Was ist ABC? Warum gegen Knäste?


anarchist black cross Berlin

09.01.13
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von ABC anarchist black cross Berlin

Ein paar Worte über uns…

Anarchist Black Cross Berlin ist ein anarchis- tischer Zusammenschluss von Individuen, welche sich seit einigen Jahren zusammen gefunden haben und von einem gemeinsamen Hass gegen diese kapitalistische Gesellschaft und deren Formen des Wegsperrens geprägt sind. Unser Schwerpunkt liegt primär in der Unterstützung anarchistischer und sozialer Gefangener, tendenziell von allen Gefangenen die sich gegen diese Gesellschaft der Ausbeutung und Vereinzelung wehren und ihren Kampf mit emanzipatorischen Inhalten füllen.

Allerdings wollen wir weder eine reine „Gefangenenunterstützungsgruppe” sein, noch eine die sich nur mit politischen Gefangenen beschäftigt, weil wir generell alle Knäste, Abschiebeknäste und jegliche Zwangsanstalten ablehnen: sie sind keine Lösung für soziale Konflikte, welche aus der aktuellen Organisierung der Gesellschaft entstehen. Auf Grund dessen ist es uns wichtig Antiknastarbeit zu machen, um zu verdeutlichen, wieso Zwangsanstalten besser Baulücken sein sollten.

Durch die Herausgabe eines halbjährlichen Heftes (das „Entfesselt“), in Form von Flyern und Broschüren, das Organisieren von Aktionen wie Kundgebungen und Demos vor Knästen, von Infoveranstaltungen zum Thema Knastkritik und über Gefangene usw., versuchen wir in der Szene und im Rest der Gesellschaft bestimmte Diskussionen zu provozieren oder weiter zu führen.

Wir versuchen auch Antirepressionsarbeit in einen Kontext zu setzen indem es darum geht, dass es nicht nur wenn ein §129(a) gegen uns angewendet wird es wichtig ist Antirepressionsarbeit zu machen, sondern das dies immer in Verbindung mit der Infragestellung des gesamten Knastsystems gesetzt werden muss.
Die Abschaffung aller Zwangsanstalten sehen wir nur möglich innerhalb eines Prozesses, welcher die gesamten aktuellen Zustände umwirft.

Für eine Gesellschaft ohne Knäste!
www.abc-berlin.net/was-ist-abc

Ein Interview mit ABC Berlin erschienen in Libertad para todos – Medium Thüringer Anarchisten

Erstmal zum Anfang, was ist die Anarchist Black Cross überhaupt?

Das Anarchist Black Cross wurde ursprünglich im Jahr 1905 in Russland gegründet um anarchistische und andere Inhaftierte zu unterstützen. Heutzutage gibt es weltweit unzählige Gruppen, welche unter dem Namen agieren. Und genauso vielfältig und breit sind deren Betätigungsfelder, es gibt welche die zum Beispiel nur anarchistische Gefangene unterstützen und andere, die das gesamte Knastsystem in Frage stellen und für die Freiheit aller Gefangenen kämpfen.

Was unterscheidet euch von der Roten Hilfe?

