HOCHWASSER-NACHLESE

13.07.13
UmweltUmwelt, Soziales, TopNews 

 

von Kurt Wolfgang Ringel

Das freigeistige Wort zum Sonntag, den 14.07.2013

Leserbriefe zu den Hochwasser-Katastrophen 2002 und 2013

»Unglaubliche Wassermassen überfluten im Osten und Süden die Republik. Man reibt sich die Augen und denkt, das kann doch nicht wahr sein. Irgendwo im fernen Asien ja, aber doch nicht bei uns. Doch bei uns! Mitten in der Welt der westlichen Hochtechnologie, ergießt sich eine Sintflut über unsere Städte, über unsere Häuser und unsere Gärten, unsere Autos. Die Natur sagt uns, nichts ist sicher, nicht einmal deine nackte Existenz. Würde es noch eines Beweises bedürfen. Diese Bilder, heute aufgenommen bei einem Hub- schrauberflug über Bayern, liefern ihn.« [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Bestimmt hat der Moderator dies ironisch gemeint. Trotzdem, es ist eine Portion Kritik über die Arroganz  der Landsleute nicht zu überhören.

Deutlich ist der Spießbürger aus Goethes Faust zu vernehmen:

»Nichts Besser's weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker auf einander schlagen.«
[2]

Aber wie wir schon oben gelesen haben, das mit weit hinten in der Türkei zieht nicht mehr. Spießbürger allerdings gibt es noch immer. Sie sind eine nimmer aussterben- de Spezis.

Die Debatte um das Klima und den Einfluss des menschlichen Handelns auf die gegen- wärtige Situation und die zunehmende Anzahl von Katastrophen ist sehr breit gefächert. Sicher ist sehr schwer zu trennen, was dabei natürliche Schwankungen sind, und welches dem menschlichen Einfluss zuzuschreiben sind. Aber alle Bürger, die jeden Einfluss des Menschen auf die Natur leugnen, machen es sich zu leicht und zu bequem. Noch schlimmer sind all jene, die allein der Natur die Schuld an Katastrophen und Unwettern geben. Beide Varianten sind falsch. Der Mensch ist Bestandteil der Natur und hat somit auch einen Einfluss auf die Systeme der Natur. Schwierig ist es allerdings, über Art und Umfang der Beeinflussung zu urteilen. 

Im folgendem wollen wir ein paar Leserbriefschreiber zu Wort kommen lassen. Damit soll gezeigt werden wie sich die medialen Bilder von 2002 und 2013 gleichen. Und manches Unheil wäre abgemindert worden, wenn die Politiker ihre Versprechen von 2002 in vollem Umfang eingehalten hätten!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

sehen wir uns ein paar Leserbriefe zu dem Thema Hochwasser an. Wie uns noch bekannt, fand bereits 2022 ein ähnliches Hochwasser statt. Und wer genau hinsieht, bemerkt, wie sich Bilder, Reden und Videos von 2002 und 2013 gleichen:

»Nach der Flut handeln - Zu „Elbe-Flut - Immer noch Wassermassen", Ausgabe vom 24. April:

Nicht gerade mit glücklicher Hand haben die Gremien in dieser Katastrophe reagiert. Es war ja nicht das erste Mal, dass das Wasser kam.Es ist Zeit daran zu erinnern: Wer das Morgen gestalten will, sollte das gestern kennen. Es wäre zu wünschen, dass jetzt endlich zum Wohle der Menschen gehandelt wird, denn das nächste Hochwasser droht mit Sicherheit bald wieder. Auf Wunder kann man in diesem Fall nicht warten.« [3]

»Einmal die Monatsdiäten - Zu den Spendenaktionen nach der Flutkatastrophe:

Wir! Dieses Wort sagt alles: Solidarität, Stärke und Gemeinschaftssinn, einer für alle, alle für einen! Menschen, welche diese Worte zu ihrer Lebensgrundlage gemacht haben, sollten auch danach handeln. Denn sie wollen Vorbilder sein. Dies bewährt sich in der Notzeit, da kann man sich bewähren und sich beweisen. Die Gelegenheit dazu ist gegeben, auch für unsere Volksvertreter, ob in Rat, Kreis, Land oder Bund: jeder gibt einmal die Monatsdiäten, und vielen ist geholfen. Denn die Sorgen fangen erst an, die Arbeit, das Aufräumen und die Wiederherstellung der zerstörten Häuser, Straßen, Brücken und Dämme. Wenn jeder Vertreter hier Solidarität übt, tut er viel für sein Ansehen und für die notleidenden Menschen. .« [4]

»Erbärmlicher Eindruck - Zum Thema "Flutkatastrophe“:

Alle Kanzler und Minister - egal welcher Partei sie angehören - haben einen Eid geleistet, nämlich den Nutzen des Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. Es ist mehr als peinlich, wenn mancher Politiker angesichts dieser Tragödie geradezu die Nähe der Fernsehkamera sucht, um sich im Wahlkampf profilieren zu wollen. Für Selbstverständlichkeiten, nämlich zu handeln und Not zu lindern, sich als Messias feiern zu lassen, hinterlässt einen erbärmlichen Eindruck. .« [5]

