Die Tierversuchszahlen im Bundesländervergleich


Ärzte gegen Tierversuche e.V.

12.03.18
UmweltUmwelt, Bewegungen 

 

Von Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Allein in den vier Bundesländern Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen finden fast 60 % aller Tierversuche in Deutschland statt. Dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche liegen die Zahlen aller Bundesländer für das Jahr 2016 vor.

Bei einer Gesamtzahl von 2.854.586 Millionen Tieren, 54.000 Tiere mehr als noch 2015, wurden 2016 allein in Baden-Württemberg 480.902 Tiere (16,85% aller Tierversuche in Deutschland) in Tierversuchen verwendet. Das Bundesland ist somit, wie auch schon im vergangenen Jahr, nun mit weiteren 20.000 Tieren, der bundesweite Spitzenreiter. Beispielsweise werden in Tübingen auch nach dem Ende der Affenversuche am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik noch immer Affenversuche im Bereich der Hirnforschung durchgeführt. Derartige Experimente finden nach wie vor am Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, an der Abteilung für Tierphysiologie des Instituts für Zoologie der Universität Tübingen sowie am Exzellenzcluster Werner Reichhardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften statt. Es wird zudem auch weiterhin in Millionenhöhe in Forschung an Tieren investiert. So mobilisierten der Bund und das Land Baden-Württemberg jüngst über 30 Millionen Euro für das Zentrum für innovative Psychiatrie? und Psychotherapieforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Aktuell sind mindestens zwei neue Labore in Baden-Württemberg im Bau. Das IMITATE (Institut für Krankheitsmodelle und gezielte Therapie) an der Universität Freiburg mit Käfigen für 10.000 Mäuse soll bis 2021 fertiggestellt werden. An der Universität Hohenheim entstehen bis 2020 zwei neue Versuchsställe für Schweine, Schafe, Hühner und 1.000 Mäuse.

Den zweiten Platz im Bundesländervergleich belegt mit 470.367 Tieren (16,48%) weiterhin Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich zum letzten Jahr ist hier die Zahl um fast 40.000 Tiere gestiegen. So hat das amerikanische Unternehmen Covance, eines der weltweit größten Auftragsforschungskonzerne, eine Niederlassung in Münster. Der größte „Affenverbraucher Deutschlands“ hat sich auf Fortpflanzungs-Giftigkeitstests an Affen spezialisiert. Schwangeren Affen werden Arzneimittel oder Chemikalien mittels eines Schlauches in den Magen gepumpt oder in die Blutbahn injiziert, um die Auswirkung auf ihren Nachwuchs zu beobachten. Die Folge können Totgeburten oder Missbildungen sein. Die Substanzen werden auch männlichen Affen verabreicht, um ihre Zeugungsfähigkeit zu testen.

Mit rund 36.000 Tieren weniger als im vergangenen Jahr, liegt das Bundesland Bayern mit 387.316 Tieren (13,57%) weiterhin auf dem dritten Platz. Die am Institut für Chirurgische Forschung im Walter-Brendel-Zentrum München durchgeführten Xenotransplantationen, bei denen Herzen von getöteten genmanipulierten Schweinen Pavianen in die Bauchhöhle transplantiert werden, die anschließend durch schwerste Abstoßungsreaktionen sterben, ist dabei nur ein erschreckendes Beispiel. „Ergebnisse aus solchen Versuchen lassen sich keinesfalls auf den Menschen übertragen.“, äußert sich Julia Schulz, Tierärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche.

Hessen rutscht im Jahr 2016 von Rang fünf hoch auf Rang vier mit 320.184 in Versuchen eingesetzten Tieren (11,22%). Niedersachsen befindet sich trotz einer Reduzierung von rund 52.480 Tieren weiterhin mit 286.267 Tieren (10,03%) unter den Top fünf, gefolgt von Berlin mit 255.224 Tieren (8,94%).

Mäuse mussten 2016 mit knapp 2 Millionen (70,1 %) am häufigsten in deutschen Laboren leiden. Auf dem 2. Platz folgen 312.654 Ratten (11,2 %). Einen deutlichen Anstieg um 100.000 lässt sich beim Einsatz von Fischen in Versuchen auf mehr als 300.000 Tiere (10,9 %) verzeichnen. Zudem litten 95.736 Kaninchen, 2.424 Affen, 2.008 Hunde und 485 Katzen in deutschen Tierlaboren. Hinzu kommen die nicht erfassten Tiere, die für die Vorratshaltung gezüchtet werden und Tiere, die schon vor ihrem Einsatz in Versuchen getötet werden, da sie beispielsweise nicht die gewünschte genetische Modifikation aufweisen.

„Die nüchternen Zahlen spiegeln nicht das Leid wider, das die Tiere vor, während und nach dem Versuch erleiden“, gibt Tierärztin Schulz zu bedenken. Der Ärzteverein hat 4.740 der in Deutschland durchgeführten Tierexperimente auf Basis von in Fachzeitschriften veröffentlichten Artikeln in einer Datenbank (www.datenbank-tierversuche.de) dokumentiert. „Jedes Tier, das in einem Labor leidet und stirbt, ist eines zu viel“, erklärt Schulz. Tierversuchsfreie zukunftsgewandte Forschungsmethoden sind nach Aussage des Ärztevereins längst vorhanden und müssten wesentlich besser gefördert werden.







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