Zuallererst, Anarchist Black Cross bekennt sich in all seinen unterschiedlichen Formen und Gruppen in der ganzen Welt als ein anarchistischer Zusammenhang, während die Rote Hilfe sich als strömungsübergreifend definiert, in den jeweiligen Ortsgruppe arbeiten zum Teil auch AnarchistInnen mit. Unsere Gruppe – genauso wie unsere Schwesterngruppe aus Norddeutschland ABC Orkan – versteht sich als anarchistischer Antiknastzusammenschluß: dass heißt, dass eines unserer primären Ziele ist eine anarchistische Knastkritik in die Öffentlichkeit zu tragen und nicht nur bestimmte Gefangene zu unterstützen. Denn uns geht es um die Abschaffung aller Zwangsanstalten. Die Rote Hilfe vertritt meistens die These „Freiheit für die politischen Gefangenen”, was nicht unser Motto ist, weil wir die Freiheit von allen erkämpfen wollen, denn Knast stellt keine Lösung für die sozialen Probleme, die aus der gegenwärtigen Organisierung dieser Gesellschaft provoziert werden, dar. Wir sind kein „großer” Zusammenhang – und wir haben auch nicht den Anspruch ein solcher zu werden – wir haben keinen Vorstand usw., wir arbeiten nach dem Prinzip der Affinität und versuchen die Karten aufzumischen, speziell bei den Themen Knast und Einsperrung. Wir sind nicht an das Prinzip der „Mitgliedschaft” gebunden und haben auch nicht genug Kohle, um alle zu unterstützen, die ein Verfahren an den Backen haben. Wir verstehen uns nicht als „Antirepressionsstruktur”, sondern als ein loser Zusammenschluss von AnarchistInnen, welcher ein zum Teil in Vergessenheit geratenes Thema wie Knast wieder „beliebt” machen will. Wir sehen einige gute Sachen in der Arbeit der Rote Hilfe, würden uns aber mehr wünschen, dass sie sich mehr mit den Thema Knast allgemein auseinandersetzen würden (ganz zu schweigen vom Anarchismus…)

Was sind eure Schwerpunkte?

Eines unserer Schwerpunkte ist die Veröffentlichung unseres Infoheftes Entfesselt, was in Zusammenarbeit mit anderen (vor allem ABC Orkan) alle zwei Monate erscheint. Darüber hinaus veranstalten wir Infoveranstaltungen, Solidaritätskundgebungen, Infotische, ab und an mal eine Party, um Geld zu sammeln, veröffentlichen verschiedene Broschüren zum Thema Knast und mit Beiträgen von Gefangenen. Wie schon erwähnt, alles was möglich ist zu machen (im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten), um die Themen Solidarität und Knast aus einer anarchistischen Perspektive wieder in die Diskussion zu bringen. Was auch heißt ein anderes Konzept der Solidarität breiter zu machen: eine Solidarität, die für uns bedeutet die Kämpfe, wofür die Leute einsitzen, weiterzuführen, anstatt sich bloß auf Briefe schreiben und Kohle sammeln zu begrenzen.

Seid wann gibt es das ABC Berlin?

ABC Berlin hat eine lange Geschichte hinter sich, es gab in den Jahren verschiedene Leute, die unter diesem Namen aktiv waren und verschiedene Gruppen. Die gegenwärtige Gruppe entstanden 2004, selbstverständlich während diesen fünf Jahren sind auch alte Leute gegangenen und neue dazu gekommen.

Welche Erfolge habt ihr mit eurer bisherigen Arbeit verbuchen können?

Schwierige Frage! Nach diesen fünf Jahren können wir schon sagen, dass eine gewisse Diskussion über das Thema Knast entstanden ist und mehr Menschen sich damit auseinandersetzen. Zum Beispiel sieht mensch dies bei der jährlichen Silvester zum Knast-Demo in Berlin, zu welcher in den letzten Jahren kontinuierlich wieder mehr TeilnehmerInnen kamen oder beim “NoPrison – NoState” anarchistisches/antiknast-Treffen, das im September 2008 im Kiel stattgefunden hat und eine aktive Beteiligung von vielen Menschen aus unterschiedlichen Städten und Ländern gesehen hat. Generell wird auch in anderen Städten verstärkt über Knast und Solidarität diskutiert und Leute regen sich auch über Kritiken, die wir formulieren, auf. Dadurch ist zu beobachten, dass bestimmte Positionen wieder wahrnehmbar geworden sind und die Leute sich darüber Gedanken machen. Damit wollen wir jetzt nicht sagen, dass solche Teilerfolge nur an unserer Arbeit liegen, denn es gibt viele Menschen, die sich nicht als „ABC“ benennen, aber an solchen Entwicklungen Verantwortung tragen! Sowieso, gibt es noch jede Menge zu tun und wir können erstmal sagen, dass es zumindest angefangen wurde, wir geben uns aber gar nicht zufrieden. 

