Tierversuchszahlen 2015: Keine Reduzierung in Sicht


02.12.16
UmweltUmwelt, Bewegungen, TopNews 

 

Von Menschen für Tierrechte

Im Jahr 2015 ist die Zahl der in Versuche eingesetzten Tiere annähernd gleichgeblieben, obwohl deren Reduzierung und die langfristige Abschaffung der Tierexperimente die erklärte Zielsetzung aller EU-Staaten ist. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte fordert angesichts der hohen Zahl der eingesetzten Tiere endlich eine wirkungsvolle Gesamtstrategie zum Ausstieg aus dem Tierversuch.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Versuchstierzahlen für das Jahr 2015 veröffentlicht. Danach wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2.753062 Tiere in Versuchen eingesetzt. Im Vergleich mit 2014 ergibt sich eine leichte Senkung der Zahlen um rund 1,65 Prozent. Die Zahlen basieren auf den Vorgaben der neuen statistischen Bestimmungen der Versuchstiermeldeverordnung, die seit 2014 gilt. Deswegen kommen zu den rund 2,75 Millionen Tieren tatsächlich noch 53.255 hinzu. Dies sind genetisch veränderte Mäuse, Ratten und Zebrafische, die zum Zwecke der Weiterzüchtung gehalten werden.

"Die Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren hat bisher keine Auswirkung auf die tatsächliche Lage der fast drei Millionen Tiere, die ihr Leben in Tierversuchen lassen. Doch die Zeit des Aussitzens ist vorbei. Wir brauchen endlich einen konsequenten Paradigmenwechsel weg vom Tierversuch. Davon erwarten wir von Politik, Wissenschaft und Industrie eine wirkungsvolle Gesamtstrategie für einen Ausstieg. Ein solcher Masterplan muss klare Verantwortliche benennen sowie die gezielte Förderung tierversuchsfreier Verfahren und neue Kriterien bei der Vergabe von Fördermitteln regeln", fordert Christina Ledermann, stellvertretende Vorsitzende von Menschen für Tierrechte.

Mäuse sind die größten Verlierer
Zu den großen Verlierern gehören die Mäuse – allen voran die gentechnisch veränderten Mäuse. Während es 2014 noch 68 Prozent waren, sind mittlerweile fast 73 Prozent aller in Tierversuchen eingesetzten Tiere Mäuse. Davon leiden und sterben wiederum 68 Prozent in der Grundlagenforschung. Mittlerweile gibt es für unzählige menschliche Krankheitsphänomene das Minipendant in Form "humanisierter" Genmäuse. "In der Öffentlichkeit sprechen sich die meisten Politiker und Wissenschaftler für die Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren aus. Doch statt in innovative tierversuchsfreie Methoden zu investieren, heißt das inoffizielle Credo offenbar freie Fahrt für gentechnische Manipulationen", kritisiert Ledermann.

Anwendung tierversuchsfreier Verfahren muss verpflichtend sein
Verlierer sind auch die Kaninchen. Ihre Zahl hat mit 107.652 um rund 1,8 Prozent zugenommen. Kaninchen werden noch immer bei der Pyrogentestung (6.992), aber auch bei der Herstellung von Antikörpern (86.084) eingesetzt. Dies ist nach Ansicht der Tierrechtsorganisation besonders skandalös, da es in diesem Bereichen bereits mehrere Verfahren ohne Tiereinsatz gibt (1). Um dieses große Tierleid zu beenden, muss nach Ansicht des Verbandes die Anwendung existierender tierversuchsfreier Verfahren absolut verpflichtend sein.

Über die Hälfte der Tiere sterben in der Grundlagenforschung
Knapp 60 Prozent der Tiere wurden in der zweckfreien Grundlagenforschung eingesetzt. Hier waren vor allem Mäuse, Ratten und Fische betroffen. Rund 14 Prozent kamen in der translationalen und angewandten Forschung zum Einsatz (2). Zu regulatorischen Zwecken wurden 23 Prozent aller Tiere eingesetzt (3). Dies waren vor allem Ratten, aber auch Kaninchen, Javaneraffen und Hühner. Zwei Prozent dienten der Aus-, Fort und Weiterbildung. 1,9 Prozent der verwendeten Tiere sind gentechnisch verändert und werden zum Zwecke der Weiterzüchtung gehalten. Dazu werden vor allem Mäuse, aber auch Ratten und Zebrafische eingesetzt.

Trotz Rückgängen keine Entwarnung
Bei Katzen (502) und Hunden (2.437) sind die Zahlen rückläufig. Dies entspricht fast einer Halbierung gegenüber 2014. Rückgange gab es auch bei den eingesetzten Ratten (320.629), Meerschweinchen (18523), Rindern und Fischen (199.172). Auch die Zahl der Affen – hauptsächlich Javaner, aber auch Halb- und Neuweltaffen – ist um 14,6 Prozent auf insgesamt 2.424 Tiere zurückgegangen. Kritik übt der Verband an der hohen Zahl der eingesetzten Javaneraffen in regulatorischen Tests bei der Herstellung von Arzneimitteln. Hier gibt es noch immer keine anerkannten tierversuchsfreien Methoden.


(1) Mehr Informationen unter: Versuchstier des Jahres 2015 (Kaninchen)

(2)  Unter "Translationale und angewandte Forschung" ist die ausgerichtete Forschung auf praxisrelevante Ergebnisse zu verstehen, die sich von der Grundlagenforschung zu reiner Wissensvermehrung ohne Zweckgebundenheit abgrenzt, z.B. die Forschung daran, ob sich ein auf dem Markt befindliches Arzneimittel auch für eine andere Erkrankung sinnvoll einsetzen lässt.

(3) Unter "Verwendung zu regulatorischen Zwecken und Routineproduktion" werden Qualitätskontrollen, Wirksamkeits- und Toleranztests sowie Tierversuche für die Routineproduktion zusammengefasst.

Nach der neuen Versuchstiermeldeverordnung werden bestimmte Eingriffe an Tieren wie z. B. Schwanzspitzenbiopsien nicht mehr gezählt. Dies trägt auch zu dem Rückgang der Versuchstierzahlen bei.







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