Jagdmesse Jagd & Hund: Ausverkauf bedrohter Arten in Dortmund

22.01.23
UmweltUmwelt, Bewegungen, NRW, Ruhrgebiet, TopNews 

 

Tier- und Naturschützer:innen kritisieren Versäumnisse von Oberbürgermeister Westphal und der Messe Dortmund

Von Vier Pfoten

30 Tier- und Naturschutzorganisationen fordern anlässlich der Jagd & Hund in Dortmund von Oberbürgermeister Thomas Westphal und dem Dortmunder Stadtrat, die Vermarktung von Trophäenjagdreisen endlich zu unterbinden. Die größte Jagdmesse Europas findet vom 24. bis 29. Januar in den Westfalenhallen statt. Dort bieten über 80 Aussteller Trophäenjagdreisen an, auch auf bedrohte und geschützte Arten, darunter Elefanten, Löwen, Leoparden, Nashörner und Eisbären.

Eine zunehmende Anzahl an Tier- und Naturschutzorganisationen kritisiert, dass diesen Angeboten noch immer eine Plattform geboten wird. Auch Dr. Jane Goodall DBE, Gründerin des Jane Goodall Instituts und UN-Friedensbotschafterin, appelliert eindringlich an die Verantwortlichen: „Die Tatsache, dass das Jagen von Trophäen seltener und gefährdeter Tierarten immer noch legal ist, ist absolut schockierend! Bitte stoppen Sie den Verkauf organisierter Trophäenjagdreisen im Rahmen der Jagd & Hund-Messe in Dortmund. Unterstützen Sie damit den Tier- und Artenschutz!“

Versprochene Ethikkommission noch immer nicht eingesetzt

Mehr als 120.000 Tiere werden allein in Afrika jedes Jahr von Großwildjäger:innen getötet. Deutsche gehören nach US-Amerikaner:innen zu den traurigen Spitzenreitern bei der Trophäenjagd. Der Abschuss besonders seltener, gesunder und imposanter Tiere führt zu einer unnatürlichen Selektion und hat fatale Konsequenzen auf die Tierbestände. Trophäenjagd unterläuft damit internationale Artenschutzbemühungen. Darüber hinaus werden auf der Jagd & Hund auch Reiseangebote vermarktet, die in Deutschland verbotene Jagdmethoden wie etwa die  Bogenjagd beinhalten. Im Wahlkampf 2020 versprach der heutige Oberbürgermeister Westphal im Fall seiner Amtsübernahme die Einsetzung einer Ethikkommission, die das Thema Trophäenjagd und die entsprechende Vermarktung auf der Messe objektiv beleuchten sollte. Diese Ethikkommission ist bis heute nicht eingesetzt.

Aussteller verstoßen gegen Messebedingungen

In den Ausstellungsbedingungen der Messe wird explizit darauf hingewiesen, dass die Vermarktung von „Abschussgelegenheiten“ auf gezüchtete Tiere sowie Tiere aus Gatterhaltung untersagt ist. Dies betrifft beispielsweise unnatürliche Farbvarianten von Antilopen sowie die Gatterjagd auf gezüchtete Löwen. Auch in diesem Jahr befinden sich Aussteller auf der Jagd & Hund, die diese Angebote in ihrem Portfolio haben.

Ablehnung gegenüber der Trophäenjagd steigt

In einer aktuellen Umfrage sprechen sich 89 Prozent der Bundesbürger:innen gegen die Einfuhr von Jagdtrophäen nach Deutschland aus. In Südafrika, gemeinsam mit Namibia eine der beliebtesten Destinationen für deutsche Jagdtourist:innen, lehnen 68 Prozent der Befragten quer durch alle Gesellschaftsschichten die Trophäenjagd ab. Einige der weltweit größten Reiseanbieter, darunter Booking.com, TripAdvisor und die Expedia Gruppe, forderten die südafrikanische Regierung auf, Trophäenjagd zu beenden und auf eine wildtierfreundliche Zukunft zu setzen. Auch 170 NGOs aus aller Welt fordern ein Ende der Trophäenjagd und das Europäische Parlament positionierte sich kürzlich für ein EU-weites Einfuhrverbot von Jagdtrophäen. Die Niederlande, Finnland und Belgien verbieten bereits die Einfuhr von Jagdtrophäen bestimmter Arten. In Großbritannien, Belgien, Italien, Spanien und Polen wird ebenfalls hierüber diskutiert. Darüber hinaus wurde Italiens größte Jagdmesse in Vicenza vor Kurzen auf Grund von Bedenken bezüglich ökologischer Werte abgesagt. „In Anbetracht der dramatischen Biodiversitätskrise, die wir gerade erleben, versteht die überwältigende Mehrheit der Menschen, dass wir uns den rücksichtslosen Ausverkauf unserer Arten nicht leisten können. Es ist traurig und nicht nachvollziehbar, dass eine kleine Minderheit effektiven Tier- und Artenschutz auf Kosten aller verhindert. Ein konsequentes Umsteuern ist überfällig – auch von Dortmund!“ appelliert Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife.

Hintergrund:

  • In den Jahren 2017 bis 2021 wurden laut Daten des Bundesamts für Naturschutz (BfN) Trophäen von allein 2.988 Tieren international geschützter Arten nach Deutschland eingeführt, darunter 110 Leoparden, 107 Braunbären, 117 Flusspferde, 92 Elefanten, 80 Löwen, 12 Breitmaulnashörner, 6 Eisbären und ein Spitzmaulnashorn.
     
  • Zum 1. Januar 2023 trat die Bundesregierung aus dem Internationalen Rat zum Schutz des Wildes und der Jagd aus (CIC), da „man nicht mit dem Umgang des CIC mit der Tötung von Tieren in Form von Trophäen einverstanden sei“ und sich der CIC in den letzten Jahren wiederholt gegen ein Importverbot für Jagdtrophäen gewandt habe. Der CIC ist offizieller Partner der Jagd & Hund.
  • In einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und den Stadtrat fordern mehr als 90 Tier-/Artenschutzorganisationen und Expert:innen aus Afrika und der Welt ein Ende der Trophäenjagdangebote auf der Dortmunder Jagdmesse.






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