Negativ-Award für Dresdner Zoo


Bilder: Great Ape Project


29.01.17
UmweltUmwelt, Sachsen 

 

Von Great Ape Project

Das Internationale Great Ape Project verleiht dem Zoo Dresden für die Bedingungen, unter denen seit Jahren und Jahrzehnten Orang Utans gehalten und zur Schau gestellt werden, den Negativ-Award 2017

Schlimmste Orang Utan-Haltung in einem europäischen Zoo

Begründung:

Das Dresdner „Orang-Utan-Haus“, in dem derzeit sechs Tiere in zwei „Zuchtgruppen“ untergebracht sind, stammt aus dem Jahr 1985 und war ursprünglich nur als Übergangslösung gedacht. Auch wenn im Jahre 2005 Umbau- und Instandhaltungsmaßnahmen daran durchgeführt wurden, macht es nach wie vor den Eindruck eines notdürftigen Provisoriums. Die insgesamt vier Gehegeabteile - jeweils zwei sind für die jeweiligen "Zuchtgruppen" zusammengefasst - weisen eine Grundfläche von je etwa 25qm (=pro Gruppe 50qm) und eine Höhe von 4m auf, zur Besucherseite hin sind sie mit Panzerglasscheiben, zur Rückseite und Decke hin mit Eisengittern begrenzt; die Seiten- bzw. Trennwände sind mit Bambus bzw. Kunstfelsen kaschiert, der Boden besteht aus nacktem Beton.

Parallel zu den rückwärtigen Gittern verläuft ein Versorgungskorridor, der, vom Besuchergang aus teilweise einsehbar, die Gehege größer erscheinen läßt, als sie tatsächlich sind. Die bunkerartigen Abteile sind mit Dachluken versehen, über die sie etwas Tageslicht erhalten; zusätzlich werden sie mit Neonlicht erhellt. Fenster gibt es nicht. An Einrichtung finden sich die zooüblichen Klettergerüste aus Holz bzw. Edelstahl sowie ein paar an der Decke befestigte Seile. Sonstiges Spiel- oder Beschäftigungsmaterial gibt es nicht.

Der an den Gehegen entlangführende Besuchergang ist zur Erzeugung von „Urwaldatmosphäre“ mit Rindenmulch ausgelegt, zudem ist er mit Bambus verkleidet und mit ein paar künstlichen Feigenbäumen ausgestattet. Die Decke ist teilweise mit Schilfmatten abgehängt, was wohl irgendwie „indonesisch“ wirken soll; dem gleichen Zweck sollen offenbar Phototapeten mit Regenwaldbildern dienen, mit denen die Panzerglasscheiben der Gehege zur Besucherseite hin großflächig beklebt sind. All diese Deko-Bemühungen können indes den heruntergekommenen Zustand des Hauses nicht kaschieren.

Es versteht sich, dass die Unterbringung der Orang Utans im Dresdner Zoo den bundesministeriellen Vorgaben von 2014, über die die Haltungsbedingungen von Säugetieren in Zoos reglementiert werden, eklatant zuwiderläuft: für die beiden „Zuchtgruppen“ wäre gemäß dieser Vorgaben eine - in sich völlig ungenügende - Mindestgehegefläche von 2x160qm sowie eine Gehegehöhe von 6m erforderlich (tatsächlich hat jede "Zuchtgruppe" nur 50qm Fläche bei einer Gehegehöhe von 4m zur Verfügung) . Auch die vorgeschriebenen Sichtblenden bzw. Rückzugs- und Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht; ebensowenig die vorgeschriebenen Materialien zur "Lebensraumbereicherung" .

Der Dresdner Zoo, der sich rühmt, bereits seit 1873 Orang Utans zu halten und sich seither " zu einem Vorreiter zeitgemäßer, moderner Unterbringung und Pflege dieser Menschenaffen " entwickelt zu haben,  muß mit Blick auf die Orang Utans zu den europaweit übelsten Qualhaltungseinrichtungen gerechnet werden.

1995 wurde für die Orang Utans eine „Außenanlage“ erstellt, die es bis dahin nicht gab. Sie besteht aus zwei zusammenhängenden und insgesamt etwa 300qm umfassenden und mit 5m Höhe viel zu niedrigen Gitterkäfigen. Ausgestattet sind die Käfige mit Naturboden sowie den zooüblichen Totholzstämmen und Kletterseilen. Die beiden „Zuchtgruppen“ dürfen die Außenkäfige bei trockenem und warmem Wetter für jeweils ein paar Stunden pro Tag nutzen. Tatsächlich verbringen sie mehr als 90 Prozent ihrer Lebenszeit in den extrem beengten Innenbunkern.

Zu fordern wäre ein sofortiger "Zuchtstop" und mittelfristig eine komplette Auflösung der Orang Utan-Haltung im Dresdner Zoo.







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