Fischers Fritz isst keine Fischstäbchen mehr

28.01.23
UmweltUmwelt, Wirtschaft, TopNews 

 

Von WWF

WWF-Fischstäbchen-Ökobilanz zeigt: Pflanzen sind die besseren Fische

Zumindest bei Fischstäbchen: Eine Studie des WWF untersucht die Ökobilanz von zehn Fischstäbchenprodukten und sieben pflanzlichen Alternativen. Fischstäbchen werden hauptsächlich aus Alaska-Seelachs oder vereinzelt Kabeljau hergestellt, pflanzliche hingegen aus Soja und Weizen. Die Resultate sind eindeutig: Die Umweltbelastung von Fischstäbchen übersteigt die der pflanzlichen Alternativen um den Faktor 3,6. Auch wenn Nährwerte berücksichtigt werden, schneiden pflanzliche Stäbchen besser ab.

Fisch und Meeresfrüchte gelten als klimafreundlichere, gesündere Alternative zu Fleisch. Doch die weltweit steigende Nachfrage hat Folgen: In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der überfischten Bestände weltweit von 10 auf 35 Prozent mehr als verdreifacht. Überfischung ist die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt im Meer. „In Deutschland haben wir genügend andere Proteinquellen und sollten weniger Fische und Meeresfrüchte konsumieren. Wir treffen für den Planeten die bessere Wahl, wenn wir uns für pflanzlichen Stäbchen statt für Fischstäbchen entscheiden“, sagt Mark Heuer, WWF-Referent für nachhaltige Fischwirtschaft.

In der Lebenszyklusanalyse wurden alle Prozesse von der Gewinnung der Rohstoffe bis zum Handel berücksichtigt. Dabei wurden Umweltfaktoren wie Wasserressourcen, Energieressourcen, Landnutzung, globale Erwärmung, Luftemissionen, Wasserschadstoffe, Emissionen im Boden oder biotische Ressourcen einbezogen. Fischstäbchen schneiden durchschnittlich schlechter ab als die pflanzlichen Alternativen.

Die Umweltbelastung von Fischstäbchen tierischer Herkunft pro 100 Gramm übersteigt die der pflanzlichen Variante um den Faktor 3,6. Die größten Umweltauswirkungen bei der Fischstäbchenproduktion werden durch Treibhausgasemissionen, die die Erderhitzung weiter treiben, sowie andere Luftemissionen verursacht, gefolgt von Überfischung. Die Emissionen stammen aus Fischereiaktivitäten, einschließlich der Dieselverbrennung der Fischerei-Flotten. Auch pflanzliche Lebensmittel verursachen Umweltbelastungen. Bei den fischfreien Stäbchen sorgen Anbau und Verarbeitung der Pflanzen für Treibhausgase und treiben somit die Erderhitzung. Ebenfalls wirkt sich die Landnutzung an sich negativ aus. Bei konventionellen Produkten (nicht Bio) kommen dazu Wasserverschmutzung durch Düngung und Pestizideinsatz.

In der Ökobilanz wurde auch der Nährwert berücksichtigt. Oft wird versucht, pflanzliche Alternativen mit angeblich schlechteren Nährwerten abzuwerten. Doch die NRF9.3-Werte («Nutrient-rich food») von Fischstäbchen und von ihren pflanzlichen Alternativen sind praktisch gleich. Berücksichtigt man den Unterschied, ist die Umweltbelastung durch tierische Stäbchen immer noch 3,4-mal höher als die durch pflanzliche. Fisch wird oft als wertvolle Quelle von Omega-3-Fettsäuren angepriesen. Da Fischstäbchen aus magerem Fisch bestehen, sind sie jedoch kaum eine ausreichende Quelle für diese Fettsäuren.
Die Analyse untersucht Schweizer Produkte, die Ergebnisse lassen sich jedoch auf Deutschland übertragen, da in beiden Ländern nahezu identische Produkte angeboten werden. Von den untersuchten Schweizer Fischstäbchen sind dazu vier der zehn Erzeugnisse in Deutschland hergestellt, von weiteren vier ist das Produktionsland unbekannt.

In Deutschland wurden 2021 durchschnittlich 12,7 kg Fisch und Meeresfrüchte pro Kopf konsumiert. Nach Lachs ist Alaska-Seelachs der zweitbeliebteste Fisch hierzulande. Weltweit ist er der zweitmeist gefangene Fisch. Fischstäbchen wurden ursprünglich in den USA in den 50er Jahren zur Aufwertung des Fangüberschusses von Kabeljau erfunden. Doch die Bestände gingen in vielen Meeresgebieten drastisch zurück, sodass heute vor allem Alaska-Seelachs verarbeitet wird. Durchschnittlich verzehrt jeder Deutsche 27 Stück Fischstäbchen pro Jahr.

Die Studie zeigt: Fischstäbchen schneiden in nahezu allen Kategorien deutlich schlechter ab als die pflanzlichen Alternativen und sind um ein Mehrfaches schädlicher für die Umwelt.







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