Mindestlohn - ohne Ausnahmen

04.06.14
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von Ralf Köpke - DGB-Vorsitzender 

Offener Brief DGB - Katholische Kirche - Evangelische Kirche-Krefeld

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, im Rahmen eines offenen Briefes an die Bundestagsabgeordneten appellieren der Katholikenrat Krefeld, der Evangelische Gemeindeverband Krefeld und der Stadtverband des DGB an die Bundestagsabgeordneten in Krefeld sich für einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn ohne Ausnahmen einzusetzen.

Offener Brief von Katholikenrat, Evangelischem Gemeindeverband und DGB in Krefeld

Die Würde des Menschen ist mindestens 8,50 € wert

Die große Mehrheit der Menschen ist auf Erwerbsarbeit angewiesen. Erwerbsarbeit beeinflusst auch entscheidend die Lebensqualität in unserer Stadt. Deshalb muss sie im besonderen Maße ethischen Standards genügen:
Nur Arbeit, die angemessen
bezahlt und die Würde achtet, kann gute Arbeit sein!

Bis ins Alter muss sie für den Berufstätigen erfüllend und gesund sein. Denn menschliche Arbeit ist mehr als bloße Arbeitskraft, die nach Marktbedingungen angeboten und nachgefragt wird. Nach christlichem Verständnis sind alle Menschen Gottes Ebenbild und aufgerufen, die Welt durch Arbeit zu gestalten. Jede Person muss die Chance haben, sich mit ihren Fähigkeiten aktiv in die Gesellschaft unserer Stadt Krefeld einzubringen. Ihre je eigenen Gaben und ihr Beitrag sind gefragt, eine lebensfreundlichen Umwelt zu gestalten. Daher muss menschenwürdige Arbeit in Krefeld bewahrt und ausgebaut werden!

Uns gibt die derzeitige Lage der Arbeit in Krefeld Anlass zur Sorge:

  1. Ein Umbau des Siemenskonzerns, möglicherweise in Kooperation mit Alstom, kann Siemens-Uerdingen als größten Industriebetrieb Krefelds zur Disposition stellen. Es besteht die Gefahr, dass Krefeld als Standort für qualifizierte Industriearbeitsplätze weiter geschwächt wird.

  2. Wir befürchten gleichzeitig, dass neu entstehende Arbeitsplätze im Einzelhandel und Dienstleistungsbereich wegen der bislang fehlenden Verpflichtung zum Mindestlohn zu weiterer Verarmung unserer Stadt führen können. In Krefeld arbeiten zurzeit schon rund 11 000 Menschen im Niedriglohnbereich.

    Wir fordern daher die politisch Verantwortlichen unserer Stadt auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, Siemens und Krefeld als Standort für qualifizierte und gut bezahlte Arbeit zu bewahren!

Im Sinne der Menschen und ihrer Würde in unserer Stadt fordern wir daher von der Politik, ihren Einfluss für einen flächendeckenden Mindestlohn ohne Ausnahmen geltend zu machen!

Katholikenrat, Evangelischer Gemeindeverband und DGB fordern daher gemeinsam:

  • Der allgemeine gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro/Stunde muss verwirklicht werden. Er ist nur ein erster Schritt auf dem Weg zur Existenzsicherung.

  • Der Industriestandort Krefeld mit seinen Möglichkeiten zu qualifizierter und hochqualifizierter Arbeit muss unbedingt erhalten werden.

  • Wirtschaftsförderung, die in Krefeld eine herausragende Bedeutung hat, soll sich an menschenwürdiger und „Guter Arbeit“ orientieren. Wer Lohndumping betreibt und Menschen ausbeutet, darf nicht mit Steuergeldern belohnt werden.

  • Tariftreue muss in Krefeld Voraussetzung für die Vergabe öffentlicher und privater Aufträge und Arbeitsverhältnisse sein, an die sich auch kirchliche Träger zu halten haben.

Mit freundlichen Grüßen
Lothar Zimmermann, Vors. Katholikenrat,

Volker Hendricks, Ev.Gemeindeverband,
Ralf Köpke, DGB-Vorsitzender


VON: RALF KÖPKE






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