»Maßlose Überschätzung - Zum Kommentar "Die Natur ist schuld" (19. August):

Für mich ein sehr interessanter Kommentar, frei von jeder parteipolitischen Ideologie. Politiker, die die Ansicht vertreten, die Natur beherrschen,  gängeln und sogar korrigieren zu können, überschätzen sich maßlos. Es ist schon brutal, wenn einige Politiker labile Menschen mit ihrer panikmachenden Politik in Angst und Schrecken versetzen. « [6]

»Was tun, bevor die nächste Flut kommt, schreibt Christian Schöne aus Zeithain: Unverständliche Groteske

Wenn vor über 200 Jahren die Hochwasserwarnung recht gut funktionierte, ist die heutige Situation umso unverständlicher - im Zeitalter der Satelliten, Raketen, Wetterballons und lnfrarotkameras zur Überwachung x-facher Vorgänge in der Natur und anderswo. Wann die nächste Hochwasserflut kommt, weiß keiner zu prognostizieren. Ohne Aufbau hochleistungsfähiger Frühwarnsysteme ist heute kein für den Menschen wirksamer Hochwasserschutz denkbar, geschweige seine Wirksamkeit. Zurzeit ist die bundesweite Katastrophenwarnung Bundessache, solange zum Beispiel der Regen in der Luft ist. Ist der Regen auf dem Boden, sind die 16 Bundesländer zuständig, welch eine Groteske und unverständlich. Was nützt der Föderalismus, wenn er in Not- und Krisenzeiten versagt?« [7]

»Nur die Ewig-Gestrigen - Zum Thema Flutkatastrophe:

Was ist der Unterschied zwischen Flugzeugkollisionen oder Bahnunglücken und der Hochwasserkatastrophe? Die Berichterstattung und die Bezeichnung. Bei ersteren werden sofort, Experten und Wissenschaftler nach den Ursachen befragt, schöne Grafiken erstellt, wir Bürger "aufgeklärt" und die Schuldigen bestraft. Der natürliche Vorgang "Überschwemmung" wird als "Katastrophe" bezeichnet, und es folgt keine Frage, warum die Auswirkungen so katastrophal sind.

Denn möglicherweise müssten wir uns ja ändern und unser System in Frage stellen: Kein Mineralwasser aus Frankreich, kein Joghurt aus Bayern, mit der RegioStadtBahn statt mit dem Auto in die Innenstadt, keine "Hosenträger-Autobahn", keine Flugreisen . . ., womöglich gar noch zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Das machen doch nur die Ewig-Gestrigen.

Wir wollen uns aber nicht ändern und wir werden auch nichts ändern, weil wir nicht mehr verzichten können (nicht wollen). Noch sind unsere Region und unsere Innenstadt relativ glimpflich davongekommen noch. Die nächste so genannte "Naturkatastrophe" wird kommen, in Dresden, Frankfurt oder München. Und dann werden wieder Leserbriefe mit dem Satz enden, "ich verstehe es einfach nicht"..« [8]

 »Mineralwasser aus Frankreich? - Zum Thema "Flutkatastrophe“:

Keinem Menschen ist so etwas zu wünschen, nirgends auf der Welt. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle, manche mehr, manche weniger, daran eine Mitschuld tragen. Nach Berechnungen der Münchner Rückversicherung haben die Naturkatastrophen seit den 50er Jahren um 450 Prozent (!) zugenommen. Ist das Zufall? Wohl kaum, es sei denn, die Klimaforscher irren sich komplett.

Warum kommt die Einsicht bei den Menschen oft erst, wenn es zu spät ist? Ist es wirklich nötig, mit dem Auto zum Briefkasten zu fahren? Ist es wirklich nötig, in der Heizperiode das Fenster zu Hause oder am Arbeitsplatz stundenlang gekippt stehen zu lassen? Muss man Butter aus Irland oder Mineralwasser aus Frankreich haben? Muss man in öffentlichen Toiletten drei oder vier Papierhandtücher zum Abtrocknen benutzen? Auch für deren Produktion ist bekanntlich Energie nötig.

Ist es nicht absurd, für eine Partynacht nach Mallorca oder für drei Tage nach Rom zu fliegen? Oder zum Shoppen über das Wochenende nach New York?

Und überhaupt, warum sehe ich so wenig 3-Liter-Autos auf den Straßen? Ich verstehe es einfach nicht. « [9]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

abschließend noch ein paar Gedanken zu den Leserbriefen über das Hochwasser:    Dichtung und Wahrheit lese ich in den Leserbriefen über das Hochwasser. Es ist auch gewagt, es als Jahrhundert-Hochwasser zu bezeichnen, besonders wenn das Jahrhundert noch nicht zwei Jahre alt ist.

