Gewerkschaften und Umweltverbände fordern Einhaltung strikter Umweltstandards für Europas Seegebiete

04.09.10
UmweltUmwelt, TopNews, Wirtschaft 

 

Wirtschaftsverbände setzen Gesundheit der Menschen aus Profitgier aufs Spiel

Hamburg, 03.09.2010 - Eine große Allianz von deutschen und europäischen Gewerkschaften und Umweltverbänden will eine drohende Lockerung von Umweltstandards für die Schifffahrt auf Nord- und Ostsee verhindern. In einer von der IG Metall Küste und dem Naturschutzbund (NABU) gestarteten Initiative fordern sie von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Beibehaltung des für 2015 festgelegten Schwefelgrenzwertes von 0.1 Prozent für Schiffstreibstoffe in Nord- und Ostsee sowie eine Ausweitung der Schwefelemissionsüberwachungsgebiete (Sulphur emission control areas, kurz: SECA) auf das gesamte Mittelmeer sowie das Schwarze Meer und die europäischen Atlantikküsten.

Mit ihrem Brief an EU-Kommissionspräsident Barroso, der von zahlreichen nationalen und internationalen Gewerkschaften, Umwelt- und Gesundheitsverbänden unterstützt wird, reagieren IG Metall Küste und NABU auf das andauernde und aggressive Werben einiger europäischer Industrieverbände für eine Aufweichung der ab 2015 gültigen Grenzwerte von maximal 0.1 Prozent Schwefel auf Nord- und Ostsee. „Wirtschaftsverbände wie der Bund Deutscher Industrie (BDI) und der Verband deutscher Reeder (VDR) attackieren die EU-Kommission gültige Regelungen, die unsere Gesundheit und Umwelt schützen sollen. Ihnen geht es dabei allein um wirtschaftliche Interessen“, kritisierte IG Metall-Bezirksleiterin Jutta Blankau.

Gewerkschaften und Umweltverbände warnen vor einer Rückkehr zu niedrigeren Standards, weil dadurch jene Schiffbauer und -eigner bestraft würden, die bereits in saubere und effiziente Schiffstechnologien investiert hätten. „Der Bau von umweltfreundlicheren Schiffen ist keine Marktlücke, sondern ein Zukunftsmarkt für die europäische Schiffbauindustrie. Dadurch werden Arbeitsplätze auf den Werften und in der Zulieferindustrie gesichert und geschaffen“, sagte Blankau.

„Industrie- und Reederverbände wollen den ökologischen Rückwärtsgang einlegen. Das muss im Sinne der Gesundheit und der Umwelt auf jeden Fall verhindert werden“, forderte Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg. Denn das in der Schifffahrt verwendete Schweröl sei ein giftiges Abfallprodukt der Raffinerien, welches bei der Verbrennung neben dem Schwefel auch hohe Anteile von Rußpartikeln, giftigen Schwermetallen und Sedimenten frei setzt. Der Umstieg auf die Verwendung von schwefelarmen Schiffskraftstoffen ist nach Ansicht des NABU längst überfällig: 95 Prozent des interkontinentalen Güterverkehrs werden über die Seeschifffahrt abgewickelt. Schadstoffemissionen, insbesondere von Schwefel, Stickoxiden und Partikeln, stellen das größte Umweltproblem in der Seeschifffahrt dar. „Selbst der für 2020 geplante globale Grenzwert von 0.5 Prozent bedeutet, dass Schiffstreibstoff dann noch immer 500mal mehr Schwefel enthält, als im Straßenverkehr der EU erlaubt ist“, so Porschke. „Das ist rücksichtslos gegenüber Mensch und Umwelt und muss so schnell wie möglich geändert werden.“

Nach dem Willen der Initiative soll sich die EU-Kommission für eine Ausweisung aller europäischen Seegebiete als Emissionskontrollgebiete einsetzen: „Angepasste Emissions- und Treibstoffstandards werden der europäischen Schiffbauindustrie helfen, spritsparende und energieeffiziente Schiffe zu entwickeln und Europa zu einem Zentrum für saubere Schifffahrt zu machen“, heißt es in dem Schreiben der Gewerkschaften und Umweltverbände an den EU-Kommissionspräsidenten.







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