Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung: Brunnenvergifter im Kreis Gütersloh

22.06.18
UmweltUmwelt, Bewegungen, OWL, NRW, Wirtschaft, TopNews 

 

Stellungnahme zum Bericht „Kreis sieht grünes Licht für Ställe“ im Haller Kreisblatt vom 20. Juni 2018

Es wundert uns nicht, wenn der Kreis Gütersloh keinerlei Bedenken gegen den neuen Schweinemaststall auf dem Hof Venghaus in Werther hat. Scheint doch Nachbar Hartmut Figge, der gegen den neuen Stall vor seiner Nase klagt, allein zu stehen. Dem ist aber nicht so!

„Dank“ Hof Venghaus könnten künftig bei optimalen Mastbedingungen nach 7 Monaten Lebens- und Leidenszeit weitere 1250 Tiere ans Messer geliefert werden. Der Tönnies-Konzern möchte aber in Rheda 4.000 Schweine mehr schlachten, täglich. Eine Million Tiere jährlich! Dazu bedarf es rund 500 neuer Mastställe in der Größenordnung Venghaus. Egal, wo die gebaut werden, jeden Tag werden über 30 weitere Tiertransporte durch unseren Kreis rollen.

Seit mehr als einem Jahr stellt sich das „Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung“ gegen die Erhöhung der Schlachtzahlen. Trotz zahlreicher fundierter Einwände vieler Bürgerinnen und Bürger und erheblicher Bedenken einiger Kreisbehörden scheint der Kreis entschlossen, die Erweiterung zu genehmigen.

Wie verantwortungslos sich der sogenannte „beste Kreis der Welt“ verhält, zeigt sich auch daran, dass er für den größten Schlachthof Europas bisher eine Umweltverträglichkeitsprüfung für unnötig hält.

Dabei steht kaum eine Branche so für die Gefährdung und Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur. Laut dem BUND trägt nichts so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, der Rodung von Wäldern, der Zerstörung unseres Klimas, der Gefährdung unserer Gesundheitssysteme und zum Leid der Tiere bei wie die industrielle Fleischproduktion.

Eine Folge trifft uns besonders: die Gülle. Nirgends in NRW gibt es so viele Hausbrunnen wie im Kreis Gütersloh. Bereits bei rund 10 % davon liegt der Nitratgehalt über dem zulässigen Grenzwert. Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland heute verurteilt, weil die Bundesregierung zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternimmt.

Eine noch größere Bedrohung stellt die Verbreitung multiresistenter Keime da. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) geht schon jetzt von bis zu 30.000 Todesfällen pro Jahr aus. Immer häufiger wird in Gewässern auch das multiresistente Gen MR-C1 nachgewiesen. Dieses Gen ist gegen Colistin resistent. Colistin ist das Antibiotika, das Menschenleben retten kann, wenn alle anderen Antibiotika versagen. Es wird in der Massentierhaltung massiv eingesetzt.

Die Landesregierung NRW hat angekündigt, die Gewässer im Land 2019 systematisch auf multiresistente Keime zu untersuchen. Das bundesweite Forschungsprojekt HyReKa führt Untersuchungen von Gewässern auf multiresistente Keime durch und erforscht deren Verbreitungswege. Es wäre grob fahrlässig, vor Abschluss der Untersuchungen und der öffentlichen Diskussion der Ergebnisse Erweiterungen von Schlachthöfen, Mastbetrieben und dazugehörigen Produktionsbetrieben zu genehmigen.

Leider sind nicht alle sozialen, ökologischen und tierrechtlichen Einwände gegen die Erweiterung von Zucht- und Mastbetrieben und Schlachthäusern im Genehmigungsverfahren relevant. So spielen im Fall Tönnies die oft katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen der über 4.000 Arbeiter*innen aus Osteuropa keine Rolle. Werkverträge sind die Regel. Eine 17%-ige Erhöhung der Tötungszahlen ohne die Schaffung neuer Arbeitsplätze wird die Situation nicht verbessern.

Alle Fakten sprechen nicht nur gegen eine Vergrößerung von Mastställen und Schlachtfabriken, sondern verlangen ein grundsätzliches Hinterfragen der Fleischproduktion.

Mehr Infos unter: https://buendnis-gegen-die-toennies-erweiterung.de/

 

Uschi Kappeler, Camila Cirlini, Michael Pusch

für das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung







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