Invasive Arten: Vorsorge ist der beste Schutz

06.05.13
UmweltUmwelt, Internationales, News 

 

von BfN

Bundesamt für Naturschutz veröffentlicht Warnliste mit 26 invasiven Arten

In Folge der Globalisierung werden immer mehr Tier- und Pflanzenarten weltweit verschleppt oder gar bewusst außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes angepflanzt oder ausgesetzt.

„Nach unseren Erkenntnissen haben sich bis heute in Deutschland über 800 dieser so genannten gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten in der freien Natur etablieren können“,
sagte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Doch nur relativ wenig Arten sind invasiv und beeinträchtigen die biologische Vielfalt. Von invasiven Arten allerdings können erhebliche negative Auswirkungen auf die heimischen Arten und Lebensgemeinschaften ausgehen. Umso wichtiger sei es, die aktuell und potenziell invasiven Arten unter den Neubürgern zu identifizieren und Abwehrmaßnahmen zu treffen, so BfN-Präsidentin Jessel. Im Rahmen eines Forschungsvorhabens des BfN wurde daher erstmals für den Naturschutz in Deutschland eine entsprechende Warnliste invasiver Arten erarbeitet.

Insgesamt konnten 26 invasive Tier- (13) und Pflanzenarten (13) identifiziert werden, die bisher in Deutschland noch keine wild lebenden Vorkommen besitzen. Es handelt sich hierbei vor allem um Gefäßpflanzen wie den amerikanischen Kreuzstrauch oder den kaukasischen Sosnowsky-Bärenklau. Tierarten wie der amerikanische Viril-Flusskrebs oder die asiatische Amurgrundel sind auch gelistet.

„Bereits jetzt steht fest, dass negative ökologische Auswirkungen auf die heimische Fauna und Flora zu erwarten sind, falls diese Arten wild lebend in Deutschland auftreten“, erklärte Beate Jessel. Für diese Arten soll jetzt in einem neuen Forschungsvorhaben des Bundesamtes für Naturschutz geprüft werden, welche konkreten Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden sollten, um ein Auftreten dieser Arten in freier Natur zu verhindern. "Vorsorge ist bei weitem kosteneffizienter und vom Umweltstandpunkt erstrebenswerter als Maßnahmen, die nach der Einbringung und Etablierung einer invasiven Art getroffen werden müssten", so BfN-Präsidentin Jessel.

Hintergrund:

Das Auftreten von Arten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes infolge menschlicher Aktivitäten wie Handel, Transport und Verkehr gilt weltweit als eine wichtige Ursache für den Verlust biologischer Vielfalt. Das Gefährdungspotential wächst mit der fortschreitenden Globalisierung der Märkte und der Zunahme des weltweiten Handels und Warenaustausches sowie des Fernreiseverkehrs.
 
Wenn die Umweltbedingungen der gebietsfremden Arten ihrer Herkunftsregion entsprechen, dann breiten sie sich oft ungestört aus. Sie zeigen dabei teilweise unerwartete Auswirkungen, weil unter anderem die natürlichen Gegenspieler (Feinde, Konkurrenten, Krankheitserreger) fehlen. "Wenn diese gebietsfremden Arten  negative Auswirkungen entfalten, nennt man sie invasiv. In diesem Fall können sie die biologische Vielfalt gefährden aber auch immense ökonomische Schäden oder gesundheitliche Probleme beim Menschen verursachen", sagt die BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Kommt es erst einmal zu solchen Problemen durch eine sogenannte invasive Art, ist es oftmals für effektive Gegenmaßnahmen viel zu spät. "Hier gilt es, lösungsorientiert zu handeln", so Beate Jessel weiter, "speziell bei den invasiven Arten lautet die Maxime: Vorsorge statt teurer Nachsorge." Aus diesem Grund sollte der Verhinderung der Einbringung von neuen invasiven Arten Priorität eingeräumt werden. Wesentliche Voraussetzung für effiziente Vorsorge ist jedoch, die betreffenden invasiven Arten eindeutig benennen zu können.

Im Rahmen der Konvention zur Erhaltung der biologischen Vielfalt haben sich die Vertragsstaaten verpflichtet, Vorsorge gegen invasive Arten zu leisten, sie zu kontrollieren oder zu beseitigen. Vorliegende Erkenntnisse belegen jedoch, dass in Mitteleuropa und speziell in Deutschland immer mehr gebietsfremde Arten in der freien Natur auftreten. Insbesondere die invasiven Arten unter ihnen stellen dabei durch ihre erhebliche Gefährdung der natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder Arten ein relevantes Problem im Naturschutz dar.

Tabelle Warnliste invasive Arten:

Wissenschaftlicher Name  Deutscher Name
Pflanzen  
Acer rufinerve   Rotnerviger Ahorn
Akebia quinata   Fingerblättrige Akebie
Araujia sericifera   Folterpflanze
Baccharis halimifolia   Kreuzstrauch
Codium fragile spp. atlanticum   Grüne Gabelalge
Codium fragile spp. scandinavicum  Grüne Gabelalge
Eichhornia crassipes   Wasserhyazinthe
Fallopia sachalinensis ‚Igniscum‘  Igniscum
Heracleum persicum   Persischer Bärenklau
Heracleum sosnowskyi   Sosnowsky Bärenklau
Ludwigia peploides   Flutendes Heusenkraut
Paspalum paspalodes   Pfannengras
Persicaria perfoliata   Durchwachsener Knöterich
Pueraria lobata   Kudzu
Sorghum x almum   Columbusgras
Spartina alterniflora   Glattes Schlickgras
Undaria pinnatifida   Wakame

Tiere  
Arthurdendyus triangulatus   Neuseelandplattwurm
Bursaphelenchus xylophilus   Kiefernholznematode
Didemnum vexillum   Tropf-Seescheide
Linepithema humile   Argentinische Ameise
Muntiacus reevesi   Chinesischer Muntjak
Orconectes juvenilis   Kentucky Flusskrebs
Orconectes rusticus   Amerikanischer Rostkrebs
Orconectes virilis   Viril-Flusskrebs
Perccottus glenii   Amurgrundel
Pimephales promelas  Fettköpfige Elritze
Sciurus carolinensis   Grauhörnchen
Threskiornis aethiopicus   Heiliger Ibis
Xenopus laevis   Glatter Krallenfrosch

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VON: BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ






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