Atom-PR-Doku „Uran und Mensch“

13.10.21
UmweltUmwelt, Debatte, Ökologiedebatte, TopNews 

 

Von Hannes Sies

Wenn in zwei Stunden Dokumentarfilm zur Atomtechnologie nur 45 Sekunden dem Kardinalproblem der Endlagerung atomaren Mülls gewidmet werden und die Anwendung dieses Mülls in Uranmunition gleich ganz weggelassen wird -dann wissen wir, hier wird weniger dokumentiert oder informiert als Propaganda betrieben.

Der dt.-frz. Sender ARTE will kein Staatssender sein, wie das verruchte RT von Russland. ARTE benimmt sich aber so und bringt Uran-Verherrlichung als Begleitpropaganda zur Atom-Offensive seines Präsidenten Macron. Macron hat just ein 30-Milliarden-Programm für neue AKWs made in France verkündet. Hinter den Kulissen fordert Macron Nato-Einsätze in der Sahelzone, was die USA noch ablehnen, die da ihre eigenen Pläne haben -irgendwas Geheimes mit CIA und IS vermutlich. Frankreich bekommt aus Nordafrika sein billiges Uran für die eigenen AKWs. Da kommt ein Uran-Werbefilm der Uran-Exportnation Australien auch nicht ungelegen. ARD, ARTE und ZDF haben ein Pro-Atom-Framing über die Hirne ihrer Zuschauer gelegt.

Australien: Uran-Verklärung dank Aborigines

Mystische Gesänge leiten die Doku ein, dazu der Satz: „Legenden nach gibt es eine Welt unter der unseren, eine Welt, in der ein Drache schläft.“ Dieser Drache, werden wir immer wieder erfahren, ist das Uran. Statt seriöser Information und politisch angemessener Kritik bieten uns ARTE und ZDF mystifizierenden Unsinn zum Thema in ihrer Bearbeitung einer Doku, die in Australien produziert wurde, wo die größten Uranvorkommen der Welt liegen. Das ganze wirkt wie ein Werbefilm für die australische Uranindustrie.

Dr.Derek Muller ist ein hübscher junger Physiker, der von der Atomkraft fasziniert ist. Er erzählt uns zwei Stunden lang begeistert vom Wundermetall Uran, das noch Anfang des 20.Jahrhundert nahezu unbekannt war. „Doch schon 40 Jahre später ist es das begehrteste und am meisten gefürchtete Metall auf Erden.“ Seine Miene sagt dazu: Wow! Was für eine tolle Sache!

Dieses eine Metall habe unsere gesamte Welt geformt. Im Ton eines marktschreierischen Enthusiasmus: „Uran verändert alles!“

Dann schockartiger Schnitt auf einen miesen alten Horrorfilm: Eine Frau kreischt, ein Riesententakel reißt ein Haus ein. Schnitt. Ein Atompilz. Propagandistisch untergeschobene Aussage: Warnungen vor Atomwaffen oder Atomkraftwerken -das kann nur billige Panikmache sein.

Derek Muller wird uns unermüdlich das Uran anpreisen, von seiner Entdeckung in der ekligen Pechblende an -so nannte man im Silberbergbau die schwarze Schicht mit wertlosem Uranerz, die man abräumen musste. Dort fanden Physiker, wie er, Derek Muller, dann radioaktives Leuchten und man glaubt zuerst beim Radium an wundersame Heilkraft. Marie Curie bekam als erste Frau dafür in Frankreich einen Doktortitel und später zwei Nobelpreise. Derek Muller selbst steigt fröhlich in ein immer noch betriebenes Heilbad aus Uranschlamm, seinen Geigerzähler hält er dabei hoch und beteuert, das alles sei harmlos wie nur was. Dann lustige Rückblicke auf Uran und Radium in Zahnpasta und Badesalzen der ahnungslosen Vergangenheit...

Desinformation statt Aufklärung: Uranmunition?

Lange muss man warten, bis die Atombombe erwähnt wird. Man musste sie in den USA bauen, weil Hitlers Deutschland sie sonst zuerst gehabt hätte. So die Befürchtung, die sich als falsch erwies. So bekam Japan die Bombe ab: Hiroshima und Nagasaki. Ein paar Bilder von Strahlenopfern trüben die Begeisterung von Derek Muller aber kaum. Wow! Welche gewaltige Bombe! Sie brachte 1945 den Frieden!

