Gefährdet das TTIP (transatlantisches Freihandelsabkommen) die Demokratie?

16.06.14
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Internationales, Debatte, TopNews 

 

von Franz Witsch

Liebe FreundInnen des politischen Engage- ments,

ich möchte den interessierten LeserInnen ein paar Texte (Links) zur Kenntnis geben, die über das TTIP informieren. Im Zusammenhang damit ist das Gespräch interessant, das Ken Jebsen mit Dr. Werner Rügemer geführt hat.

Überschriften und Links der Texte und dem Interview lauten:

(1) Protestinstrument gegen Sonderrechte für Konzerne und die Abkommen TTIP und CETA, KN vom 05-06.2014
www.kritisches-netzwerk.de/forum/protestinstrument-gegen-sonderrechte-fuer-konzerne-und-die-abkommen-ttip-und-ceta

(2) Neue Onlineaktion: Deine Antwort auf TTIP. Unsere Meinung ist nicht gefragt - Wir sagen sie trotzdem!
www.umweltinstitut.org/mitmach-aktionen/deine-antwort-auf-ttip.html

(3) KenFM (Ken Jebsen) im Gespräch mit: Dr. Werner Rügemer (vom 13. Juni 2014)
www.youtube.com/watch?v=j26VAXldiTw#t=1701

Weitere Infos über Ken Jebsen:
http://de.wikipedia.org/wiki/KenFM

Ich weiß zu schätzen, dass engagierte Bürger gegen wachsende Gewalt innerhalb unserer Gesellschaft protestieren. Allein ihr Engagement suggeriert im Umkehrschluss regelmäßig, dass wir in einer Demokratie leben, wenn es nur die Auswüchse (Lobbyis- mus) nicht gebe. Doch was heißt das? Etwa dass wir in der besten aller möglichen Welten leben würden?, wenn es nur jene Auswüchse nicht gebe? Die man deshalb anprangern müsse?

Ich würde dem gegenüber sagen. Anprangern ist wichtig, reicht aber offensichtlich nicht. Das politische Engagement interessiert sich bislang leider nur für die Beschreibung von menschenverachtenden Symptomen. Von einer Diagnose, das heißt von substanz- ieller Ursachenforschung, die erst eine sozial-ökonomische Theorie hervorbringen würde, kann keine Rede sein. Es mag einem noch so schlecht gehen - eines möchte man sich nicht vermiesen lassen; dass wir eigentlich in der besten aller möglichen Welten leben würden, wenn man den mächtigen bösen Lobbyisten endlich das Handwerk legen würde und es andere Auswüchse mehr nicht gebe.

Damit möchte ich z.B. den menschenverachtenden Lobbyismus keineswegs kleinreden. Das TTIP ist ein gemeingefährliches Abkommen - aber eben nur Symptom. Im Grunde wird nur gejammert; an einer Stelle des Gesprächs mit Dr. Rügemer z.B. darüber, dass früher alles besser gewesen sei: die Leitmedien hätte früher mehr über Auswüchse be- richtet, so dass Bücher, die sich mit jenen Auswüchsen beschäftigt hätten, viel mehr gekauft wurden.

War früher tatsächlich alles besser?, weil Menschen, zugegeben, tatsächlich mehr gele- sen haben? Und wenn ja, wieso hat es nichts gebracht? Das heißt, wieso ist es mit unserer Gesellschaft heute schlechter bestellt als je zuvor? Ist da vielleicht Verschwör- ung am Werk? 

Dummes Zeug. Auch das, was Dr. Rügemer über den Kapitalismus (Stichwort: Abraham Lincoln) sagt. Ich würde eher sagen: auch früher wurden einfach nur Symptome be- schrieben, um nicht zu sagen: gejammert, während man sich immer schon viel zu wenig um eine Theorie gesellschaftlicher Verhältnisse, die ihren Namen verdient, gekümmert hat. 

Heute reagiert man allerdings uninformierter, v.a. aber aggressiver auf theoretische Bemühungen. Ich merke das nicht zuletzt an besinnungslosen aggressiven Reaktionen (insbesondere von Linken) auf Bücher und Texte von mir. O-Ton u.a.: wer soll das alles lesen, alles viel zu kompliziert, sagen Stimmen selbst aus dem:
www.kritischen-Netzwerk.de

Früher war man toleranter, interessierter, unbekümmerter und eben zugänglicher auch für kompliziertere Fragen, z.B. für Bücher von Habermas, Adorno, etc., unabhängig davon, was man heute von ihnen zu halten hat. Früher, als ich Student war, hat es um die Universität Hamburg herum unzählige Bücherläden gegeben; heute existiert faktisch nur noch die öde Heinrich-Heine-Buchhandlung. Die Folge: Verblödung und Anpassung - schichtübergreifend.

Herzliche Grüße
Franz Witsch

www.film-und-politik.de


VON: FRANZ WITSCH






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