OceanCare: Wir brauchen den „Umwelt-TÜV“ für die Hochsee!

14.08.22
UmweltUmwelt, Internationales, TopNews 

 

Von Ocean Care

Vom 15. bis 26. August wird an der UNO in New York über die Zukunft der Hochsee entschieden – und damit auch über die unseres Planeten. Nach Jahren der Verhandlungen, soll nun auf der Fünften und vorerst letzten Intergovernmental Conference on Marine Biodiversity of Areas Beyond National Jurisdiction (IGC5 - BBNJ) zum ersten Mal die Artenvielfalt auf hoher See unter internationalen verbindlichen Schutz gestellt werden. Bringt die Weltgemeinschaft den Hochsee-Vertrag über die Zielgerade, ist das ein Meilenstein. Das Ziel von OceanCare ist es, einen ökologischen Umgang mit internationalen Gewässern im Hochseeabkommen durch griffige Umweltverträglichkeitsprüfungen zu verankern. Im Zentrum der UNO-Verhandlungen: Die Erhaltung der Biodiversität. Und die Verteidigung des Multilateralismus gegen egoistische nationale Interessen. 

Hochsee im Interesse der gesamten Menschheit dringend schutzbedürftig

Die Hochsee bedeckt rund die Hälfte unseres Planeten und macht zwei Drittel des Ozeans aus. Doch nur etwa 1 Prozent davon sind geschützt. Das Seerechtsabkommen von 1980 regelt die Nutzung der Meere und ihrer Ressourcen, jedoch nicht die Erhaltung der Artenvielfalt in den Hochseegebieten. Das neue UNO-Abkommen, der sogenannte BBNJ-Vertrag, schafft die Grundlage dafür. 

„Die Hochsee ist derzeit ein überwiegend rechtsfreier Raum. Weder Verschmutzung, noch industrielle Befischung oder die Ausbeutung der Ressourcen sind angemessen geregelt. Die Klimakrise verstärkt diese existentiellen Belastungen der Ozeane. All das schadet der biologischen Vielfalt. Jetzt geht es darum, das Hochseeabkommen über die Zielgerade zu bringen und die Nutzung internationaler Gewässer klimabewusst zu regeln. Das ist unser Ziel“, sagt Fabienne McLellan, Geschäftsführerin der Meeresschutzorganisation OceanCare. Johannes Müller, OceanCare Policy Experte ergänzt: „Auf der Hochsee geht es in vielen Bereichen zu wie im wilden Westen. Aufgrund der unklaren und fehlenden Rechtslage wird sie seit Jahrzehnten massiv ausgebeutet. OceanCare tritt für international verbindliche Regeln ein, die die Biodiversität direkt und sofort wirksam erhalten können“.

Biodiversität erhalten: Meere sind unsere Verbündeten im Klimaschutz 

Die Erhaltung der biologischen Vielfalt in internationalen Gewässern ist nicht geregelt. Sie ist jedoch die Basis, damit die Meere ihre Aufgabe der Klimaregulierung überhaupt wahrnehmen können. „Die Meere sind unsere besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Ihre Funktion als Klimaregulierer können sie jedoch nur wahrnehmen, wenn sie gesund und resilient sind. Jede Meerestierart spielt in diesem fragilen ökologischen Gleichgewicht eine wichtige Rolle. Die Erhaltung der Biodiversität gehört deshalb ins Zentrum des Hochseeabkommens. Dafür müssen die Regierungen sorgen“, so McLellan.

„Umwelt-TÜV“: globales Management gegen den Trend, die Meere auszubeuten 

OceanCare macht sich seit Beginn der BBNJ-Verhandlungen stark für ein effektives Management grenzüberschreitender Formen der Verschmutzung. Unser Ziel sind weltweit verpflichtende und einheitliche Standards für die Hochsee: Vor Aufnahme von Aktivitäten, die der Umwelt schaden könnten, muss ihre Umweltverträglichkeit geprüft, gesichert und danach genehmigt werden. Dabei reicht es nicht aus, Aktivitäten nur dort zu bewerten und zu steuern, wo sie entstehen. Denn Verschmutzungen der Meere, die die Biodiversität bedrohen - wie Lärm, Plastik oder Chemie - belasten Gewässer nicht nur lokal, sondern weit über ihren Ursprungsort hinaus. „Für viele Staaten scheint ein mögliches Hochsee-Abkommen im Zeichen maximaler Ausbeutung mariner Ressourcen zu stehen. In deren Fokus stehen nationalistische, profitgetriebene Maximen mit Begehrlichkeiten auf Fischgründe oder Bodenschätze. Es braucht aber eine klare Abkehr von diesem Modell. Eine artenreiche, resiliente Hochsee ist im Interesse der gesamten Menschheit“, so McLellan. 

Unterwasserlärm – zerstörerische Gefahr für Biodiversität und das Ökosystem Meer 

Unterwasserlärm ist - neben Plastikmüll oder chemischer Verschmutzung - eins der besten und besorgniserregenden Beispiele für grenzüberscheitende Meeresverschmutzung. Vor allem der Schiffsverkehr und die Suche nach Öl- und Gasvorkommen führen zu flächendeckenden Lärmemissionen, die Meeresfauna und -flora irreversibel schaden können. Sie reichen von Taubheit und Verlagerung des Lebensraums über eingeschränkten Fortpflanzungsmöglichkeiten bis hin zum Tod. Bei der Öl- und Gassuche erzeugen sogenannte Airguns alle 10 bis 15 Sekunden wochen- oder monatelang explosionsartigen Lärm von bis zu 260 Dezibel unter Wasser. Der Schall seismischer Untersuchungen ist unter Wasser noch 4000 Kilometer entfernt hörbar. Dieser Lärm belastet fast alle Meeresbewohner, vom kleinsten Plankton bis zu den größten Meeressäugern. 

Unterwasserlärm: direkte Auswirkungen auf Biodiversität und unsere Nahrungssicherheit 

Lärm und Plankton. Ein Großteil der Biomasse in unseren Weltmeeren besteht aus Plankton, winzig kleinen im Wasser dahintreibenden Pflanzen und Tieren. Plankton ist die Grundlage allen Lebens im Meer und Nahrungsquelle für Fische, Robben, Wale über wirbellose Tiere wie Muscheln, Krebse und Garnelen bis hin zu Seevögeln. Ohne Plankton wären unsere Ozeane vermutlich leer. Es ist für die Gesundheit und Produktivität mariner Ökosysteme verantwortlich. Jedoch kann schon mikroskopisch kleines Zooplankton, insbesondere die Larven, durch Schüsse aus einer einzigen seismischen Airgun getötet werden. Wenn das Zooplankton stirbt, stirbt auch die Grundlage unseres marinen Ökosystems, was wiederum andere Arten bedroht, die vom Zooplankton abhängen. Das gefährdet das gesamte Ökosystem: Ohne Plankton kein Krill. Und ohne Krill letztlich keine Fische. Und das hat Auswirkungen auf die Nahrungssicherheit. Lärm und Fischvorkommen. Fische sind ein wichtiger Bestandteil des marinen Ökosystems, da sie sowohl als Beute wie auch als Nährstofflieferant für andere Organismen dienen. Unterwasserlärm stellt eine wachsende Bedrohung für Fischbestände und die Nachhaltigkeit der Fischerei dar. Er führt zu Missbildungen, langsamerem Wachstum und vertreibt Fische aus ihren Brut-und Futtergebieten. Fische reproduzieren sich langsamer.  Die Auswirkungen von Lärm auf Fische können sogar zu einem Rückgang der Fangraten führen und die weltweite Ernährungssicherheit gefährden. Lärm und Meeressäuger. Unterwasserlärm schadet selbst den größten Meeresstieren. Vor allem hindert er Wale und Delphine an der Echo-Ortung, die unerlässlich ist für ihre Orientierung und Nahrungssuche. Außerdem hat der Schall negative Auswirkungen auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit und vertreibt die Tiere aus ihren Lebensräumen. Wale tragen zu gesunden Ozeanen bei, indem sie die Produktion von Phytoplankton steigern, das etwa die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs erzeugt und etwa 40 % des gesamten CO2-Ausstoßes bindet. Gesunde Walbestände sind daher grundlegend für das Düngen der Meere und somit das Phytoplankton. Dies wirkt sich auf die Gesundheit unserer Ozeane aus - und damit auch auf ihre Fähigkeit, das Klima zu regulieren.

Ozeane sind globale Klimaregulierer 

Hochsee. Als hohe See bezeichnet man die Gebiete außerhalb nationaler Gewässer, also ab 200 Seemeilen vor den Küsten. An dieser Grenze beginnen die Internationalen Gewässer. Sie liegen außerhalb nationaler Gesetze und gehören keinem einzelnen Land, sondern allen gemeinsam. Meere sind die blaue Lunge unseres PlanetenOzeane regulieren nicht nur unser Klima, sie spielen im globalen Kohlenstoff-Kreislauf eine Hauptrolle. Ohne die Weltmeere könnten andere Ökosysteme nicht existieren.  Über die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, wird vom Leben im Meer produziert. Die Ozeane nehmen auch etwa ein Viertel des gesamten anthropogenen CO2 auf, entziehen es der Atmosphäre und verhindern so eine zusätzliche Erwärmung.  Gleichzeitig sind sie eine der größten Kohlenstoffsenken und absorbieren fast so viel Kohlenstoff wie alle Pflanzen an Land zusammen. Allein die Tiefsee absorbiert 1,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre und vergräbt jedes Jahr eine halbe Milliarde Tonnen Kohlenstoff am Meeresboden. Meeresschutz ist Klimaschutz. All diese vom Meer erbrachten Leistungen werden in der fortschreitenden Klimakrise immer wichtiger - und sind gleichzeitig immer stärker gefährdet. Um die (marine) biologische Vielfalt und widerstandsfähige Ökosysteme zu schützen, brauchen wir, wie der IPCC-Bericht von 2021 feststellt, "eine wirksame und gerechte Erhaltung von etwa 30 % bis 50 % der Land-, Süßwasser- und Meeresflächen der Erde, einschließlich der derzeit naturnahen Ökosysteme".

„Die Klima- und die Biodiversitätskrise ist in vollem Gange: Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wenn wir eine Chance haben wollen, das Schlimmste der Klimakrise abzuwenden, müssen wir den Ozean schützen. Wir brauchen ein Instrument, das sofort einsetzbar ist und direkt Wirkung zeigt. Der „Umwelt-TÜV“ mit einheitlichen und hohen Standards ist dieses Instrument “ so Fabienne McLellan. „Mit dem BBNJ-Vertrag verpflichten wir Regierungen, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Das schulden wir jenen, die bereits mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben und den Generationen, die nach uns kommen“.

„Die Verabschiedung eines Hochseevertrags wäre ein klarer Schritt in Richtung Multilateralismus und gegen nationale Einzelinteressen. Wir hoffen, die Regierungen wecken den Geist der Zusammenarbeit und ergreifen diese historische Chance, um der Welt zu zeigen, dass wir Großes erreichen können, wenn wir zusammenarbeiten“ sagt Johannes Müller abschließend.

 







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