schwer oder gar nicht integrieren lassen. Auch mit denen kann man in der Regel leben.

Aber da fängt dann das Problem, das die sozialen Netzwerke schaffen, an. Nehmen wir mal den aktuellen Fall Timoschenko. Als die ersten zaghaften Proteste aus der westlichen Welt an die Ukraine gingen, Timoschenko doch die notwendige Operation zu ermöglichen und bei den Haftbedingungen die Menschenrechte zu beachten, kamen schon die ersten plakativen Darstellungen von Timoschenko als kapitalistische Verbrecherin, die eben nur die Unterstützung des Westens erfahren würde, weil alle Kapitalisten zusammen halten.

Mal abgesehen davon, dass niemand hier wirklich beurteilen kann, ob das, was dieser Frau in der Ukraine zur Last gelegt wurde, wirklich stimmt, wird das Ziel, was jeder demokratische Mensch eigentlich immer im Auge behalten sollte, nämlich die Einhaltung der Menschenrechte, total aus den Augen verloren. Ich habe nur einen Beitrag bei 'Facebook' gesehen (von einer linken Abgeordneten), der darauf hinweist.

Und genauso willig, wie diese Sache fleißig geteilt wird, wird auch jeder andere Blödsinn geteilt, egal, ob auf Tatsachen beruhend oder nicht. Es prüft eh niemand die Inhalte nach, wenn sie nun mal in die Weltanschauung des Teilenden passen. Au ja, das stimmt, teilen.

So baut sich mit der Zeit eine virtuelle Welt auf, die absolut nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Ein weiteres aktuelles Beispiel: In der Ukraine werden Hunde bei lebendigem Leibe verbrannt. Wenn man sich alles zu dem Thema mal zusammen sucht, kommt man zu dem Ergebnis, in der Ukraine werden streunende Hunde gefangen, getötet und verbrannt.

Es gibt auch Fernsehberichte darüber, und dort wird dann an einer Stelle die Vermutung geäußert, es kann nicht ausgeschlossen werden, wenn die Hundekadaver in Säcken der Verbrennung zugeführt werden, dass eventuell noch ein Tier lebt. Es gibt aber nirgendwo Belege dafür, dass jemals ein Hund lebendig verbrannt wurde. So schlimm das mit den Tiertötungen ist, das gibt niemandem das Recht, solche Unwahrheiten in die Welt zu setzen.

Ich kann diese Aufzählungen noch endlos fortsetzen, sei es über angebliche NASA-Bilder vom Planeten und der inzwischen fortgeschrittenen Rodung, falschen Aussagen über die Folgen von Wahlverweigerung (Landtagswahl), und besonders beliebt 'youtube'-Clips, die nur den Ausschnitt eines Geschehens zeigen, die die gewünschte Seite schlecht aussehen lassen. Ganz besonders dumm zum derzeitigen Zeitpunkt die Diffamierung der Piraten als Nazis, wenn man mal überlegt, wie viele Nazis noch heute in den etablierten Parteien sind.

Aber alles das wird gerne und bereitwillig geteilt. Mich hat das gestern dazu bewogen, meinen FB-Account zur Löschung vormerken zu lassen. Ich sehe allerdings, wenn ich das Verhalten vieler FB-User sehe, mehrere Gefahren, die diese Netzwerke für die Gesellschaft haben:

  1. Politischer Einfluss, der nicht erwünscht ist (wenn das jemand geschickt nutzt)

  2. Steuerung der Gesellschaft durch Einzelne (Beispiel Lynchversuch des zu Unrecht in Untersuchungshaft sitzenden jungen Mannes im Parkhausmord)

  3. Weitere Verdummung der Bevölkerung (so lange die Leute nicht nachdenken, und Dinge ungeprüft übernehmen, kann es nur dazu führen)

Die sozialen Netzwerke erfüllen ohne Zweifel auch gute Zwecke, das kann aber nur funktionieren, wenn sich der Einzelne zurück nimmt und mit der Allgemeinheit zusammen arbeitet. Aber das fällt vielen Menschen ganz offensichtlich schwer.

 

 


VON: ROLAND OESER






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