Offener Brief an die Arbeitsagentur Höxter

05.01.13
SozialesSoziales, NRW, OWL, News 

 

von Norbert Wiersbin

hoexter@arbeitsagentur.de
Herrn Wöstefeld

Sehr geehrter Herr Wöstefeld,
verehrte Damen und Herren,


mit großer Empörung habe ich von dem Fall erfahren, in dem eine junge Frau aus Brakel durch die willkürliche Entscheidung Ihrer Sachbearbeiterin Frau K. über zwölf Tage hungern musste und zu verelenden droht. Ich schließe mich hiermit den öffentlichen Protesten an und verurteile auf das schärfste eine derartige Behördenpraxis, die offenbar gegen jedes geltendes Recht verstößt.

Ich kenne die Kultur und das Klima in solchen Verwaltungen auf das beste, war viele Jahre Mitarbeiter und als Personalratsvorsitzender auch (interner) Kritiker. Ich vermute, dass auch Sie, Herr Wöstefeld wie auch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich bei alledem noch im Recht wägen.

Unabhängig von jeder spitzfindigen Juristerei müssen Sie sich aber auch der ethisch-moralischen Legitimation Ihres Handelns stellen. In jeder kultivierten Gesellschaft ist und bleibt es verwerflich, Hilfe zu unterlassen, Menschen verhungern zu lassen, oder in die Obdachlosigkeit, gar bis in den Tod zu treiben. Ein solches Handeln oder auch Nicht-Handeln ist schändlich und ein Verbrechen an jeder Menschlichkeit und führt geradewegs in die Barbarei!

Ich frage mich tagtäglich, wie Menschen wie Sie, Herr Wöstefeld, Ihren Kindern, Anverwandten, Freunden (die sie hoffentlich noch haben), Ihren Nachbarn erklären wollen, was Sie in Ihrem Amt so anstellen und wie Sie Ihr Handeln wohl begründen wollen. Nein, bitte, ziehen Sie sich an dieser Stellen nicht auf Weisungen von oben zurück, verbergen Sie sich nicht dahinter.

In Ihrer beruflichen Stellung dürften sie ein gewisses Rüstzeug an Bildung mitbringen, Sie sollten wissen, dass wir Vergleichbares vor nicht allzu langer Zeit bereits erlebt haben. Auch während der nationalsozialistischen Diktatur hat es die zahlreichen Mittäter gegeben, die hinterher von „Gehorsam“ oder auch „Befehlsnotstand“ sprachen. Ich fürchte, Sie werden sich darauf eines Tages nicht berufen können, heute ist die Öffentlichkeit größer und es wird immer Menschen geben, die nicht vergessen – und Ihnen dann auch nicht verzeihen werden!

Ich hoffe für Sie und für uns alle, dass Sie in sich gehen und Ihr Handeln noch einmal überdenken. Halten Sie nur einen Augenblick inne und fragen sich z.B., ob Sie als Gewinner dieses Systems überleben können. Ich fürchte nicht. Viel eher werden auch Ihre Kinder noch in ferner Zukunft darunter zu leiden haben, was der Papa da angestellt hat. Der Angriff, der von ganz oben kommt, zielt nämlich darauf ab, die Mehrheit der Menschen ins Elend zu stürzen. Sie Herr Wöstefeld, Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen nicht zu „denen da oben“, Sie werden auch nie dazu zählen. Deshalb werden Sie und Ihre Familien eines Tages genauso dastehen und sich in das Heer der Verelendeten eingliedern müssen. Sie sägen an Ihrem eigenen Ast, so viel ist sicher!

Weil ich ein kultivierter Mensch bin, möchte ich nicht darauf verzichten, Ihnen alles Gute zu wünschen. Veränderungen fangen im Kopf an, denken Sie daran.


VON: NORBERT WIERSBIN






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