Wie viele Gefangene betreut ihr zur Zeit?

Wir stehen mit verschiedenen Gefangenen im Kontakt. Dass heißt erstmal, dass wir an über 80 Gefangene die Entfesselt schicken, sowie sonstige Broschüren und Infomaterialien. Außerdem verbreiten wir Briefe der Inhaftierten weiter, wenn es gewünscht wird. Ansonsten gibt es ein paar Gefangene mit denen wir in engerem Kontakt stehen, etwa Thomas Meyer-Falk, Marco Camenisch, Gabriel Pombo da Silva sowie ein paar andere. Wir sind zum Teil auch an der Betreuung involviert, aber nicht die einzigen: hier müssen wir auf alle Fälle ein bisschen „Werbung” für die Rote Hilfe Dresden machen, die einen Großteil der Betreuung vieler Gefangener auf sich nimmt.

Mit welchen anderen anarchistischen Gruppen arbeitet ihr zusammen (national/international)?

Es kommt drauf an. Wir haben eigentlich Kontakte in der ganzen Welt mit verschiedenen anarchistischen Zusammenhängen und Individuen. Wir versuchen soweit wie möglich unsere Beiträge vor allem auf englisch zu übersetzen, um sie anderen zugänglich zu machen und in die internationale Diskussion mitzuwirken und Inputs zu geben. Im deutschsprachigen Raum arbeiten wir eng zusammen mit den anderen ABC-Gruppen, ABC Orkan und ABC hooded crow, mit anarchistischen und autonomen GenossInnen aus Hamburg, Köln, Dresden, Hannover, Wien… Mit verschiedenen ABC-Gruppen, die in Europa aktiv sind, wie etwa ABC Amsterdam oder dem ehemaligen ABC Antwerpen (nun „la cavale”) und mit anarchistischen Puplikationen, wie der englischen 325 (www.325collective.com). Die Liste wäre aber zu lang und wahrscheinlich auch nicht unbedingt notwendig. Sonst arbeiten wir tendenziell mit allen Individuen und Gruppen, die wir auf unseren Kampf in Richtung des Umkippens dieser Gesellschaft der Ausbeutung treffen: mit denen, mit welchen wir zeitlich Seite an Seite kämpfen, um uns dann vielleicht wieder aus den Augen zu verlieren und dann wieder anderswo zu treffen. Viele sind gar keine „AnarchistInnen”, sondern Menschen, die die Schnauze voll haben und dementsprechend handeln wollen: mit denen haben wir oft mehr gemeinsam, als mit den sogenannten AnarchistInnen, die den ganzen Tag über Kropotkin und Bakunin labern (mit allem Respekt für die beiden!), aber nicht weiterkommen und lieber ihre Diskussionen auf dem Sofa veranstalten, anstatt den anarchistischen Kampf auf die Straße, da wo er hingehört, zu bringen.

Wie kann mensch euch unterstützen?

Unterstützung jeglicher Art ist natürlich immer willkommen und notwendig, am meisten, wie überall eigentlich, auf finanzielle Art. Aber wichtiger ist es die Gefangenen zu unterstützen, ihnen Briefe zu schreiben, über die Situation und die Rolle von Knästen in den herrschenden Zuständen aufzuklären und den Antiknastgedanken zu verbreiten. Wichtig ist aber nicht „uns” zu unterstützen, sondern, wenn mensch bestimmte Begriffe wie z.B. aktive Solidarität anerkennt, seine/ihre Unzufriedenheit mit den Umständen sichtbar zu machen. Die Gefangenen freuen sich, wenn sie sehen, dass hier draußen nicht Stille herrscht, sondern, dass es noch Menschen gibt die Widerstand leisten und die Herrschaft angreifen. Um ihnen zu zeigen, dass sie nicht „umsonst” eingefahren sind, sondern als Teile einer Bewegung, die sie finanziell und moralisch unterstützt und ihren Kampf draußen weiterführt. Dass bleibt die beste Unterstützung, die ihr anbieten könnt – für uns, für die Gefangenen von heute und die von morgen und bis zu dem Moment, an dem wir alle frei sein werden.

