Ärzte gegen Tierversuche enthüllen: Tiere werden zum Rauchen gezwungen – immer noch!

23.01.19
UmweltUmwelt, TopNews 

 

Von Ärzte gegen Tierversuche

Tierversuche zur Entwicklung von Tabakprodukten sind seit mehr als 30 Jahren in Deutschland verboten. Trotzdem werden auch heute immer noch Tiere zum Rauchen gezwungen – vorgeblich, um die Folgen des Tabakkonsums besser zu verstehen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet es als „erschütternd und skandalös“, dass solche Versuche etwa in München und Ulm immer noch genehmigt werden.

Kaninchen, Hunde und Affen mit Masken, in denen qualmende Zigaretten stecken. An diese schrecklichen Bilder aus den 60er und 70er Jahren können sich viele noch erinnern. Rauchversuche an Tieren werden aber heutzutage weiterhin gemacht, so das Ergebnis einer aktuellen Recherche von Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein betreibt seit mehr als 20 Jahren eine weltweit einzigartige Internet-Datenbank, in der er exemplarisch in Deutschland durchgeführte und in Fachzeitschriften veröffentlichte Tierversuche dokumentiert.

So werden einer 2018 veröffentlichten Studie zufolge am Helmholtz-Zentrum München Mäuse bis zu sechs Monate lang an fünf Tagen die Woche in eine Plastikbox gesetzt, in die Zigarettenrauch eingeleitet wird. So soll eine COPD (eine chronische Einengung der Luftwege) hervorgerufen werden. Schließlich werden unter Betäubung Zellen aus der Lunge der Tiere gespült, um die Krankheitsentstehung der COPD zu ergründen. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass Rauchen beim Menschen die bedeutendste Ursache für die Entwicklung einer COPD ist.

Am Institut für anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung in Ulm wird bei Mäusen, die eine Woche lang jeden Tag in einer Plastikbox sitzend Zigarettenrauch einatmen müssen, durch Blutentzug ein Blutungsschock ausgelöst. Zudem wird durch eine auf den Brustkorb gerichtete explosionsartige Luftwelle eine Quetschung der Lunge herbeigeführt. Ergebnis: Rauchen wirkt sich bei schweren Lungenquetschungen negativ aus.

Beim Pharmakonzern Boehringer Ingelheim in Biberach an der Riß werden Rauch ausgesetzte Mäuse mit Schweinegrippeviren infiziert. Nach 12 Tagen werden die Tiere getötet, um herauszufinden, dass die Kombination aus Zigarettenrauch und Schweinegrippeviren Mäuse kränker macht, als nur Zigarettenrauch.

„Es ist erschütternd, dass solche grausamen und abstrusen Versuche von deutschen Behörden genehmigt werden“, so Dr. med. vet. Gaby Neumann von Ärzte gegen Tierversuche. Zuständig sind die Regierung von Oberbayern und das Regierungspräsidium Tübingen.

120.000 Todesfälle gehen in Deutschland jährlich auf Nikotinkonsum zurück. 90 % der Lungenkrebsfälle werden durch Rauchen verursacht. Herzinfarkt, Raucherbein, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) usw. - die Liste der durch Rauchen hervorgerufenen Erkrankungen ist extrem umfangreich. Diese Gefahren sind anhand von Bevölkerungsstudien bereits seit Jahrzehnten bekannt.

„Anstatt Tiere mit Zigarettenqualm künstlich krank zu machen, sollten längst die tierversuchsfreien, humanrelevanten Methoden Standard in der Forschung sein. Zudem gilt es, verstärkt auf die Prävention zu setzten“, fordert Dr. Gaby Neumann. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an tierversuchsfreien Verfahren, die mit menschlichen Zellen oder Gewebe arbeiten, und die die physiologische Situation in der Lunge nachahmen. Diese Methoden ermöglichen effektiv die Untersuchung der menschlichen Situation, nicht der von künstlich geschädigten Tieren.

Weiterführende Infos:
Stellungnahme Rauchversuche >>







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