"Tschernobyl" und Atomindustrie 2010

04.11.10
UmweltUmwelt, News 

 

von Reinhold Schramm

Laufzeiten von 60 Jahren und "Betriebszeiten von 80 Jahren in der Diskussion"


Die Atomenergie wird "jetzt wieder als eine zukunftsfähige Komponente im Energiemix mit einem zusätzlichen Bedarf an neuen Kapazitäten gesehen."

Der Planungsstand für Bauprojekte in den USA hat 26 Blöcke erreicht. In den USA wurden bereits 54 von 104 Atomreaktoren für 60 Betriebsjahre lizenziert. In Belgien, Schweden und Italien haben Parlamente und Regierungen die Ausstiegspläne revidiert und beabsichtigen auch die Errichtung von neuen Atomkraftwerken.

In China wurde die Anzahl der in Bau befindlichen Atomkraftwerke mit zehn zusätzlichen Neuanlagen verdoppelt. Für die Atomindustrie, Konzerne und Aktiengesellschaften haben sich die Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten "nicht merklich auf die angestoßenen rund 200 Kernkraftwerksneubauten ausgewirkt." In ihren Planungen spielen Langfristaspekte und Betriebszeiten sowohl bestehender, laufender Atomanlagen als auch Neuanlagen eine Rolle. [1]

"60 Jahre werden technisch und sicherheitstechnisch als aktueller Maßstab gesehen" und sind "für mehrere Dutzend Kernkraftwerksblöcke weltweit durch Genehmigungsverfahren bestätigt; darüber hinaus sind technische Betriebszeiten von 80 Jahren in der Diskussion." [1]

Experten der Atomindustrie, Konzerne und Aktiengesellschaften sehen die Kernenergie "als bevorzugten wirtschaftlich konkurrenzfähigen und überlegenen Energieträger in der Stromerzeugung" und "als Komponente für Maßnahmen zum Klimaschutz und eine nachhaltige Energieversorgung". [1]

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt die Bundesregierung: "Wir erleben in diesem Jahr ein Erstarken der Bürgerproteste von enormen Ausmaß. Die Bundesregierung hat sich mit ihrer lobbygesteuerten Atompolitik von der Bevölkerung abgewendet, anstatt die Belange heutiger und zukünftiger Generationen angemessen zu berücksichtigen. Eine Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke zementiert veraltete Versorgungsstrukturen und verhindert den dringend notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Eine Regierung, deren Politik allein den Interessen der großen Stromkonzerne dient, darf sich nicht wundern, wenn sich auch der BUND an einer Aktion Zivilen Ungehorsams beteiligt." [2]

IPPNW: "Tschernobyl hat uns die Augen vor den Gefahren der Atomtechnologie geöffnet. Atomenergie tötet. Nicht nur bei einem GAU, sondern an jedem einzelnen Glied der atomaren Kette." [2]

Quellen:
[1] Kerntechnische Gesellschaft. "Der Energiemarkt im Fokus" - Kernenergie, Sonderdruck zur Jahresausgabe 2010. Energie-Fachmagazin BWK, Arbeitsgruppe Reaktorsimulation und -sicherheit am Lehrstuhl Energiesysteme und Energiewirtschaft, Ruhr-Universität Bochum. www.kernenergie.de/kernenergie/documentpool/Service/bwk-kernenergie-2009.pdf

[2] IPPNW - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V., am 02.11.2010: "Breites Anti-Atom-Bündnis erwartet enormen Zulauf".
www.ippnw.de/presse/presse-2010/artikel/3881ae5ce9/breites-anti-atom-buendnis-erwartet.html

 





VON: REINHOLD SCHRAMM






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