Wir wünschen euch viel Erfolg für die Zukunft!

Dankeschön.


Wieso sind wir gegen Knäste, gegen alle Knäste?

Diesen Text haben wir für das internationale Antiknastwochenende “NoPrison! NoState!”, welches Ende September 2008 in Kiel stattfand, aus dem italienischen übersetzt.
Er wurde im Herbst 2005 von AnarchistInnen aus Rovereto und Trento geschrieben, die versucht haben eine Kommunikation zwischen sich und Angehörigen, die ihre Gefangenen im Knast besuchten, zu eröffnen, indem sie auch Bücher für umsonst verteilt haben und Infos verbreitet haben.
Wir haben diesen ausgewählt, weil er durch eine ziemlich klare und unkomplizierte Sprache versucht zu erklären, wieso wir alle Knäste hassen.
Weil AnarchistInnen nicht geboren, sondern gemacht werden, denken wir, dass eine breitere Antiknasthaltung nur entstehen kann, wenn wir eine Kommunikation mit denjenigen eröffnen, die nicht unserer „Szene“ angehören, die aber von der täglichen Realität des Knastes konfrontiert werden. Und diese Kommunikation kann nur jenseits eines akademischen Diskurses und dessen abgehobenen Sprache stattfinden, wenn wir wirklich an diesem interessiert sind, anstatt an einer bloßen Darstellung unseres wissenschaftlichen Wissens.

ABC Berlin

Wir sagen einfache Sachen, weil wir einfache Menschen sind.
Die Gedanken, Wünsche und Träume, die wir versuchen auszudrücken, trägt die Menschheit seit ihrer Entstehung in sich.
Eine endlose Reihe von GesetzgeberInnen, PolitikerInnen, ExpertInnen, Intellektuellen und anderen BefürworterInnen von autoritären Ideen hat mit List und Tücke viele Fragen erschwert, sodass sich viele Männer und Frauen als dumm und niedrig fühlen, Menschen, welche sich immer nur auf das einzigste Buch indem irgendwelche Antworten zu finden sind bezogen haben: dies der gelebten Erfahrung.

Sie erzählen uns, der Knast wäre der absolut notwendige Ort um Leute, welche die Gesetze der Gesellschaft übertreten zu bestrafen, zu maßregeln.
Nun, der Begriff „Regel” setzt hier voraus, dass an der Basis dieser Gesellschaft freie Vereinbarungen getroffen werden. Eine Gesamtheit von Normen, die von all denen, welche die Gesellschaft bilden, freiwillig geteilt werden.
Ist dies allerdings wirklich der Fall?
Vertreten Regierungen wirklich den Willen der Regierten?
Stimmt der Arme mit Freude zu, wenn der Reiche durch seine Arbeit profitiert?
Würde der Dieb weiter stehlen, auch wenn er eine Fabrik von seinem Vater geerbt hätte oder von Zinsen leben könnte?
Wenn wir uns anschauen wie diese Gesellschaft funktioniert, können wir uns nur dazu entscheiden wie wir uns Gesetzen gegenüber verhalten wollen. Gesetze, welche andere für uns beschlossen haben und die eine Regierung der Mehrheit der Menschen aufgezwungen hat.
Bevor wir uns fragen ob es richtig ist oder nicht diejenigen, welche die „Regeln“ übertreten haben mit Knast zu bestrafen, müssen wir uns erst einmal fragen: wer entscheidet – und wie – über die Regeln dieser Gesellschaft?

