Boliviens Rohstoffreichtum im Visier imperialistischer Wirtschaftskonkurrenz und (militärischer) Bündnisse.

01.09.10
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Internationales, News 

 

von Reinhold Schramm

Boliviens Rohstoffreichtum und die amtierende Regierung befindet sich im Visier der internationalen Rohstoff- und Rüstungskonzerne, deren Bourgeoisien und Großaktionären, deren Wirtschaftsverbänden, ökonomischen und gesellschaftspolitischen Administrationen und Staatsregierungen, einschließlich Staatl. Ministerien und Einrichtungen der (militärischen) Staatssicherheit.  

Erinnerung an eine Inszenierung: Im Mai 2008 berichtete das deutsche "Handelsblatt": "Bolivien droht die Spaltung" und "steht vor einer Zerreißprobe". Die "Bevölkerung" der reichsten Provinz des Landes, Santa Cruz, stimmte in einem "Referendum mit klarer Mehrheit" für eine (größere) "politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Zentralregierung." Laut deutschen "Handelsblatt", feierten "Tausende Befürworter der Autonomie ihren Triumph" über den "Marxismus". Weitere drei Provinzen, Beni, Pando und Tarija, planten ähnliche Abstimmungen im Juni 2008. Zwei weitere Provinzen erwägen auch (analoge) Referenden.  In Santa Cruz ist die 'Opposition' gegen die Morales-Regierung am größten. Der 'Opposition' geht es vor allem um die Einnahmen aus den großen Gasreserven. Evo Morales und die Bewegung zum Sozialismus will die Einnahmen nutzen, um sie in ganz Bolivien für die (soziale) Entwicklung der armen Bevölkerungsmehrheit zu verteilen. [1]   

Auf einer gemeinsamen Tagung von "vbw, BDI, BVSW", im Vorfeld der "Münchner Sicherheitskonferenz" (2010), erklärte Ulrich Grillo, Vorsitzender des "BDI-Ausschuss Rohstoffpolitik", die "Bundesregierung und Europäische Kommission müssen den geo- und handelspolitischen Risiken der Rohstoffsicherheit entschlossen begegnen. Dafür benötigten Deutschland und Europa eine ganzheitliche Strategie, ...". Auf dieser Tagung, im Vorfeld der "Münchner Sicherheitskonferenz", diskutierten rund 150 Vertreter aus Wirtschaft und Politik, über "drohende Engpässe sowie Strategien zur langfristigen Sicherung der Rohstoffversorgung." [2] (Die Wirtschaftsregionen, Lateinamerika - Bolivien etc., sind hier nur ein Aspekt.)

Ein im Auftrag der "vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V." (Mitgliedsverband im BDI) erstellter "Rohstoff-Risiko-Index" der "IW Consult GmbH Köln" zeigt "Gefahrenpotenziale bei der Versorgung der Betriebe mit verschiedenen Rohstoffen, beispielsweise Lithium, Chrom oder Platin an."  In der Einleitung zur Studie heißt es, u. a.: "Die Untersuchung beschränkt sich auf Metalle, Edelmetalle und mineralische Rohstoffe. Besondere Erwähnung finden dabei die so genannten Gewürzmetalle. Hierunter werden Metalle verstanden, die Teilweise nur im Mikrogrammbereich für einzelne Produkte, wie beispielsweise Handys, gebraucht werden. [In der veröffentlichten Studie bleiben militärtechnische Anwendungen ausgeklammert.] Ohne diese würden die Geräte jedoch nicht funktionieren." (...)  

Die Studie führt u. a. zur "Prognose für die Entwicklung des zukünftigen Lithiummarktes für Energiespeichersysteme" aus: "... leistungsfähige Batterien sind Schlüsselkomponenten mobiler elektronischer Unterhaltungs-, Computer- und Telekommunikationsgeräte. Insbesondere der Bedarf an Hochleistungs-Akkumulatoren auf Lithium-Ionen-Basis steigt (...) seit Jahren steil an. (...) Die Zukunft der auf Lithium basierenden Akkumulatoren wird (...) maßgeblich von der Verwendung als Hochenergiespeicher in elektrobetriebenen Kraftfahrzeugen abhängen (...) Die Forschung und Entwicklung von Lithium-Ionen-Hochleistungsenergiespeichersystemen für Hybrid- un  elektrobetriebene Fahrzeuge mit Brennstoffzellentechnologie [Anm.: U-Boote - "TKMS"] befindet sich derzeit in einer hochdynamischen Phase, so dass zukünftig für dessen Markt ebenfalls überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten zu erwarten sind. (...)" -

"Derzeit beträgt die weltweite Produktion von reinem Lithium rund 28.000 Tonnen (...) Für die Extraktion von Lithium(-verbindungen) dienen in erster Linie Lithium-haltige Minerale wie Spodumen aus Pegmatitgesteinen sowie Lithium-haltige Sole aus (semi-)rezenten Salzseen und Salzpfannen." -  "Nach (...) wird der aktuelle Bedarf nach Lithiumverbindungen auf rund 90.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Equivalenten geschätzt. (...)"

Die Studie der deutschen BDI-vbw-Industrie in ihren Ausführungen zur (Rohstoff-)Region Bolivien:

"Allein Bolivien besitzt mit einer Lithiumreservenbasis von 5,4 Mio. Tonnen im Bereich des Salar de Uyuni mit 42 Prozent den größten Anteil an der Weltreservenbasis. (...)" -

"Insbesondere die bolivianische Regierung unter dem Präsidenten Evo Morales, dessen sozialistische Partei eine mehrheitliche Unterstützung unter der indigenen Bevölkerung besitzt, will eine Ausbeutung inländischer Ressourcen durch ausländische Unternehmen entgegen wirken bzw. verhindern." (...)
Es "müssen zukünftig geeignete Kooperationsmöglichkeiten auf wirtschaftlicher und politischer Ebene gefunden werden. Nur so kann eine zukünftig steigende Nachfrage nach Lithium langfristig befriedigt werden. Ein mittel- und langfristiges Ausweichen auf chinesische und australische Lithiumvorkommen ist aufgrund der vergleichsweise geringen Reserven  und der kurzfristig zu tätigenden Investitionen zur Steigerung der Förderkapazitäten als unwahrscheinlich zu erachten." -
"Zudem zeichnet sich Chinas globale Ressourcenpolitik dadurch aus, dass der Abbau und Handel mit eigenen Ressourcen gegenüber Rohstoff importierenden Länder bewusst strategisch ausgerichtet werden, um die Versorgung des eigenen Landes langfristig sicher zu stellen. [analog - auch umgekehrt] Dies führt zu der Schwierigkeit, dass sich der chinesische Lithiumanteil am Weltmarkt trotz eines zunehmenden Lithiumbedarfs langfristig nicht abschätzen lässt. Risiken, (...) führen auch hier zu Unsicherheiten in der Versorgung entsprechender Industriezweige." -

"Vor dem Hintergrund der stark einseitig konzentrierten Allokation zukünftig bedeutender Lithiumvorkommen auf Südamerika ist davon auszugehen, dass Lithium-haltige Erze und Solen aus China und Australien lediglich eine Ergänzung der Versorgung durch Bolivien, Chile und Argentinien darstellen werden." [3]

Quellen:
[1] Handelsblatt - (bereits) am 05.05.2008.
Reichste Provinz stimmt für mehr Autonomie. Bolivien droht die Spaltung.
www.handelsblatt.com/politik/international/bolivien-droht-die-spaltung;1425697

[2] Deutscher Imperialismus - Berufsarmee und Militärmacht für den weltweiten Einsatz.www.scharf-links.de/42.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=11941&tx_ttnews[backPid]=8&cHash=4fd0c2a6d3

[3] vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.  
Rohstoffsituation Bayern: Keine Zukunft ohne Rohstoffe.   
Strategien und Handlungsoptionen. Bericht der IW Consult GmbH Köln.
Stand: September 2009.



VON: REINHOLD SCHRAMM






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