Totenglocke für die Doñana?

21.03.23
UmweltUmwelt, Internationales, TopNews 

 

Von WWF

Das Feuchtgebiet und UNESCO Weltnaturerbe Doñana in der spanischen Provinz Huelva ist abermals akut durch ein Gesetzesvorhaben der andalusischen Regierung bedroht. Darauf weist der WWF anlässlich des Weltwassertags am morgigen Mittwoch hin. Die neuen Pläne sollen vor den Kommunalwahlen im Mai eingebracht werden. Sie sehen eine Amnestie für illegale Erdbeerfarmen vor und weihen eines der größten Naturwunder der Welt dem Untergang. Am Vortag, 20. März, hat die EU-Kommission mit großer Sorge auf das Gesetzesvorhaben reagiert und mit finanziellen Sanktionen gegen Spanien gedroht.
 
„Dies ist ein dreister Versuch, auf Kosten von Doñana auf Stimmenfang zu gehen - einem unersetzlichen Ökosystem mit Bedeutung weit über Andalusien hinaus. Das kurzfristige Profitstreben gefährdet die Wasserversorgung der Region und die Zukunft der gesamten legalen Beerenproduktion, die von Huelva aus die europäischen Supermärkte beliefert", sagte Johannes Schmiester, WWF Süßwasser Experte. „Die Feuchtgebiete von Doñana sind unersetzlich für die Klimaresilienz der iberischen Halbinsel und die biologische Vielfalt. Die Amnestie für den Wasserraub käme einem Todesurteil gleich.“ Besonders für hunderttausende Zugvögel wäre das Austrocknen des Feuchtgebiets eine Katastrophe, die es als Rastplatz auf dem Weg von Nordeuropa nach Afrika brauchen. Doñana ist aber auch ein Indikator dafür, wie es um die Wassersituation in der Region bestellt ist. Geht der Doñana heute das Wasser aus, trifft es morgen die Landwirtschaft.
 
Das UNESCO Weltnaturerbe und Ramsar Schutzgebiet steht seit 1969 unter Schutz, trotzdem gefährden über 1000 illegale Brunnen den Lebensraum von Zugvögeln und seltenen Tierarten wie dem iberischen Luchs. Im Juni 2021 hatte der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) das Land Spanien nach einer Klage des WWF wegen übermäßiger Entnahme von Grundwasser verurteilt. Wie schlecht es der Doñana geht, wurde im September 2022 deutlich, als alle Süßwasserlagunen der Region austrockneten. Als Hauptursache gilt die übermäßige Wasserentnahme verschlimmert durch eine schwere Dürre.
 
„Dieses Gesetz verhöhnt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs und sogar die Europäische Kommission selbst, da es Landraub und Plünderung von Wasserressourcen belohnt", sagte Juan Carlos del Olmo, Geschäftsführer des WWF-Spanien. „Wir begrüßen die Intervention der Europäischen Kommission zur Einhaltung des Urteils. Damit einhergehen müssen die Schließung der illegalen Farmen einerseits und verstärkte Anstrengungen zum Schutz von Doñana andererseits", macht del Olmo klar, der sich aufgrund der aktuellen Bedrohung an die EU-Kommission gewandt hatte. Der WWF setzt sich stattdessen für die Umsetzung des sogenannten „Erdbeerplans“ ein, der seit 2014 in Kraft ist und für eine verantwortungsvolle Landwirtschaft mit allen wichtigen Interessengruppen entwickelt wurde mit dem Ziel, das Wachstum illegaler Farmen zu stoppen.
 
Das neue Gesetzesvorhaben ähnelt einem Amnestiegesetz, das 2022 auf Eis gelegt wurde, nachdem große Lebensmittelhändler, Naturschütz:innen, Wissenschaftler:innen, die UNESCO, die Ramsar-Konvention für Feuchtgebiete, der IUCN und die spanischen Regierung dagegen protestierten.
 
Hintergrund: Erdbeeren, die durstigen Früchte
Die meisten Früherdbeeren, die bald in den deutschen Supermarktregalen landen, wachsen unter einem Meer an Plastikfolien im trockenen Südspanien. Neben dem Einsatz von Pestiziden und den Emissionen, die durch den Transport der Erdbeeren aus Spanien freigesetzt werden, ist vor allem der hohe Wasserverbrauch beim Anbau der Früchte in der wasserarmen Region problematisch. Ungefähr 300 Liter Wasser werden für die Herstellung von einem Kilo Erdbeeren verbraucht – so viel passt in eineinhalb Badewannen und wird von den Tieren und Pflanzen im Feuchtgebiet Doñana dringend gebraucht. In deutschen Anbaugebieten ist die Wasserverfügbarkeit wesentlich höher als im trockenen Andalusien. Der WWF empfiehlt deshalb auf die heimische Erdbeersaison zu warten und bis dahin zu eingemachten Früchten aus Deutschland zu greifen.
 







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