Reduzieren Rottenburgs Bürger*innen ihren Fleischkonsum nun zu Gunsten von Regionalität und Fairness?

23.01.23
UmweltUmwelt, Bewegungen, Baden-Württemberg, TopNews 

 

Ein Kommentar von Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V.

Im Vorfeld des Bürgerentscheides argumentierten die Befürworter*innen des Rottenburger Schlachthofes mit kurzen Transportwegen, Tierwohl und weiteren Vorteilen die Regionalität mit sich bringe. Die Argumente scheinen bei der Mehrheit der Wähler*innen auf Zustimmung getroffen zu haben. Wie aber sähe die Mär von fair und regional in der Realität aus? Der Verein Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V. hat sich die aktuellen Schlachtzahlen angeschaut.

Nimmt man sich die Schlachtzahlen am Schlachthof Rottenburg aus dem Jahr 2021 (1) vor und rechnet mit einem durchschnittlichen jährlichen Fleischkonsum pro Person von 55kg (2) bei einer Einwohnerzahl von 44.000 Menschen, kommt man auf ein Defizit von 1.280.000 kg. Zumal nur zwei Drittel der Tiere aus Betrieben des Rottenburger Stadtgebietes oder dem Landkreis Tübingen stammen. Nicht einmal die Hälfte des Jahresverbrauchs, sondern gerade mal 25 kg Person und Jahr, stammen demnach aus „guten Verhältnissen“. Wer den Argumenten des Bürgerentscheids konsequent folgen will, müsste folglich seinen Pro-Kopf-Verbrauch drastisch reduzieren, zudem Geflügel komplett von seinem Speiseplan streichen.
Der Tierrechtsverein vertritt eine rein pflanzliche Ernährung, eine Reduzierung des Fleischkonsums wäre immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. „Man kann nicht auf der einen Seite Fairness fordern und auf der anderen Seite ausblenden, wie unfair es ist, seine eigenen Vorlieben über das Leben eines anderen Individuums zu stellen – kurze Transportwege hin oder her“, so Julia Thielert, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V. „ Wir sind enttäuscht von dem Ergebnis“, sagt Thielert weiter, „viele Menschen wollen einfach glauben, dass regional bedeutet, es ginge den Tieren gut und beruhigen damit ihr eigenes Gewissen. Die zahlreichen Videodokumentationen aus regionalen Ställen und Schlachthöfen beweisen leider das Gegenteil.“

Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 1983 für die Rechte der Tiere einsetzt. Durch Öffentlichkeitsarbeit macht der Verein Tierleid für die Bevölkerung sichtbar und zeigt Alternativen auf. Seit 2016 sind die Menschen für Tierrechte einer der drei anerkannten Verbände für das Gesetz über Mitwirkungsrechte und das Verbandsklagerecht im Tierschutz (TierSchMVG).

Quellen
(1) Fakten zum Thema Schlachthof, https://www.rottenburg.de/fakten+zum+thema+schlachthof.131400.htm?lnav=9079, Stand 23.01.2023

(2)Statista, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36573/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-fleisch-in-deutschland-seit-2000/ , Stand 23.01.2023

(3) Landkreis Tübingen: Rottenburg am Neckar, https://www.kreis-tuebingen.de/Startseite/landkreis/rottenburg+a_n_.html, Stand 23..01.2023







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