Bilanz einer Woche Einsatz im Dannenröder Wald: Zwei ernsthafte Unfälle und Ermittlungen gegen Polizeibeamte

17.11.20
UmweltUmwelt, Bewegungen, Hessen, TopNews 

 

Von "Sand im Getriebe"

Zwei schwere Unfälle in nur zwei Tagen: Am Sonntag durchtrennte ein Polizeibeamter ein Sicherungsseil und verursachte so den Absturz einer Aktivistin. Die Staatsanwaltschaft Gießen hat Ermittlungen gegen den Beamten aufgenommen. Auch nach dem Sturz wurden die Räumungsarbeiten im Dannenröder Forst ohne Pause weitergeführt. Am frühen Montagnachmittag kam es dabei erneut zu einem Unfall im direkten Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz. Das Bündnis Wald statt Asphalt, dem auch Sand im Getriebe angehört, fordert daher den sofortigen Stopp der Räumungs- und Rodungsarbeiten.

Augenzeugen beschreiben übereinstimmend, dass Forstarbeiter:innen am frühen Montagnachmittag einen Baum gefällt hätten, an dem ein Sicherungsseil befestigt gewesen sei. Das Seil, welches als Traverse waagerecht zu einem weiteren Baum gespannt war, sei dabei gerissen und die Person in der Traverse mehrere Meter tief gestürzt. Nur eine zweite Sicherung habe sie davor bewahrt, auf dem Boden aufzuschlagen. Der aktuelle Gesundheitszustand der gestürzten Person ist noch unklar. In der Pressemitteilung der Polizei vom 16.11.2020 findet dieser Vorfall keine Erwähnung. Auch am Sonntag hatte die Pressestelle der Polizei zunächst über mehrere Stunden hinweg jede Verantwortung für den Absturz der Aktivistin dementiert, ehe sie ihre eigenen Meldungen korrigieren musste.

„Die Polizei hat angeblich ‚unwissentlich‘ Sicherungsseile durchtrennt. Wenn diese Gefährdung von Menschenleben wirklich unabsichtlich geschehen ist, so ist sie ein Zeichen maximaler Unprofessionalität!“, so Marie Klee von Sand im Getriebe. „Wer ein bisschen Ahnung von Klettern und Seilzugangstechnik hat, weiß: Seile unter Spannung dürfen nie durchschnitten werden! Es doch zu tun gefährdet Menschen. Dass die Einsatzleitung es nicht einmal schafft, diese Grundlagen an alle Polizist:innen zu vermitteln, macht deutlich, wie verantwortungslos und gefährlich ihr Einsatz ist. Die Räumungs- und Rodungsarbeiten müssen sofort enden, ehe weitere Unfälle geschehen!“

Vor der hessischen Landesvertretung in Berlin fand am frühen Montagabend eine Mahnwache für die verletzten Aktivist:innen und für einen sofortigen Räumungs- und Rodungsstopp statt. Dort versammelten sich mehrere hundert Menschen und zündeten Kerzen an. Auf Twitter war der Hashtag #RodungsstoppJETZT über mehrere Stunden in den bundesweiten Trends. Sand im Getriebe (@Sand_imGetriebe) twitterte den Bericht eines Augenzeugen mit den Worten: „Der Polizeieinsatz im #DanniBleibt ist zutiefst verantwortungslos! Verantwortungslos dem Leben der Aktivist:innen gegenüber, verantwortungslos in Zeiten einer Pandemie und verantwortungslos in Bezug auf die Klimakrise! Deswegen: #RodungsstoppJETZT!“

Sand im Getriebe fordert angesichts der Klimakrise eine radikale Verkehrswende weg vom Auto, wozu auch ein sofortiger Baustopp für Autobahnen und Bundesstraßen gehört. Nachdem jahrzehntelange Proteste der Anwohner:innen nicht zu einem Umdenken der Politik führten, besetzten Klimaaktivist:innen seit Herbst 2019 die geplante A49-Schneise im Dannenröder Wald durch den Bau zahlreicher Baumhausdörfer („Barrios“). Für besondere Kritik sorgt bei den Aktivist:innen, dass in Hessen ein grüner Verkehrsminister als Mitglied der Landesregierung die Umsetzung von jahrzehntealten Autobahnplänen des Bundes mit vorantreibt.

 







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