"Eugoismus"

02.11.13
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von Kurt Wolfgang Ringel

Das freigeistige Wort zum Sonntag, den 03.11.2013

Lampedusa und  Ausländer nach  DIN* – zwei Seiten ein und desselben Euros

»HEUTE: Der Chef des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf, Professor Dr. Roland Sauerbrey, verlangt neue Regeln für die Zuwanderung nach Deutschland und erklärt, wie sich die Gesellschaft auf den Zuzug von Ausländern einstellen muss.
„Wir müssen die Tore für ausländische Spitzenkräfte weit öffnen“« [1]

»So gut wie seit 55 Jahren nicht - Deutschlands Tischtennis-Asse räumten bei der EM ab: Dimitrij Ovtcharov gewann Gold im Männer-Einzel, bei den Frauen sicherte sich Shan Xiaona zum Abschluss Silber.«  [2]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was fällt Ihnen auf bei dem vorstehenden Zitaten? Richtig, die fremdländischen  Namen Und die Personen, die diese Namen tragen, haben für Deutschland  Siege errungen.  Ausländer werden von Deutschland  nur  kooptiert, wenn sie die gewünschten Erfolge für das Land einfahren. Und alles nur, um sich als Staat (ungerechtfertigte)  Erfolge  auf  die eigene Fahne schreiben zu können. Das Eigenlob Deutschland  stinkt nicht nur bis zum Himmel, sondern  selbst über die Galaxis hinaus.

Wie ist ein solches Verhalten möglich?  Während so viele Menschen vor Not, Hunger und Elend auf der Flucht sind,  Hunderte Menschen  auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken? Wie z. B. vor Lampedusa. Hier wird doch mit zweierlei Maß gemessen? Und die Menschenrechte mit Füßen getreten.   

Also, es gibt gute und böse Ausländer?  Für  den Turbo-Kapitalismus schon. Guten  Ausländer sind die, die Profit und Ruhm einbringen  Anders die unerwünschten Ausländer. Unerwünscht sind die  armen, die hilfebedürftigen Flüchtlinge, die den Kapitalismus  Geld kosten. Aber alles, was den Profit schmälert, wird versucht,  vom EU-Profit-Garten fern zu halten ist. Das neue, von der  EU beschlossene  Grenzkontrollsystem  »Eurosur«  ist nichts weiter als  ein verschärftes Profitsicherungssystem. Es  sollte besser EU_RO_STUR  heißen!

Aber hübsch der Reihe nach.      

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

da las ich doch  in  der bürgerlichen Presse, das Deutschlands  Tennis-Asse »so gut wie seit 55 Jahren nicht« waren.  Die Namen der „deutschen“ Sportler kommen mir sehr chinesisch vor.  Hier verlor  die Weltelite  nicht gegen deutsche Sportler, sondern gegen eingedeutschte Chinesen. Deutschland vergisst, dass es einen großen Teil den ausländischen Menschen und Völkern verdankt, was sie als Erfolg für  sich selbst verbucht. Auch frage ich  mich, warum sich  kaum ein Mensch  im Lande sich dessen bewusst ist. Warum kein Mensch dagegen protestiert. Liegt dies nur an der Bequemlichkeit der Bürger?

Es ist doch so, dass sich  Staaten auf diese Art  und Weise mit fremden Federn schmücken. Wer Augen hat und diese zum Sehen benutzt,  der sieht  den nicht ganz feinen Unterschied.  Diese unterschiedlichen Verhaltensweisen  der EU sind von den kapitalistischen Staaten vorsätzlich; sie sind  von ihnen gewollt.  Die Kategorie Ausländer,  die Deutschland  Geld, Ruhm, die ihnen Profit bringen, werden meist sofort eingedeutscht. Ja, Erfolge von Ausländern werden auch eingedeutscht, um sich mit ihnen zu schmücken und  in der Welt angeben zu können.  Das hilft, das negative Image Deutschlands  weltweit  aufzuhübschen.  -  Die armen Ausländer dagegen werden ausgesperrt.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

dem  unmenschlichem Verhalten den Flüchtlingen gegenüber steht der Versuch,  Fachkräfte, ja Spitzenkräfte aus dem Ausland  zu bekommen.  Die  Wirtschaft bestimmt, wer nach Deutschland  kommen darf. Das sind unmenschliche Auswahlkriterien. Auch die sozialen Bedingungen,  die ausländische Menschen als Arbeiter, als  Wissenschaftler, ausgesetzt sind, laden  diese nicht unbedingt zum Verweilen ein.

Hier  Beispiele aus einem Interview:   
    » ...
• Welche Gründe gibt es noch, dass Sie ausländischen Nachwuchs schwer bekommen?

Zum einen liegt das an der Stimmung in Deutschland. Einwanderung ist hier leider nicht positiv besetzt. Das merken Ausländer, die zu uns kommen, an allen Ecken und Kanten. Das ist ein großer Standortnachteil für unser Land. Zudem behindern staatliche Regeln. Es ist zwar in den letzten Jahren einiges getan worden, um den Zuzug zu erleichtern. Aber der Familienzuzug beispielsweise ist noch immer nicht ordentlich geregelt.
...

• Ist der Standort Dresden-Rossendorf für Ausländer attraktiv?

Der Forschungsstandort selbst ist attraktiv. Nicht attraktiv ist, dass es hier in der Nähe ausländerfeindliche Bestrebungen gibt.
.....

• Wie viele dieser Ausländer haben denn den Wunsch, ganz in Deutschland zu bleiben

Unsere Visum-Kultur ist so, dass es nicht viele in Betracht ziehen. Sie müssen ständig zum Ausländeramt laufen und bekommen dort die Botschaft vermittelt: Wann geht ihr denn endlich? Und nicht: Wie lange wollt ihr bleiben?

• Erklären Sie bitte, was Sie tun müssen, um einen Ausländer ins Institut zu bekommen.

Das ist ein komplexer Prozess! Ich habe vor einigen Jahren mal ein Fluss-Diagramm entwickelt, das darstellte, was ein Ausländer tun muss, um hier arbeiten zu können. Dabei kam zwingend heraus, dass das auf dem bürokratischen Weg gar nicht geht! Er musste eine Bescheinigung von seinem Arbeitgeber vorlegen, die der Arbeitgeber aber nur ausstellen durfte, wenn die Bescheinigung vom Ausländeramt da war. Die das Ausländeramt aber nur ausstellen durfte, wenn die Bescheinigung vom Arbeitgeber vorliegt.

• Wer klug ist, meidet Deutschland?

Das ist böse, aber da ist ein bisschen was dran. Es kommen jedenfalls längst nicht genug.


VON: KURT WOLFGANG RINGEL






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