Agrar- und Ernährungswende so nötig wie nie zuvor

19.01.21
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Von Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.

Anlässlich der am 20. Januar beginnenden Landwirtschaftsmesse Grüne Woche fordert der Bundesverband Menschen für Tierrechte eine Agrarwende weg von der industriellen Tierhaltung, hin zu zukunftsfähigen Ernährungs- und Landbaukonzepten. In Anbetracht der existentiellen Bedrohung durch die Corona-Pandemie und des Klimawandels müsse sich die Bundesregierung im Rahmen der Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) dafür einsetzen, die Agrarsubventionen im Sinne von mehr Tier-, Umwelt und Klimaschutz umzustrukturieren. 

Die Landwirtschaft steht wie kaum eine andere Branche in der Kritik. Es ist nicht nur das skandalöse Tierleid, sondern auch die Bedeutung der industriellen Tierhaltung als Brutstätte für Zoonosen. “Corona zeigt uns überdeutlich, wie überfällig ein Paradigmenwechsel ist. Unsere Gesundheit und unser Umgang mit Tieren und Ökosystemen sind eng miteinander verknüpft. Wissenschaftler warnen bereits jetzt schon vor der nächsten – möglicherweise noch schlimmeren – Pandemie“, gibt Christina Ledermann, Vorsitzende von Menschen für Tierrechte, zu bedenken. 70 Prozent der neu aufkommenden humanen Infektionskrankheiten stammen von Tieren. Die industrielle Tierhaltung wirkt als Sammelstelle und Übertragungsbrücke.

Konsum tierischer Produkte reduzieren
Hinzu kommt die Tatsache, dass die Landwirtschaft einer der Hauptverursacher der Klimakrise ist. Allein die Tierhaltung bedingt zwischen 60 und 70 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU. Die Mehrheit der Wissenschaftler kommt zu dem Ergebnis: Um dem globalen Bevölkerungswachstum, dem Klimawandel und dem Verlust der Biodiversität zu begegnen, müssen die Menschen ihre Ernährungsgewohnheiten ändern. Das bedeutet insbesondere den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren. „Ohne eine Reform der EU-Agrar-Subventionen, eine drastische Reduktion der Tierbestände, eine flächengebundene Tierhaltung und eine Klima-Abgabe auf tierische Produkte wird die EU-Landwirtschaft ihre Klimaziele nicht einhalten können!“, kritisiert Christina Ledermann. Der Tierrechtsverband fordert zudem Anbauförderungen von Konsum-Leguminosen wie Soja, Lupine und Erbsen, sowie Umstellungs- und Ausstiegsförderungen für Betriebe, die auf die Produktion pflanzlicher Eiweißträger umstellen.

Trilog nutzen, um Agrarpolitik zu ökologisieren
Der Schlüssel zur Lösung liegt in der aktuellen Reform der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Doch die EU-Agrarminister und das EU-Parlament stimmten letzten Oktober dafür, weiterhin etwa 80 Prozent der Direktzahlungen ohne konkrete Umweltvorgaben an Großbetriebe zu vergeben. „Wenn dies durchkommt, wird der Großteil der Agrarsubventionen weiterhin in die industrielle Landwirtschaft und damit in die Massentierhaltung fließen. Dies untergräbt die Ziele des Green Deals, der EU-Biodiversitätsstrategie und der EU-Agrarstrategie “Vom Hof auf den Tisch“. Dabei hat der Green Deal tatsächlich das Potenzial, einen wirklichen Systemwechsel in der Landwirtschaft zu bewirken“, sagt Ledermann. In den kommenden Monaten werden die Details im Trilog zwischen EU-Parlament, Kommission und den Mitgliedstaaten verhandelt. Die EU-Kommission hält den Kompromiss für ungenügend, um die angestrebten Umwelt- und Klimaziele zu erreichen. Der Bundesverband fordert, dass die Bundesregierung die Verbesserungsvorschläge der EU-Kommission unterstützt. Noch besteht die Chance, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.







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