Flächenverbrauch ist ein Scheiß-Thema

27.02.21
UmweltUmwelt, Bewegungen, Baden-Württemberg, TopNews 

 

Rede von Axel Meyer zur Kundgebung am 27.2.  in Gundelfingen

Es gibt die Wohnung-Habenden. Es gibt die Nicht Wohnung-Habenden Und es gibt die Gewinnerregionen und die Verliererregionen Und es gibt diejenigen die die Einen gegen die Anderen ausspielen. Ich kann zur Situation in Gundelfingen wenig sagen, aber Gundelfingen ist überall, nicht nur in Südbaden. Das neue Gundelfinger Baugebiet wird vom Bürgermeister und den Gemeinderäten liebevoll und zwischenzeitlich auch ziemlich ökologisch geplant. In Endingen, wo ich herkomme, werden die Baugebiete auch liebevoll und zwischenzeitlich ziemlich ökologisch geplant. Auch in den Gundelfinger und den Endinger Nachbargemeinden werden die Baugebiete liebevoll geplant. Doch wenn diese liebevoll geplanten Baugebiete zusammen wachsen, dann ist das hässlicher Siedlungsbrei, Bandstadt, Suburbia, Lärm, Stau & Verkehrsprobleme. Fahren Sie einmal auf der B3 von Buggingen, Freiburg, Gundelfingen nach Offenburg Hier wächst ein Siedlungsband, eine "Nichteinmalrichtigstadt" Basel-Freiburg-Karlsruhe zusammen. Hier wuchert, gegen jede Idee vernünftiger Regionalplanung, ein hässliches, zugebautes, scheußliches Siedlungsband zusammen. Zwischen Freiburg und Offenburg liegt eine Strecke von 68 km. Zwischen Freiburg und Offenburg liegen 50 km zugebaute Siedlungsflächen und nur noch 18 km Freiraum mit massiv abnehmender Tendenz. Ein Betonring wächst langsam auch um den Kaiserstuhl und wuchert in die Seitentäler des Schwarzwaldes. Fahren Sie die Strecke einmal mit offenen Augen und offenen Herzen ab Das Problem ist nicht nur, dass gebaut wird. Das Problem ist auch wie gebaut wird

Liebevoll gedachte Baugebiete wie in Gundelfingen wachsen zu hässlich wuchernden, breiartige Siedlungsstrukturen zusammen

Wir schreien nach kluger, weitsichtiger, überregionaler Planung und Raumordnung! Das Problem ist auch wie gebaut wird Neonschrille Ortseinfahrten, trostlose Gewerbesteppen, Wegwerfarchitektur, architektonische Monotonie und die Billigbauten der Hypermarche-Kultur. Seit Jahrzehnten wird uns ein Ende des Flächenverbrauchs versprochen. Doch täglich werden in Deutschland rund 56 Hektar als Siedlungsflächen und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht einer Fläche von circa 79 Fußballfeldern. Es gibt die Idee der "blauen Banane" Haben Sie schon einmal etwas von der Vision der "blauen Banane" gehört?

"Die "blauen Banane" ist ein zentraleuropäischer Verdichtungsraum mit rund 111 Millionen Einwohnern, ein bandförmiger europäischer Großraum zwischen Irischer See und Mittelmeer, deren Urbanisierung eine Kette von Ballungsräumen bildet, was man auch als Megalopolis oder Megaregion bezeichnet" (Wikipedia)

Freiburg und Gundelfingen liegen im Herzen der blauen Banane Freiburg, Gundelfingen und der Oberrhein liegen im Herzen des zusammenwachsenden zentraleuropäischen Verdichtungsraumes Wenn Dietenbach zugebaut ist, ist Freiburg "voll" Dann wird "Breiburg im Breigau" noch stärker ins Umland explodieren Wann endet endlich der vorsintflutliche Kantönlisgeist der Stadt und der beiden Landkreise?

Freiburg und die beiden Nachbarkreise sind keine drei isolierten Inseln Freiburg und die beiden Nachbarkreise müssen endlich endlich im Zusammenhang gesehen werden Das neue Gundelfinger Baugebiet ist ein Puzzlestein Warum legen unsere Politiker, warum legen unsere Medien diese Puzzlesteine so selten zu möglichen Zukunfts-Bildern zusammen?

Welches Bild ergibt sich, wenn die vielen Puzzlesteine zu einem Bild zusammengefügt werden? Ein zumeist scheußliches Siedlungsband von Basel nach Karlsruhe Ein Leben in der blauen Banane im zentraleuropäischen Verdichtungsraum das nach dem Prinzip der Salami-Taktik durchgesetzt wird Was macht das mit der Restlandwirtschaft? Was macht das mit der Restnatur in Zeiten globaler und regionaler Artenausrottung? Was macht das mit den Menschen? Was macht das mit uns?

Es ist dieses alte Wissen, das in der Politik nie angekommen ist: Unbegrenztes Wachstum und Gier zerstören begrenzte Systeme und Heimat. Unbegrenztes Wachstum und Gier sind die Ursachen für Klimakatastrophe, Artenausrottung und Flächenverbrauch. Unbegrenztes Wachstum zerstört die Green City und den Oberrhein und Gundelfingen Was tun?

Ich habe da so eine absolut verrückte Idee. Was fehlt, ist kluge, weitschauende Planung und menschengerechte Raumordnung. Wir bräuchten so etwas wie Regionalplanung, ein politisches Gremium das Bauen überregional plant und Verbreiung verhindert. Wir könnten es zum Beispiel "Regionalverband" nennen Klug, nachhaltig und bürgermeisterfern könnte es raumordnerische Fehlentwicklungen verhindern Zugegeben: So eine neue, nie gedachte Institution ist angesichts unserer Bürgermeister-Macht-Strukturen natürlich eine verrückte Idee Was tun?

Es gibt tatsächlich ein Wohnraumproblem am Oberrhein und explodierende Mieten. Aber es gibt auch fast 2 Millionen leerstehende Wohnungen in Deutschland. Es gibt die Gewinnerregionen und die Verliererregionen auch in Baden-Württemberg. Der Staat versagt, wenn er es nicht schafft überall in diesem Land vergleichbare Lebensverhältnisse zu schaffen. Der Staat versagt, wenn er es nicht schafft, die Landflucht zu bremsen. Die Stadt Freiburg wird ihrer Stadtfunktion im Neubaugebiet Dietenbach nicht gerecht. Die "wir erlauben immer alles Parteien" versagen beim Thema Wohnraumspekulation, Mietenexplosion und sozialer Wohnungsbau. Was nicht tun?

Wir können natürlich auf die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels in der Hitzeregion am Oberrhein setzen. Wenn aus der wärmsten Region Deutschlands das heißeste Problemgebiet wird, wird der Zuzug stoppen. Wir können natürlich auch "die Kräfte des Marktes" walten lassen. Wir können natürlich auch die "jeder kann machen was er will Parteien" walten lassen. Das führt dazu, dass jeder wo er will und wie er will bauen kann und darf. Früher hat dieses Prinzip schon einmal zur Katastrophe der menschenfeindlichen "autogerechten Stadt" geführt Wenn wir die "die Kräfte des Marktes uneingeschränkt walten lassen" wird einfach so lange zugebaut, bis Südbaden, eine der schönsten Regionen Deutschlands so zugebaut-hässlich ist, dass niemand mehr herzieht.

Ich wurde von Menschen angesprochen, die aus dem Moloch Mittlerer Neckarraum nach Südbaden geflohen sind. Sie sagen, dass sich die dortigen Zersiedelungsprozesse hier eins zu eins wiederholen. Sie werden der "Nichteinmalrichtigstadt" Basel-Freiburg-Karlsruhe wieder entfliehen und wegziehen. Ich würde gerne hier bleiben. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Wohnung-Habenden gezielt gegen die Nichtwohnung-Habenden ausgespielt werden. Das neue Baugebiet in Gundelfingen ist eben auch ein Puzzlestein in einem Bild der Zerstörung. Unser heutiger Protest und der Bürgerentscheid wenden sich auch gegen einen Totalausfall von Raumordnung. Unser heutiger Protest ist Sand im Getriebe der "Nichteinmalrichtigstadt" Basel-Freiburg-Karlsruhe, der europäischen Megapole am Oberrhein. Ein Entscheid der Bürgerinnen und Bürger gegen das Baugebiet. Euer Entscheid gegen das Baugebiet würde globale Zerstörungsprozesse regional verlangsamen. Die Grenzen des Wachstums, Klimakatastrophe, Artenausrottung und Flächenverbrauch müssen endlich endlich in Zusammenhang gesehen werden.

Axel Mayer,  Mitwelt am Oberrhein, (Alt-) BUND-Geschäftsführer, Kreisrat







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