DROHT LEBENSADER STRASSE DER KOLLAPS?

03.11.12
UmweltUmwelt, Wirtschaft, TopNews 

 

von Kurt Wolfgang Ringel

Das freigeistige Wort zum Sonntag, den 04.11.2012

»Frau Merkel lässt sich als Klimakanzlerin feiern, während zur gleichen Zeit Güterverladezentren von Bahn und Post geschlossen werden und fast sämtlicher Güterverkehr von der Schiene auf die Straße verlagert wird.
So fahren heute einige Millionen Lastwagen, die wiederum Millionen Tonnen CO2 ausstoßen.

Dazu mussten Autobahnen mehrspurig ausgebaut werden, was Milliarden an Steuergel- dern kostete. Doch damit nicht genug. Da fordert ein sogenannter 'Verkehrsforscher’ den Ausbau der A 2 auf acht Spuren, also noch mehr Verkehrstote, noch mehr Unfälle noch mehr Gestank und Lärm. Besser wäre gewesen, zu erforschen, wie viele Milliarden Euro, wie viele Staus, Tote und Verletzte wir sparen würden, wenn der Güterverkehr wieder auf die Schiene verlagert wird.

Den Ausbau der Autobahnen und die durch den Schwerlastverkehr zerwalzten Straßen zahlen nicht die Verursacher, sondern wieder einmal der deutsche Steuerzahler. Es geht nicht darum immer breitere Autobahnen zu bauen, sondern diesem Irrsinn ein Ende zu bereiten und den Güterverkehr wieder auf die Schiene zurückzuführen.« [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

von den Problemen des Straßenverkehrs sind alle betroffen, die auf ihr Auto angewiesen sind. Aber nicht diese Personen sind Mittelpunkt unserer Betrachtungen, sondern die- jenigen, die Kosten verursachen, die sie nicht selbst tragen, sondern alle Bürger eines Landes. Und diese Kosten sind erschreckend hoch.

»Das Umwelt- und Prognose-Institut Heidelberg (UPI) errechnete für das Jahr 1989 einen Betrag von knapp 53 Milliarden DM an ungedeckten technischen, ökologischen und sozialen Kosten, die allein durch den LKW-Verkehr verursacht wurden. Der PKW-Verkehr schlägt, ebenfalls nach Abzug der Kraftfahrzeug- und Mineralölsteuer, nach dieser Berechnung mit über 216 Milliarden DM zu Buche, wobei jeweils nur der Verkehr in den alten Bundesländern berücksichtigt wurde. Daraus ergeben sich, bezogen auf das frühere Bundesgebiet, Gesamtkosten von durchschnittlich 4500 DM pro Kopf und Jahr....

Über eines sind sich die Wirtschaftsfachleute jedoch einig: der Straßengüterfernverkehr wird bis zum Jahre 2010 erheblich steigen. Nach den Prognosen des BDI soll gegenüber dem Jahre 1991 eine Steigerung der Transportleistung um rund 46 Prozent eintreten; beim Eisenbahnverkehr soll ein Plus von 126 Prozent und bei der Binnenschifffahrt von 84 Prozent sein. « [2]

Heute sind die in den neunziger Jahren prognostizierten Kosten um ein vielfaches höher. Auch die durch den Straßenverkehr verursachten Schäden werden um ein vielfaches größer sein. Bislang trägt die Allgemeinheit alle Kosten für Umweltschäden, die vom Straßenverkehr verursacht werden. dazu gehören Kosten durch Luftverschmutzung und Lärm ebenso wie die Kosten der Wasserverschmutzung oder von Verkehrsunfällen. Diese Schäden sind oft nur schwer in Zahlen zu fassen, und noch schwieriger wird es, den Schuldigen die passende Rechnung zu präsentieren.

Doch manchen Leuten ist dies noch nicht genug: Die Straßenmonster kommen. Brüssel gibt Studien zu Mega-Lkw in Auftrag und die Straßenverkehrslobby jubelt: »Das Thema schien schon vergessen, jetzt wird es wieder aktuell: Riesige Lkw mit einer Länge von bis zu 25 Metern und einem Höchstgewicht von 60 Tonnen könnten bald auf Deutsch- lands Straßen rollen. Nicht nur in Feldversuchen, wie derzeit beispielsweise in Meck- lenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein. Sondern ganz regulär, dauerhaft zugelassen von der EU.« [3]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Transport von Gütern auf der Straße folgt meist nicht den Regeln, die ein umwelt- gerechtes Verhalten vorschreiben. Es ist unverantwortlich und auch überflüssig, wie die manche Güter auf den Straßen transportiert werden. Hier ein sehr krasses Beispiel: »Es ist unvernünftig, Kartoffeln von Deutschland nach Italien zu karren, sie dort zu reinigen und dann wieder zurückzutransportieren, um 'Pommes frites' herzustellen. Betriebswirtschaftlich kann eine solche Rechnung nur aufgehen, wenn der Schwerver- kehr auf der Strasse nicht seine vollen Kosten decken muss. Weil Mobilität generell zu billig ist, entsteht Anreiz für immer mehr fragwürdigen Verkehr.« [4]

