Umweltaktivist am Ural von Polizisten misshandelt


Stepan Tschernogubow

12.05.13
UmweltUmwelt, Internationales, TopNews 

 

von Bernhard Clasen

Greenpeace Russland besorgt über wachsenden Druck auf die Umweltbe- wegung

Greenpeace Russland ist besorgt über die an- haltende Verfolgung des Umweltaktivisten Stepan Tschernogubow in der Ural-Region.

Gegenüber 'scharf-links' berichtet Raschid Alimov, Koordinator des Giftmüll-Programmes von Greenpeace Russland, dass Tschernogubow am Freitag in der am Ural gelegenen Stadt Perwouralsk auf offener Straße von Polizisten in zivil zusammengeschlagen worden sei. In der Folge verlor der Umweltaktivist mehrere Zähne und erlitt Verletzungen am Kopf und im Gesicht, die ihm mit mehreren Schlägen mit einer Pistole zugefügt worden waren.

Tschernogubow ist den Behörden schon lange ein Dorn im Auge. Immer wieder hatte er kritisiert, dass hoch giftige chemische Abwässer des Unternehmens „Russkij Chrom 1915“ in die Abwässer des Flusses Tschusowa gelangen. Diese chromhaltigen Abwässer können zu Entzündungen der Haut, zu Atemwegserkrankungen, zu Mutationen und Krebs führen.

Raschid Alimow ist soeben von einer Reise aus dem betroffenen Gebiet nach St. Peters- burg zurückgekehrt. In Perwouralsk hatte er mit der Bevölkerung gesprochen, Wasser- proben entnommen, sich ein Bild von der Situation der von den giftigen Industrieabwäs- sern betroffenen Region gemacht. In den nächsten Tagen wird Greenpeace Russland die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung veröffentlichen.

Das Wasser an der Einleitungsstelle, so Alimow, habe unnatürlich grüne Streifen gehabt. Ihm sei ein merkwürdiger chemischer Geruch des Wassers aufgestoßen. Alimow berich- tet, Einwohner des Ortes hätten ihm mitgeteilt, dass der Besitzer des Werkes „Russkij Chrom 1915“, das die giftigen Chromabwässer ableite, in Deutschland lebe.

Der Überfall hatte sich direkt vor dem Haus von Tschernogubow ereignet, das dieser zusammen mit seiner Frau verlassen wollte. Kurz nach dem Überfall berichtet der Ver- letzte, die Täter hätten ihn so brutal zusammengeschlagen, dass er sich des Eindrucks nicht erwehren könne, man habe ihn so zusammenschlagen wollen, dass er für den Rest des Lebens Invalide sei.

Tschernogubow war wenige Tage zuvor gewarnt worden. Er müsse mit Konsequenzen rechnen, wenn er seine Recherchen über die Müllverkippung an die Öffentlichkeit gebe. Dies berichtete er telefonisch gegenüber 'scharf-links' aus dem Krankenhaus. Drei Mal habe er in den Tagen zuvor die Einleitungen aufgesucht, Proben entnommen und die Einleitungsstelle photographiert.

Kurz nach dem Eintreffen der Polizei brachte man Tschernogubow in ein Krankenhaus. Anschließend, so Greenpeace, sei auf der Polizeistation festgestellt worden, dass die Täter selbst Polizisten, in Zivil, gewesen seien.

Doch wenig veröffentlichte die Polizeibehörde des Gebietes Swerdlowsk eine eigene Ver- sion des Geschehens. Tschernogubow sei in eine Schlägerei verwickelt worden, die Poli- zisten in Zivil haben ihm nur zur Hilfe eilen wollen.

Vor diesem Hintergrund fordert Greenpeace Russland eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls.

Weiterführende Links:

Artikel von Greenpeace Russland und Interview mit Stepan Tschernogubow (in russisch):
www.greenpeace.org/russia/ru/news/2013/11-05-Greenpeace_protests_against_activist_battering/

Homepage der wasserverschmutzenden Chromverarbeitungsfabrik:
www.chrome.ru

Die ökologische Katastrophe von Perwouralsk (russisch):
http://ribakov.livejournal.com/121362.html


VON: BERNHARD CLASEN






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