Uran-PR-Doktor Derek Muller rühmt das atomare Gleichgewicht des Schreckens, dass uns den Frieden gesichert habe, dabei vergisst er zwei Kritikpunkte: 1. Es war kein Frieden, sondern eine unablässige Kriegsführung, meist im Geheimen durch USA und CIA, wie man bei Daniele Ganser nachlesen kann. Der aktuelle offen erklärte „Krieg gegen den Terror“, den die Nato mit terroristischen Methoden führt, wird auch als Dritter Weltkrieg wahrgenommen -natürlich nicht im Westen, wo die Westmedien ihn als „Humanitärmissionen“ ausgeben. 2.Atomwaffen haben uns im 20.Jahrhundert dutzende Male an den Rand eines Atomkrieges gebracht. Meist hat die Öffentlichkeit davon nichts erfahren, wie z.B. hier: Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Vietnamkrieg, General William C. Westmoreland, begann im Februar 1968 eigenmächtig mit der Vorbereitung eines Nukleareinsatzes in Vietnam. Sein Chef, Präsident Johnson, der nach dem höchstwahrscheinlich von der CIA ausgeführten Mord an Präsident Kennedy an die Macht kam (Kennedy wollte die CIA ausflösen), hatte aber Angst vor den Atomwaffen Chinas und pfiff Westmoreland zurück. Dies meldete die New York Times leider erst 50 Jahre später, nach Ende der Top-Secret-Einstufung dieser Information. Telepolis meldete dies 2018 anlässlich Atomwaffen-Drohungen, die US-Präsident Trump gegen Nordkorea ausstieß.

Vom derzeit durch die Nato weltweit verübten Einsatz von Uranmunition will Dr.Derek Muller nie gehört haben, von den womöglich Hundertausenden von Verseuchten, mit Strahlenkranken, Krebstoten und missgebildeten Kindern auf dem Balkan, in Irak und Afghanistan, in Syrien, Libyen, Somalia, wo die Nato-Staaten USA und Großbritannien die heimtückische Waffe großflächig einsetzten. ARTE-ZDF verblödet sein Publikum also mit einem Film über Uran ohne dessen derzeit verheerendstes Einsatzgebiet, das kriminelle Verschießen hochgiftiger Uranmunition durch die aggressivste Militärmacht unserer Zeit: Die Nato. Stattdessen einlullend säuselnde Naturmystik von Down under, dem Paradies der Uranabbau-Industrie.

Naturmystik -und der Atommüll? Ach, den recyclen wir!

Die Aborigines in Australien, die mit dem schlafenden Drachen vom Anfang, haben es auch schon gewusst: Vorsicht! Derek zeigt uns deren Höhlenmalereien von Strichmännchen mit knotigen Gliedern -wie bei Strahlenkrankheit. Dort sei es verflucht, glauben diese Native Australians. Einer von denen lehnte sogar ab, sein Land für 5 Milliarden schöne Australische Dollars an eine Uranfirma zu verkaufen, staunt Derek, der den alten Schwarzen Mann vor malerischer Naturkulisse interviewt. Von irgendwelchen Konflikten um Rassismus und Uranausbeutung hat Derek natürlich nie was gehört.

Da kommen selbst Sunnyboy Derek Bedenken und überhaupt Atom… war da nicht irgendwas mit Tschernobyl und Fukuchima? Nach viel Tralala und Wow!-Erlebnissen kommt erst im 2.Teil der Doku etwas weniger Tolles zur Sprache. Tschernobyl und Fukuchima waren tragische Desaster, sozialistischer Schlendrian hier (man zeigt ausgiebig Hammer-und-Sichel-Monumente zwischen den Ruinen) und Naturkatastrophe da: Erdbeben, Tsunami, wer konnte das denn ahnen!

Aber alles halb so schlimm: Nur ein paar Hotspots, da klickert der Geigerzähler, sonst misst Derek kaum mehr als die gute Naturstrahlung, die wir alle abkriegen. Ein paar olle Ukrainer und Japaner krauchen da sogar schon wieder durch die Sperrgebiete und fallen auch nicht gleich tot um.

Kurz vor Ende des zweiten Teils der Uran-Werbe-Doku kommen doch noch ein paar kritische Gedanken auf, nachdem AKWs, ihre tolle CO2-freie Technologie und unerschöpfliche Energie über den grünen Klee gelobt wurden.

„Könnte man es als grünes Kraftwerk bezeichnen? Nur wenn man ein sehr wichtiges Problem übersehen würde. Die meisten Atomkraftwerke verbrauchen nur etwa 5% des verwendeten Urans. Der Rest ist hochradioaktiver Abfall. Zur Zeit haben die USA etwa 72.000 Tonnen radioaktiven Abfall. Er wird meist in solchen Containern verstaut. Teile davon müssen für mindestens 100.000 Jahre eingelagert werden. Der Schutz dieser Abfälle obliegt einer Firma, einem Verwaltungsrat und den Anteilseignern, die sich für 100.000 Jahre verpflichten.“

45 Sekunden kritisches Denken über Atommüll, dann: „Doch was wäre, wenn man diese Abfälle wieder nutzbar machen könnte?“ Die Atomreaktoren der Zukunft könnten mit Atommüll die ganze Welt mit Energie versorgen, billiger als Kohle. Fukushima habe uns gezeigt, dass wir die Technik der Reaktoren verbessern müssen… Strahlengefahren? Kennt der Strahlemann der Uranindustrie eigentlich nicht, außer am Hotspot, den kann man ja meiden. Langzeitwirkung auch von niedrigen Dosen? Ach was, das verdaut der Körper schon. Das sei wie beim Vodka, erzählte ihm jemand in Tschernobyl: Eine Flasche auf ex bringt dich ins Koma, aber sie übers Jahr verteilt trinken ist ok.

Kritische Stimmen, wie man sie im Zusammenhang mit der Uranmunition hört? Auf dem Ohr ist der PR-Physikdoktor taub. Am Ende hält er seinen Radioaktivitätschip hoch, den er während der ganzen Doku trug: Ha! Kaum mehr zusätzliche Strahlung als an einem schönen Sonnentag in Australien! Dass dieser Chip nur Gamma-Strahlen misst und die Verseuchung auch Alpha- und Beta-Strahler betrifft, sagt er nicht. Damit sind Dr.Derek Muller, ZDF und ARTE ganz linientreu zu den USA und der von ihnen gesteuerten UNO (von der Derek auch eine Studie in die Kamera hält).

Die paranoiden Machteliten der USA sicherten ihre Kontrolle über medizinische Daten zu Strahlenschäden durch die IAEA (Internationale Atomenergiebehörde). Die IAEA sollte über eine Suborganisation namens ICRP verhindern, dass die eigentlich zuständige UNO-Gesundheitsbehörde WHO das Gebiet neutral untersucht. Bis heute gibt die ICRP (International Commission on Radiological Protection) Messmethoden vor, die leider so gehalten sind, dass Gesundheitsschäden durch langfristige Strahlenbelastung nur ungenau bestimmt werden können. Solche Belastungen fallen an bei Atomwaffen-Fallout, AKWs oder auch Uranmunition. Ein Glück für Atomindustrie und Militärs, die sonst Schadensersatzklagen fürchten müssten. Die undurchsichtig „sich selbst organisierende“ ICRP liefert also pseudowissenschaftliche Vorlagen für das bis heute andauernde Vertuschen der Krebs-Epidemie in Uranwaffen-Kriegsgebieten. Das alles berichtet der Uranmunition-Kritiker Frieder Wagner (S.143, 228), der, wie von mir in Buchkritiken beschrieben, mit dreckigen Tricks der Mainstream-Medien von einer desinformierten Öffentlichkeit ferngehalten wird. Deutschlandfunk und der ein kritisches Image pflegende WDR boykottieren Wagner seit er die Nato-Kriegspolitik als inhuman entlarvte -Ende Gelände für die angebliche Pressefreiheit, andere echte Journalisten können ein Lied davon singen, allen voran der in Folterhaft eingekerkerte Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Die Atomtechnik verbessern? Zuerst müssen wir die Propaganda der Atomindustrie und ihrer willigen Büttel bei unseren Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten richtig stellen. Sonst reden die uns erst die Krebsgefahr, dann den Strahlenmüll und schließlich noch den Atomkrieg schön.

 

Uran und Mensch -Ein gespaltenes Verhältnis

Teil 1 -Ein Metall wird zur Bombe,

Teil 2 -Ein Metall verändert die Welt,

ZDF & ARTE 2015 / Genepool Productions, Film Victoria & Screen Australia 2015

in der ARD-Mediathek

https://programm.ard.de/TV/arte/uran-und-mensch---ein-gespaltenes-verh-ltnis--1-2-/eid_287243275689861

 

Quellen

Kompa, Markus, Operation Kieferbruch: US-Militär wollte im Vietnamkrieg Nuklearwaffen einsetzen, telepolis 8.10.2018, https://www.heise.de/tp/news/Operation-Kieferbruch-4183260.html

Sies, Hannes, Frieder Wagner: Todesstaub made in USA – Uranmunition verseucht die Welt, Buchkritik, Scharf-links.de 6.10.2021 http://www.scharf-links.de/45.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=78389&cHash=a990574f56

Sies, Hannes, Hinter einer Nebelwand aus Propaganda - Frieder Wagner: Todesstaub made in USA – Uranmunition verseucht die Welt, Buchkritik von Hannes Sies, Neue Rheinische Zeitung 10.10.2021, http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27716

Wagner, Frieder, Todesstaub – made in USA, Promedia Verlag, Wien 2019







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