Starke Proteste für eine autofreie Stadt


Foto: Lenna - photosandprotest

28.04.19
UmweltUmwelt, Bewegungen, Schleswig-Holstein, TopNews 

 

Von TKKG

Zu der Demonstration unter dem Motto "Verkehrswende statt Rush Hour" über den Theodor-Heuss-Ring kamen am Freitag knapp 2000 Menschen. Mit Fahrrädern, Skateboards und Gehmobilen brachten sie ihre Unzufriedenheit mit der Kieler Verkehrspolitik zum Ausdruck. Aus der Demonstration heraus entwickelte sich auf dem Theodor-Heuss-Ring eine Sitzblockade.

Die Demonstration startete am Hauptbahnhof und zog dann bunt und laut bis zur ersten Zwischenkundgebung am Lübscher Baum. Höhepunkt war der Spaziergang über den Theodor-Heuss-Ring. Sowohl Demonstration als auch Blockade des Problemrings wurden von Anwohner*innen sehr positiv aufgenommen. Viele konnten zum ersten Mal seit Jahren ihre Fenster weit offen stehen lassen. Auf dem Theodor-Heuss-Ring begann an der Spitze der Demo eine Blockade. Die Demonstration blieb solidarisch mehr als eine halbe Stunde stehen und lief dann - wie angekündigt - wieder zum Hauptbahnhof zurück.

Die Versammlungsleiterin der Demonstration, Irene Thesing stellt dazu klar: "Die Straßenblockade hat gezeigt, dass viele Menschen auch bereit sind, einen Schritt weiter zu gehen, um den Autoverkehr einzudämmen. Ich finde solche Aktionen gut, inhaltlich gibt es keine Spaltung zwischen Demo und Blockade - nur eben unterschiedliche Aktionsformen. Als verlässliche Bündnispartner*innen sind wir mit den Menschen, die nicht gerne Straßen blockieren, weiter gezogen um zu demonstrieren. Auf der folgenden Hamburger Chaussee, die für den Autoverkehr gesperrt war, war es anders als sonst angenehm still und sowohl der Redebeitrag des ADFC als auch das Vögelzwitschern gut zu hören."

Die Blockade-Teilnehmerin Marina Weber erzählt später den Demonstrationsteilnehmenden: "Die Stimmung war fröhlich. Ich habe von einer Anwohnerin Wasser bekommen und konnte bei ihr die Toilette benutzen. Wir haben auf der Straße gepicknickt, getanzt und Yoga gemacht. Damit konnten wir zeigen, wofür alles Platz da wäre, wenn Autos in Kiel weniger Raum einnehmen würden." Über 300 Menschen waren bei der Blockade dabei. Erst als die Polizei mit der Räumung anfing, stellten sich viele auf den Gehweg. 67 Personen ließen sich von der Straße tragen.

Eine Verkehrswende muss sozial verträglich ablaufen. Deswegen fordert die TurboKlimaKampfGruppe statt eines Diesel-Verbots dass nur noch Fahrzeuge, die wahlweise mindestens drei Personen oder schweres Gepäck transportieren oder die in Not-Einsätzen unterwegs sind, den Theodor-Heuss-Ring befahren dürfen. Individualverkehr hingegen sollte auf Busse und Tram umgelegt werden und mittels Park and Ride an den Stadträndern zugänglich gemacht werden. Die Stickoxid-Emissionen sanken kurz nach Beginn der Blockade um 2/3 und waren somit unterhalb der festgeschriebenen Grenzwerte. Das hat gezeigt, was eine Reduktion des Autoverkehrs bewirken kann. 

Nach der erfolgreichen Demo möchte TKKG demnächst ein weiteres Klimaproblem in Kiel angehen. Am 09.05. ist ab 16 Uhr am Ostseekaiterminal eine Kundgebung gegen Kreuzfahrtschiffe geplant. Unter dem Motto "Weder Königinnen noch Kreuzfahrt" wird gegen die an diesem Tag anlegende  "Queen Victoria" protestiert. Denn der billige Urlaub ist verbunden mit Umweltzerstörung, Ausbeutung und Sicherheitsrisiken. Paula Lange von der Initiative gegen Kreuzfahrt dazu: "Bei der letzten Kundgebung hat der „Port of Kiel“ rechtswidrigerweise unsere angemeldete Versammlung verscheucht. Wir wollen nun zeigen, dass wir uns davon nicht einschüchtern lassen."

Der Aufruf der Demo-Veranstalter*innen und die Unterstützer*innen-Liste: https://tkkg.noblogs.org/post/2019/04/04/aufruf-autofrei-demo-strassenparty-statt-rushhour/







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