Kein Greenwashing von Erdgas und Atomkraft, Monsieur Macron!

19.01.22
UmweltUmwelt, Frankreich, Bewegungen, TopNews 

 

Von .ausgestrahlt

Deutsche und französische Anti-Atom- und Klimagerechtigkeitsorganisationen protestieren in Straßburg gegen die Aufnahme von fossilem Gas und Atomkraft in die EU-Taxonomie – bildgewaltige Aktion kritisiert Greenwashing – Anlass ist Macrons Besuch im Europäischen Parlament

Ein Bild aus einem dystopischen Untergangsszenario: grüner Nebel, Atommüll- und Gasfässer, Menschen in Schutzanzügen und Gasmasken und jede Menge grüne Farbe.
Mit einer symbolischen Aktion protestieren die französischen und deutschen Anti-Atom- und Klimagerechtigkeitsorganisationen .ausgestrahlt, Réseau „Sortir du nucléaire“ , KoalaKollektiv, BUND Baden-Württemberg und Südlicher Oberrhein, Comité pour la Sauvegarde de Fessenheim et de la plaine du Rhin (CSFR), Stop Transports – Halte au Nucléaire, Stop Fessenheim und Mahnwache Breisach auf der Place Kléber im Zentrum von Straßburg gegen den Plan der Europäischen Union, gefährliche Atomkraft und klimaschädliches Erdgas als „grün und nachhaltig“ einzustufen. Der Protest richtet sich insbesondere gegen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der zeitgleich seine Pläne für den französischen Ratsvorsitz im Europäischen Parlament vorstellt.

Julian Bothe von der bundesweiten Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt erklärt: „Mit der Aufnahme in die Taxonomie privilegiert die EU die Untergangstechnologie Atomkraft ein weiteres Mal. Damit betreibt die EU-Kommission Greenwashing im großen Stil und zerstört die Glaubwürdigkeit der Taxonomie. Der Green Deal wird aufs Spiel gesetzt, nur um die längst gescheiterte, gefährliche und teure Atomtechnologie weiter zu erhalten. Jeder Euro, der aufgrund dieser Einstufung in Atomkraft fließt, fehlt für echte Nachhaltigkeit und wirksamen Klimaschutz.“

Charlotte Mijeon vom französischen Anti-Atom-Netzwerk  Réseau „Sortir du nucléaire“ ergänzt: „Frankreichs Pro-Atom-Diplomatie beschämt uns. Frankreichs Atom-Kurs ist eine Sackgasse, der französische AKW-Betreiber EDF und die Atomindustrie sind hoffnungslos überschuldet. Umso häufiger die maroden französischen Atomkraftwerke ausfallen und je länger sich der AKW-Neubau in Flamanville verzögert, umso fester klammert sich Präsident Macron an die grüne Finanzspritze. Im Gegensatz zu Macron ist die französische Bevölkerung aber nicht in Atomkraft verliebt. Im Gegenteil: Diese gefährliche und umweltschädliche Technologie wurde und wird uns von der Politik aufgezwungen.“

Hannah Fischer, Aktivistin bei der Klimagerechtigkeitsgruppe KoalaKollektiv, fährt fort: „Wieder einmal wird atomarem und fossilem Lobbyismus nachgegeben. Klimaschädliches Erdgas und gefährliche Atomenergie als ‚nachhaltig‘ zu labeln, ist ein Schlag ins Gesicht der jüngeren Generationen, die mit den unberechenbaren Folgen von Klimakrise und radioaktiver Strahlung leben müssen. Die EU-Kommission stellt damit kurzfristige wirtschaftliche und politische Interessen über den Schutz unserer Lebensgrundlagen.“

„Die Klassifizierung von Erdgas als nachhaltig ist mehr als absurd“, ergänzt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg. „Erdgas ist ein fossiler Energieträger, dessen Förderung und Verbrennung die Klimakrise weiter anheizt. Auch wenn in Ausnahmefällen und für eine begrenzte Zeit neue Erdgaskraftwerke notwendig sein können, die Finanzmärkte müssen jetzt in die Erneuerbaren Energien und damit in wirklich nachhaltige Lösungen investieren.“

Die Aktion wurde organisiert von:
.ausgestrahlt,  Réseau „Sortir du nucléaire“,  KoalaKollektiv, dem BUND Baden-Württemberg, BUND Südlicher Oberrhein, dem Comité pour la Sauvegarde de Fessenheim et de la plaine du Rhin (CSFR), der Gruppe Stop Transports – Halte au Nucléaire,  der Vereinigung Stop Fessenheim und der Mahnwache Breisach.

Hintergrund: Macron ist treibende Kraft hinter den Plänen, Atomkraft entgegen wissenschaftlicher Empfehlungen in die Nachhaltigkeitstaxonomie aufzunehmen. Unter anderem Deutschland lobbyiert für weitreichende Kriterien in Bezug auf Erdgas. Zahlreiche Finanzinstitutionen kritisieren die Pläne (1,2,3). Die Einstufung der Atomkraft soll die überbordende Verschuldung des Staatskonzerns EDF überbrücken und damit Laufzeitverlängerungen und Neubauten von Atomkraftwerken ermöglichen. Verschiedene wissenschaftliche Studien zeigen, dass Atomkraft die Klimakrise verschlimmert, da die Investitions- und Instandhaltungskosten sowie Bauzeiten deutlich über denen für erneuerbare Energien liegen und weil bei Abbau und Transport von Uran Treibhausgase emittiert werden. Atommüll und Unfallrisiken stehen im deutlichen Gegensatz zum „Do No Harm“-Prinzip der EU-Taxonomie. Die Kapazitäten von fossilem Erdgas dürfen ebenfalls nicht weiter ausgebaut werden, um die Erderhitzung unter den kritischen 1,5 °C zu halten.







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