Die Pestizidlüge

24.02.18
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André Leu: Die Pestizidlüge. Wie die Industrie die Gesundheit unserer Kinder aufs Spiel setzt, oekom Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-962-38013-7, 20 EURO (D)

Rezension von Michael Lausberg

In diesem Buch widerlegt der Agrarexperte André Leu mit wissenschaftlich nachweisbaren Belegen, Mythen und Lügen der Agrar- und Chemieindustrie sowie von Politikern in Bezug auf Pestizidwirkstoffe auf Menschen und Tiere und schlägt Wege zu einer pestizidfreien Landwirtschaft vor.

Weltweit werden Pestizidwirkstoffe in rund 5.000 unterschiedlichen Spritzmitteln verwendet. Diese große Vielfalt von Schadstoffen kann, je nach Wirkungsweise, jede unserer elementaren Körperfunktionen gefährden. Wechselwirkungen der Gifte untereinander und deren Abbauprodukte sind bislang kaum untersucht und stellen ein weiteres Risiko dar. Viele Toxikologen halten daher die existierenden Grenzwerte für nicht ausreichend. Doch selbst diese Limits werden heute in vielen Lebensmitteln überschritten. Pestizide sind eine der häufigsten Ursachen für akute und schleichende Vergiftungen und sollen sogar für Krebserkrankungen verantwortlich sein.

Besonders gefährlich für Verbraucher sind die langsamen und zeitversetzten Wirkungen von Pestiziden: Sie können die Zellteilung stören, das Entstehen von Krebs begünstigen, das Erbgut verändern, das Immunsystem beeinträchtigen, Allergien auslösen. Ein weiteres Problem entsteht aus hormonell wirksamen und schwer abbaubaren Chemikalien (Dauergifte), die mittlerweile überall in der Umwelt zu finden sind. Leu spricht von systematischer Leugnung der Gefahr von Pestiziden: So orientieren sich etwa die Richtwerte, ab wann Pestizide schädlich (und damit verboten) sind, stets nach einem gesunden Erwachsenen. Dass Kinder, bei diesen Werten bereits massiv gefährdet sind, wird verschwiegen.

Seine Vorschläge zu einer pestizidfreien Entwicklung umfasst den Bereich Schädlingsbekämpfung und Ernährung: „Der Großteil der Belastung entsteht für die meisten Menschen durch Lebensmittel, gefolgt von Pestiziden, die im Haus etwa als Insektenspray, und im Garten eingesetzt werden. Ebenso wenig benötigt man Pestizide für die Bekämpfung von Schädlingen oder Unkraut im Garten – auch dazu gibt es informative Ratgeber. Beim Essen können Verbraucher diese Gifte weitgehend meiden, wenn sie biologisch angebaute Lebensmittel essen, die durch unabhängige Kontrollstellen, Partizipative Garantiesysteme (PGS), Solidarische Landwirtschaft oder Bauernmärkte zertifiziert sind.“ (S. 221)

Der Autor schafft es, mit den Mythen und falsch gestreuten Informationen um Pestizide aufzuräumen und sie zu widerlegen. Dass eine pestizidfreie ökologische Landwirtschaft ohne Gesundheitsbeeinträchtigungen für die Bevölkerung geben kann, wenn man nur will, wird hier deutlich illustriert.







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