Sie sagen uns, Knast würde uns vor Gewalt beschützen.
Ist dies aber wirklich der Fall?
Wieso sind denn die schlimmsten Gewalttätigkeiten – wir denken an Krieg oder an Menschen die an initiiertem Hunger sterben – perfekt legal?
Wieso landet jemand im Knast, der/die wegen Eifersucht tötet, aber wenn jemand eine gesamte Bevölkerung bombardiert, erlangt die Person Ansehen oder wird sogar als “HeldIn” gefeiert?
Der Knast bestraft nur die Gewalt, die entweder die Reichen und den Staat belästigt, oder ihnen in irgendeiner Form Nutzen bringen – diese werden dann als besonders abscheulich präsentiert (etwa wie Vergewaltigungen oder andere Delikte die besonders grausam sind).
Allerdings wird die strukturelle Gewalt der Machthabenden täglich vor dem Knast beschützt.
Wie viele Unternehmen brechen täglich die Gesetze? Wie viele der Inhaftierten sind ArbeitgeberInnen?
Um auch auf die so genannten abscheulichen Verbrechen einzugehen: seht ihr es als gerecht an, dass diejenigen, welche Geld fälschen, viel härter bestraft werden als die, welche jemanden vergewaltigen?
Das darf aber nicht seltsam erscheinen: das Gesetz muss das private Eigentum beschützen, nicht das Wohl der Menschen.

Sie sagen uns, dass das Gesetz für alle gleich ist.
Im Knast jedoch sitzen fast nur Menschen, die eine niedrige Schulbildung besitzen. Illegalisierte, MigrantInnen oder Kinder von ArbeiterInnen, welche zu meist wegen „Verbrechen“ an Eigentumsverhältnissen sitzen, wegen Aktionen, welche hier in dieser Gesellschaft in der wir leben tief verwurzelt sind. Es ist die Notwendigkeit, die sie von morgens bis abends bewegt: Geld finden zu müssen.
Ohne zu erwähnen, dass viele Gefangene schon draußen wären (oder Zugang zu sogenannten alternativen Strafen hätten), wenn sie einfach das benötigte Geld hätten, um eine/n anständige/n AnwältIn zu bezahlen.

Sie sagen uns, Knast hilft dabei sich zu rehabilitieren oder in die Gesellschaft zu reintegrieren. Aber die Mehrheit der Gefangenen sind WiederholungstäterInnen, weil wenn sie wieder draußen sind, sie die gleichen Bedingungen – wenn nicht gar schlimmere – vorfinden, wie bevor sie eingeknastet wurden.
Wenn es einen Weg gibt, wie mensch ein Individuum dabei behindern will über die eigenen Taten zu reflektieren, dann ist es genau dieser letzte: durch Buchführung ihm/sie den Wert eines wilden Tieres zu unterwerfen: x Verbrechen, x Jahre.
Unabhängig von den unternommenen „Verbrechen“ – wieso sollte er/sie sich am Ende der Strafe („der bezahlten Schuld”) in Ordnung fühlen? Wenn er/sie von den Taten überzeugt ist (falls die Person z.B.: ein/e RebellIn oder selbstbewusste/r DiebIn ist), wird nur Hass gegenüber einer Gesellschaft empfunden, die ihn/sie eingekerkert hat, obwohl sie selbst weitaus krimineller ist.
Wieso gilt es als erbaulich, jahrelang von seinen/ihren eigenen ähnlichen getrennt zu sein, bis dazu nichts spannendes zu machen, verurteilt zu werden, Zeit verstreichen zu lassen, ausgebildet zu sein, dem/der SozialarbeiterIn oder dem/der Psychologen/In etwas vorzutäuschen und gewohnt sich immer den Oberen zu unterwerfen?
Am Ende fragen wir uns dann: ist diese Gesellschaft wirklich so tugendhaft, als Verteilerin von so gehoben Werten und so gleichgültigen Beziehungen, dass sie jemanden empfehlen kann, ihn/sie in sich zu integrieren?

