Ende der Überfischung erst in über 100 Jahren?


WWF - Bildmontage: HF

10.05.13
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Internationales, TopNews 

 

von WWF

WWF-Studie analysiert EU-Pläne zum Aufbau der Fischbestände

Wie lange dauert es, bis sich Europas Fischbe- stände und Meere von der Überfischung erhol- en? Länger als ein Jahrhundert – zumindest wenn es nach den aktuellen Plänen der Fischer- eiminister geht, die derzeit über eine Reform der Fischereipolitik verhandeln.

Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Analyse der Reformpläne durch den WWF. „Kein Gesetz kann die Überfischung auf einen Schlag beenden, aber in den Plänen der Minister wird die Erholung der Fischbestände zum bloßen Nebeneffekt. So braucht man mehr als 100 Jahre um die Bestände zu sanieren. Dabei sind gesunde Bestände das Fundament für eine zukunftsfähige Fischerei“, kritisiert Stella Nemecky, Fischerei- expertin des WWF. Sie fordert daher, den schnellstmöglichen Wiederaufbau der Fisch- bestände mit zeitlicher Zielvorgabe im neuen Gesetz zu verankern.

Zwei von drei Fischbeständen in europäischen Gewässern gelten als überfischt. Um eine Reform der europäischen Fischereipolitik, die diese Misere beenden könnte und für die nächsten zehn Jahre gelten soll, wird derzeit in Brüssel hart gerungen. Die Verhandlun- gen zwischen EU-Parlament und Fischereiministern scheinen so festgefahren, dass auch ein Scheitern der Reform nicht ausgeschlossen werden kann.

Gestritten wird über Kernelemente des Gesetzespakets wie z.B. Ausnahmeregelungen für das neue Rückwurfverbot, das die Verschwendung von Beifang beenden soll, oder die verbindliche Verknüpfung von Subventionszahlungen an die Einhaltung von Fischer- eigesetzen. Uneinigkeit herrscht auch über das zentrale Nachhaltigkeitsziel der Reform. Dabei geht es um die Frage, bis wann die Fischbestände durch eine reduzierte Fischerei wieder auf eine gesunde Größe angewachsen dürfen, damit man sie nachhaltig bewirt- schaften kann.

Der Parlamentsvorschlag verfolgt das politische Ziel, zunächst die Bestände bis 2020 wieder auf eine gesunde Größe aufzubauen und die Fischerei dementsprechend zu drosseln. Anschließend sollen die Bestände mit nachhaltigem Fischereidruck bewirt- schaftet werden. Bestandsgröße und Fangmengen würden so nach dem Prinzip des „höchstmöglichen Dauerertrags“ (MSY) ausgerichtet. Laut WWF Analyse könnten sich bei Umsetzung des Parlamentsvorschlags innerhalb der nächsten 10 Jahre drei Viertel der überfischten Bestände erholt haben.

Die Fischereiminister dagegen wollen zwar den Fischereidruck schrittweise reduzieren, schreiben dies aber erst ab 2020 verbindlich vor. „Die Anpassung der Fangmengen bis 2020 zu verschleppen, wäre eine bewusste Entscheidung der Politik die Überfischung fortzuführen“, so WWF Expertin Nemecky weiter „Mit den Plänen der Fischereiminister verlieren wir wertvolle Zeit, um stabile Fischbestände und eine wirtschaftlich tragfäh- ige Fischerei in Europa wieder herzustellen.“ Derzeit landet die Europäische Fischerei nur etwa 60 Prozent der Menge an, die gesunde EU-Bestände liefern könnten.

Den Grund für die stockenden Reformverhandlungen sieht der WWF in sozio-ökonomi- schen Bedenken einzelner Mitgliedsländer. „Vor allem klassischen Fischereinationen wie Frankreich und Spanien ist offenbar am Erhalt des Status Quo gelegen. Damit wird aber der dringend nötige Kurswechsel für eine nachhaltige und zukunftsfähige Fisch- erei systematisch ausgebremst“, sagt WWF Expertin Nemecky. „Die Reform hängt jetzt am seidenen Faden. Sollte sie scheitern, wird auch der Kampf gegen die Über- fischung um Jahrzehnte zurückgeworfen. Das ist für sowohl für das empfindliche Ökosystem der Meere wie für den Fischereisektor bedrohlich.“

Der WWF fordert deshalb Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner auf, eine Führungsrolle in den aktuellen Verhandlungen beim Fischereiministertreffen am 13.und 14. Mai zu üb- ernehmen und sich für ein schnellstmögliches Ende der Überfischung und ein Gelingen der Reform einzusetzen.

Weitere Informationen:
www.wwf.de/2013/mai/ende-der-ueberfischung-erst-in-ueber-100-jahren

WWF Report: „Die Erholung der EU-Fischbestände und die Reform der EU-Fischereipolitik“ als pdf Download unter:
www.wwf.de/presse

Fotos der WWF-Aktion „Fliegende Fische“ vor dem Berliner Reichstag im Fotodownload unter:
www.wwf.de/presse

Video:
www.youtube.com/watch?v=zmpCi8SlLv8

Die Analyse wertet neue Modellrechnungen des Wissenschaftlers Philipp Neubauer et al. aus, die auf Basis seiner Publikation "Resilience and Recovery of Overexploited Marine Populations" [1] (Science 2013) entstanden sind.


VON: WWF






<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz