Saarländer sollen Kuckuck suchen

02.04.08
UmweltUmwelt, Saarland, News 

 

Klimawandel macht auch dem Wappentier der Gerichtsvollzieher zu schaffen

Saarbrücken (sk) - Das saarländische Ministerium für Umwelt und das Zentrum für Biodokumentation im Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz beteiligen sich gemeinsam mit dem NABU Saarland und dem Ornithologischen Beobachterring Saar (OBS) an einer Aktion zur Erfassung der Kuckucke im Saarland: Alle saarländischen Naturfreunde sind aufgerufen, bei der Kuckuckskartierung 2008 mitzumachen.

Mit dem Kuckuck ist einer der bekanntesten Vögel Deutschlands zum Vogel des Jahres 2008 gekürt worden. Das bekannte Kinderlied „Kuckuck, kuckuck ruft`s aus dem Wald" kennen viele Saarländer aus ihrer Kinder- und Jugendzeit. Auch heute noch ist das beliebte Volkslied aus dem Liedrepertoire der Kindertageseinrichtungen und Grundschulen kaum wegzudenken. Auch viele andere Lieder, Redensarten, Reime, Verse und Synonyme beschäftigen sich mit dem Kuckuck. Ja sogar eine Uhr hat sich den Kuckuck zum Namensgeber gewählt. Leider ist der markante und namensgebende Ruf dieses Vogels in den vergangenen Jahrzehnten immer seltener zu hören ist. Mittlerweile steht der Kuckuck sogar auf der Roten Liste der bestandsbedrohten Brutvogelarten in Deutschland.

 

Den Ruf des Kuckuck kennen wir alle. Aber nicht alle wissen, wie der Kuckuck aussieht und die wenigsten Menschen haben schon einmal einen Kuckuck leibhaftig gesehen. Der Vogel ist etwa taubengroß, schlank wie ein kleiner Falke oder Sperber, mit denen er oft verwechselt wird. Die Männchen sind oberseits überwiegend schiefergrau. Ihre quergebänderte Unterseite erinnert ebenfalls an den Sperber. Weibchen und flügge Jungvögel sind oberseits rostbraun gefärbt mit einer rötlichen Bänderung auf der Unterseite.

 

Der Kuckuck besiedelt fast ganz Europa mit Ausnahme Islands. Kuckucke sind Zugvögel, die von Mitte April bis Anfang August in unseren Breiten weilen und sich dann ins tropische Afrika aufmachen. Der Brutbestand in Deutschland beträgt etwa 70.000 „Paare". Als Lebensraum werden vom Kuckuck nahezu alle Biotope besiedelt, die auch als Lebensraum ihrer Wirtsvogelarten dienen. Besonders hohe Bestände gibt es in naturnahen Auenlandschaften (z.B. Moselaue), wertvollen, reich strukturierten Kulturlandschaften(z.B. Bliesgau) und in naturnahen Laubwäldern (z.B. Warndt). Im Saarland vermuten Ornithologen etwa 300 bis 600 „Paare". Die Art kommt landesweit vor mit Ausnahme der größeren Siedlungen (z.B. Saarbrücken) und den ausgeräumten Agrarlandschaften (z.B. Saar-/Moselgau).

 

Kuckucke sind vor allem durch ihre besondere Fortpflanzungsbiologie bekannt. Sie bauen kein eigenes Nest, sondern suchen sich zur Aufzucht ihrer Jungen Wirtsvögel aus, denen ein Ei ins Nest gelegt wird, und die dann den jungen Kuckuck bis zum Flügge werden betreuen. Über 100 Wirtsvogelarten sind bekannt, besonders gerne werden aber Rohrsänger, Zaunkönige, Rotschwänze, Pieper, Würger, Rotkehlchen und diverse Grasmückenarten parasitisiert. Die Kuckucksweibchen legen bis zu 25 Eier, denn nicht alle Kuckuckskinder werden flügge. Bemerkt nämlich der Wirtsvogel das Kuckucksei, verlässt er die Brut. Nach extrem kurzer Bebrütungszeit schlüpft der Jungkuckuck in der Regel als Erster und befördert seine Nestgeschwister und noch vorhandene Eier aus dem Nest, einzig das Instinktziel verfolgend , alle Nahrung seiner Wirtseltern für sich haben, was aufgrund seines schnellen Wachstum auch bitter nötig ist. Nach nur zwei Wochen verlassen die Jungkuckucke das Nest und sind bereits mit vier Wochen selbstständig. Das ständige Sperren des Kuckucks veranlasst manchmal auch andere Vögel, sich an der Aufzucht des Jungkuckucks zu beteiligen. Kuckucke ernähren sich ausschließlich von Insekten (Raupen, Käfer, Heuschrecken, Libellen). Um Platz für das Kuckucksei zu schaffen, verzehren die Weibchen manchmal auch Eier ihrer Wirtsvögel.

 

Die Bestände sind in den letzten Jahren um bis zu 50 Prozent geschrumpft, und so ist der Kuckuck vom Allerweltsvogel zur Roten-Liste-Art abgestiegen. Die Rückgangsursachen sind vielfältig und zu allererst im Lebensraumverlust sowohl in Europa als auch in Afrika zu suchen. Der damit verbundene Rückgang ihrer Nahrung macht der Art zu stark zu schaffen. Möglicherweise ist die Art auch, wie auch die meisten anderen Langstreckenzieher, von der Klimaveränderung betroffen, denn die Raupenentwicklungszeit seiner Hauptbeute - den Schmetterlingsraupen - verlegt sich durch warme Winter auf immer frühere Zeiträume, so dass die Raupennahrung zur Zeit der Kuckucksfortpflanzung nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht, und der Kuckuck keine optimale Nahrung findet.

 

Sie haben Interesse sich an der Kuckuckskartierung 2008 zu beteiligen? Dann teilen Sie folgende Informationen mit:

 

- das Datum und die genaue Uhrzeit Ihrer Kuckucksfeststellung

- den Ort der Kuckucksfeststellung (z.B.Streuobstwiese östlich von Ormesheim)

- die Art der Kuckucksfeststellung (z.B. ein rufender Kuckuck)

- Ihren Namen und Ihre Anschrift

 

Ihre Daten übermitteln Sie bitte (schriftlich, fernmündlich oder per E-Mail) an: Zentrum für Biodokumentation im Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz, Am Bergwerk Reden 11, z.H. Herrn Christoph Braunberger, 66578 Landsweiler Reden, Telefon: 06 81/5 01-34 71

E-mail: christoph.braunberger@biodokumentation.saarland.de







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