Sie sagen uns: selbst wenn sie Leute nicht rehabilitieren können, zumindest erschrecken sie sie.
Und wieso werden die Gefangenen dann mehr und mehr? Wieso erweitert sich die Tendenz, mehr und mehr Verhalten zu kriminalisieren?
Es handelt sich deutlich um ein großes soziales Programm: die Armen von der Straße zu schaffen, um gleichzeitig ins Big Business des Einsperrens zu investieren (wie viele Firmen gibt es, die aus Bauaufträgen, Instandhaltungen, Lieferungen usw. Profite schlagen?).
In den USA, dem Fanal der Strafgesellschaft, gibt es mehr Gefangene als Bauern, obwohl die Verbrechen weniger werden. Ist das der Weg, den wir gehen möchten?

  • Wir sind gegen den Knast, weil er geschaffen und entwickelt wurde, um die Privilegien der Reichen und die Macht des Staates zu beschützen.
  • Wir sind gegen den Knast, weil eine Gesellschaft ihn nicht mehr braucht, wenn sie nicht auf Geld und Profiten sondern auf Freiheit und Solidarität basiert.
  • Wir sind gegen den Knast, weil wir nach einer Welt streben, wo die Regeln wirklich gemeinsam entschieden werden.
  • Wir sind gegen den Knast, weil selbst das grausamste Verbrechen irgendetwas über uns selbst erzählt, über unsere Ängste, unsere Schwächen. Es bringt nichts, diese hinter Mauern verborgen zu halten.
  • Wir sind gegen den Knast, weil die größten VerbrecherInnen diejenigen sind, welche die Schlüssel besitzen.
  • Wir sind gegen den Knast, weil nichts gutes auf Unterwerfung und Zwang wachsen kann.
  • Wir sind gegen den Knast, weil wir diese Gesellschaft radikal verändern wollen (und deswegen ihre Gesetze übertreten), weil wir uns nicht friedlich in ihre Städte, ihre Fabriken, ihre Kasernen, ihre Einkaufszentren integrieren wollen.
  • Wir sind gegen den Knast, weil der Lärm der Schlüssel im Zellenschloss eine tägliche Folter ist, Isolation eine Abscheu, das Ende der Sprechstunde eine Qual, die eingesperrte Zeit eine Sanduhr, welche langsam tötet.
  • Wir sind gegen den Knast, weil das geschlossene Gremium der Schließer immer bereit ist zu jeglicher Gewalttat oder jeglichem Missbrauch, entmenschlicht aufgrund deren Gewohnheit zu Gehorsam und Denunziation.
  • Wir sind gegen den Knast, weil er uns entweder viel zu viele Tage, Monate oder Jahre, oder viel zu viele FreundInnen, Unbekannte oder GenossInnen weggenommen hat.
  • Wir sind gegen den Knast, weil die Menschen, diese wir darin getroffen haben, weder besser noch schlechter sind als diejenigen, die unsere Existenz hier draußen kreuzen. (Oft, wenn wir nachdenken, sogar besser).
  • Wir sind gegen den Knast, weil die Notiz eines Ausbruchs unsere Herzen aufwärmt, mehr als der erste Tag des Frühlings.
  • Wir sind gegen den Knast, weil die Welt, durch das Loch eines Türschlosses gesehen, wie von verdächtigen oder hinterhältigen Menschen bevölkert wirkt.
  • Wir sind gegen den Knast, weil mensch den Sinn der Gerechtigkeit niemals innerhalb irgendwelcher Gesetzbücher finden wird.
  • Wir sind gegen den Knast, weil eine Gesellschaft die es braucht, Menschen einzusperren und zu entmündigen, selbst ein Knast ist.

AnarchistInnen

 


VON: ABC ANARCHIST BLACK CROSS BERLIN






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