Tag zur Abschaffung von Tierversuchen


23.04.19
UmweltUmwelt, Bewegungen, Baden-Württemberg, TopNews 

 

Ministerin Theresia Bauer erhält Kaninchenpatenschaft und offenen Brief vom Verein Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V.

Von Menschen für Tierrechte

Baden-Württemberg führt erneut die Negativ-Rangliste für Tierversuche an. In der Woche um den 24. April wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Laboren aufmerksam gemacht. Der Verein Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V. schenkt der Landesministerin für Wissenschaft und Forschung, Theresia Bauer, zu diesem Anlass eine einjährige Patenschaft für die Kaninchendame Joy, die aus einem Tierversuchslabor stammt und nun ihr restliches Leben auf dem Erdlingshof verbringen darf.

“Mit 484.086 Tieren, die 2017 in Tierversuchen eingesetzt wurden, belegt Baden-Württemberg erneut Platz eins der Negativ-Rangliste im Ländervergleich. Mit der Patenschaft und einem offenen Brief wollen wir die Wissenschaftsministerin an ihre Fürsorgepflicht gegenüber diesen fühlenden Lebewesen erinnern”, so Stephanie Kowalski, Tierärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg, “denn um die Zahl der Tierversuche zukünftig deutlich zu minimieren, muss die Politik endlich wirksame Maßnahmen ergreifen.” [1]

Obwohl die meisten Tiere für die Grundlagenforschung missbraucht und getötet werden, spielen Tierversuche weiterhin auch in der Hochschulbildung eine Rolle. Mit einem Schreiben forderte der Verein die Ministerin im vergangenen Jahr dazu auf, eine Änderung im Hochschulgesetz einzusetzen. Nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen sowie vier weiteren Bundesländern soll Studierenden dadurch ein tierleidfreies Studium ermöglicht werden. Mittels moderner Ersatzleistungen sollen ethisch motivierten Studierenden dadurch keine Nachteile entstehen.

Im Jahr 2017 wurden laut aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 2.8 Millionen Tiere in Deutschland in Tierversuchen verwendet. In deutschen Laboren stehen Kaninchen mit einer Anzahl von über 92.000 Tieren an vierter Stelle nach Mäusen, Ratten und Fischen. [2] Die Mehrzahl der Kaninchen wird für die Entwicklung von Impfstoffen, Seren und Antikörpern sowie die Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten wie Hüftgelenke, Herzklappen und Zahnimplantate eingesetzt. Aber auch für sogenannte Toxizitätstests von Chemikalien werden sie benutzt. In diesen Tests bekommen sie potenziell giftige chemische Substanzen verabreicht oder auf die Schleimhäute aufgetragen, um das Ausmaß der Giftigkeit abzuschätzen. Diese Versuche sind schmerzhaft und die Tiere leiden unter den Vergiftungserscheinungen.

Tierversuche lassen sich jedoch nicht mit Sicherheit auf den Menschen übertragen und vermitteln daher häufig eine falsche Sicherheit.

Obwohl bereits viele tierversuchsfreie Methoden zur Verfügung stehen, die praxistauglich und behördlich anerkannt sind, ist ihre Anwendung nicht verbindlich festgeschrieben. So gibt es zur Messung von fiebererregenden Stoffen den an der Universität Konstanz entwickelten In-vitro-Pyrogentest (IPT), der dem Tierversuch deutlich überlegen ist. Dieser neuartige Test wurde bereits vor einigen Jahren nach internationalen Prüfungen in das Europäische Arzneibuch aufgenommen und gilt somit als behördlich anerkannte Prüfmethode. Dennoch kommen in der Praxis weiterhin überwiegend Tierversuche zum Einsatz, trotz dass der Gesetzgeber den Einsatz tierversuchsfreier Methoden vor dem Tierversuch verlangt.

Um einen Wandel herbeizuführen, müssen tierversuchsfreie Methoden mehr in den Fokus der Politik rücken: Erhöhung der Forschungsgelder, Unterstützung von NachwuchswissenschaftlerInnen für Alternativmethoden, flächendeckende Einrichtung von Lehrstühlen für tierversuchsfreie Methoden sowie die zwingende Anwendung von anerkannten tierversuchsfreien Verfahren.



[1] Landtag von Baden-Württemberg: Kleine Anfrage Drucksache 16/5342 (2018). Online abrufbar unter: https://www.landtagbw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP16/Drucksachen/5000/16_5342_D.pdf
[2] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2017. Online abrufbar unter: https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/Versuchstierzahlen2017.html#doc11850874bodyText2


Weitere Informationen
Tiere im Versuch
Erdlingshof








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