Ein Kriterium ist die sogenannte Kostenwahrheit. Dieser Begriff ist erstmals in den 90er Jahren in den Verhandlungen über die Transitverträge zwischen Österreich und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft aufgekommen. Deutlich wurde auch, das dem LKW-Transitverkehr nicht alle entstandenen Kosten angelastet wurden. Er musste seine Kosten nicht selbst vollständig finanzieren. Tatsächlich trägt der LKW-Verkehr nur rund 30 Prozent der von ihm verursachten Kosten. Die Bahn dagegen muss ihre Kosten komplett selbst tragen. Somit hat der Straßentransport einen erheblichen Vorteil gegenüber dem Gütertransport mit der Bahn.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


Sie fragen sich nun, was ist die Lösung des Problems. Eine wesentliche Entlastung der Straßen und Autobahnen bringt es, wenn Waren aus der Region das Angebot der Märkte dominieren. Das trifft besonders auf landwirtschaftliche Produkte zu. Die Schuld an dem ständig wachsenden Verkehraufkommen insgesamt ist das Ergebnis einer verfehlten Wirtschaftspolitik im Kapitalismus.
Und dies aus dem Grunde, weil sie fast ausschließlich profitorientiert sind.

»Fakt ist, dass in den vergangenen Jahren der PKW-, Bus- und LKW-Verkehr ständig zugenommen hat. Deshalb möchte ich zu bedenken geben: Warum müssen die Trans- porte überhaupt über so enorm zeitaufwendige und weite Transportwege vorgenommen werden?

Meiner Einschätzung nach liegen die Produktionsstätten viel zu weit auseinander. „Immer größer und billiger” kann also nur zulasten der Transportwege und der mit dem Transport betrauten Personen und Fahrzeuge bewältigt werden. Lebendviehtransporte über weite Strecken dürfte es aus rein tierschutzrechtlichen Gründen nicht geben. Wäre es nicht sinnvoller, kleinere Produktionsstätten zu betreiben?

Dadurch wäre es möglich, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Den Städten und Gemeinden fehlen immer mehr gewinnbringende Betriebe. Die soziale Bindung in kleineren Ortschaf- ten verliert immer mehr an Bedeutung. Kann das unsere gewollte Zukunft für uns und unsere Kinder sein?« [5]

Es wird auch am Beifahrer gespart. Diese Einsparung geht ebenso zu Lasten der Ver- kehrssicherheit wie auch die oft zu knapp bemessenen Fahrzeiten der LKWs. Wie mit diesen Problemen umgegangen wird, charakterisiert das aktuelle gesellschaftliche System. Und eine umweltverträgliche und sinnvolle Wirtschaft ist mit dieser (und mit jeder anderen) Form vom Profitwirtschaft nicht zu machen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

selbst die Maut ist nicht das Ziel aller Wünsche. Im Staatssäckel mögen zwar die Euros klingen. Ansonsten haben die Menschen in den Städten und Dörfern darunter zu leiden. Die Fernfahrer suchen sich Schleichwege abseits von Maut und Autobahn.

Total wehrlos sind wir als Bürger nicht. Einmal können wir uns den Initiativen, die für eine menschengerechte Verkehrpolitik kämpfen, anschließen. Aber auch mit unserem Kaufverhalten können wir Einfluss nehmen. Eine wachsende Anzahl von Kunden greift zu Produkten aus der Region. Besonders nutzen sie auch die Angebote der Bauern- und Biohöfe.

Das hat noch einen zusätzlichen Vorteil, denn wer aus der Region z. B. Nahrungsmittel kauft, kann meist selbst Einfluss auf die Qualität nehmen, die in seine Küche und auf den Tisch kommt.

QUELLEN:
[1] Güterverkehr gehört auf die Schiene, Leser Bernhard F., in der Braunschweiger Zeitung vom 2010-2012
[2] Umweltschäden durch Verkehr- wer bezahlt?/ Kostenverteilung nach dem Verursacherprinzip/Lösung vor allem beim Güterverkehr nötig
Von Dr. Martin Mühleisen. In: Neues Deutschland vom 31. Juli 1995
[3] Die Straßenmonster kommen, Von Kay Wagner, Brüssel. In: Neues Deutschland vom 04. Juni 2010
[4] Moritz Leuenberger (Schweizer Verkehrsminister), UMWELT 1/2001[5], zur
Problematik der fehlenden Kostenwahrheit im Schwerverkehr und mit Verweis auf die korrigierende LSVA.
Aus: Verursachungsgerechtigkeit aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
[5] Leser K. W. in der Braunschweiger Zeitung vom 20. Oktober 2012

Ich wünsche uns allen ein sehr kritisches und nachdenkliches Wochenende.
Mit menschlichen Grüßen
Kurt Wolfgang Ringel


VON: KURT WOLFGANG RINGEL






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