Der selbstverständlichen Soforthilfe für die betroffenen Bürger und der notwendigen Schadensbeseitigung muss eine gründliche Analyse erfolgen. Ziel muss es sein, die Ursachen zu finden, die zu den extrem schlimmen Verwüstungen und Zerstörungen geführt haben. Wichtig ist auch, in Erfahrung zu bringen, ob sich eine solche Katastrophe in solchem bzw. in größerem Maße wiederholen kann. Und die Natur hat dem Menschen wieder einmal gezeigt, wer die Herrin der Welt ist. Und wer der Knecht. Der Mensch kann nur erfolgreich leben, wenn er sich gut mit der Herrin , sich gut mit der Natur stellt.

Manche Menschen belügen sich, wenn sie den Einfluss der Kultur auf die Natur leugnen. Aber er ist vohanden. Und auch das Hochwasser hat eine natürliche und eine kulturelle Komponente. Letztere beinhaltet z. B. das Entwalden von Gebirgen, die Kanalisation von Flussläufen, die Bebauung von Überflutungsflächen, die Versiegelung von Bodenflächen, und dem menschlichen Beitrag zur Erwärmung der Atmosphäre und zum Ozonloch. Die alles sind Beispiele von Negativkultur. Der Mensch muss wissen, was er und wie er sich verändern muss, um solche negativen Folgen zu verhindern bzw. um sie abschwächen zu können.

Nur wenn der Mensch mit der Natur und nicht gegen sie lebt, werden nicht solche Mengen an Tränen der  Heimat zu trocknen sein! «

Hochwasserschutz ist möglich. Darüber ist in Freigeistigen Wort 24 (Hochwasser) nachzulesen. Aber es lässt sich nicht jede Störung durch Gegenmaßnahmen aussteuern. Deshalb sind vorbeugende Maßnahmen erforderlich, um maximal möglichen Schutz zu erreichen/gewährleisten. Für erforderlich halte ich die Einrichtung von Flussmeistereien, die für die Bewirtschaftung ebenso verantwortlich in ihrem Bereich sind, wie auch für einen effektiven Hochwasserschutz. Hochwassergefährdungsgrade (Stufen) sind auszuweisen, analog zu den Waldbrandstufen. Daran sind für alle Personen verbindliche Maßnahmen/ zu stellende Forderungen geknüpft. Das betrifft bestehende Bebauungen in den Bereichen sowie zu errichtende Neubauten. Die Vorschriften sind ausnahmslos bindend!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

abschließend können wir feststellen, es gibt keine Politikmüdigkeit, es gibt kein Desinteresse der Bürger, wenn es um die eigenen Probleme geht. Und um die Sorgen ihrer Mitmenschen. Es beschäftigt sich eine größere Anzahl von Menschen mit den Zeitproblemen, als die Politiker annehmen. Aber was viele Bürger kalt lässt, dass sind alle die Dinge, die ohne Einfluss auf unsere Gesellschaft sind. Dazu zählen leider auch die von Staat und Regierungen inszenierten Wahlen.   

Nach der Flut kommt die Stunde der Wahrheit für Politiker, für die Wirtschaft und für den Staat. Also für alle, die während der Wasserkatastrophe Versprechungen gemacht haben. 

Die versprochenen Schutzeinrichtungen sind zu bauen, und zwar ohne jede Zeitverzögerung. Denn das nächste Hochwasser wartet nicht, bis der Mensch sich endlich dazu bequemt, die erforderlichen Maßnahmen zu beginnen und zu vollenden.

QUELLEN:

[1] Moderator Sigmund Gottlieb im ARD-Brennpunkt vom 03. Juni 2013 um 20.15 Uhr
[2] Goethe: Faust; Teil I / Vor dem Tore
[3] Albert Stübig, Wolfenbüttel, Braunschweiger Zeitung vom 10. Mai 2006 - Der Genosse Albert Stübig (Jahrgang 1918) ist einer der ältesten Mitglieder im DFV-Landesverband Niedersachsen
[4] Albert Stübig, Wolfenbüttel, in der Braunschweiger Zeitung vom 11. September 2002
[5] Gerhard Jaeschke, Wolfsburg, in der Braunschweiger Zeitung vom 26. August 2002
[6] Friedrich Schimke, Braunschweig, in der Braunschweiger Zeitung vom 26. August 2002
[7] Sächsische Zeitung vom 13. Dezember 2002
[8] Roland Sellin, Braunschweig, in der Braunschweiger Zeitung vom 26. August 2002
[9] Anja Reupke, Schwülper, in der Braunschweiger Zeitung vom 17. August 2002
[X] Abschluss des WzS erfolgt unter Verwendung eines eigenen Leserbriefes vom 23. August 2002

Ich wünsche uns allen ein sehr kritisches und nachdenkliches Wochenende. Bleiben Sie trotz allem sachlich, kritisch und optimistisch.

Mit menschlichen Grüßen
Kurt Wolfgang Ringel


VON: KURT WOLFGANG RINGEL






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