Das Leiden der Gänse für unseren Braten: brutale Stopfmast und qualvoller Lebendrupf

21.11.20
UmweltUmwelt, Kultur, TopNews 

 

Von Vier Pfoten

VIER PFOTEN appelliert an VerbraucherInnen, beim Einkauf auf Herkunft zu achten

Jetzt wird wieder bis Weihnachten millionenfach Gänsefleisch in Deutschland eingekauft. VIER PFOTEN informiert VerbraucherInnen darüber, worauf diese beim Einkauf achten müssen, wenn sie auf keinen Fall auf einen Gänsebraten verzichten, aber wenigstens Tierqual bei der Haltung minimieren möchten. Zwar sind grausame Praktiken wie „Stopfmast“ und der „Lebendrupf“ in Deutschland verboten, allerdings werden 85 Prozent der im Handel verkauften Tiere importiert. Bei ausländischen Erzeugern wird teils nach wie vor gestopft und lebend gerupft.

In Ländern wie Frankreich, Spanien, Bulgarien und Ungarn dürfen Gänse aktuell zur Mast gestopft werden, um Gänsestopfleber zu produzieren. Und in Polen sowie Ungarn, woher ein Großteil der im deutschen Einzelhandel angebotenen Tiere kommen, ist es sogar erlaubt, den Tieren bei lebendigem Leib Daunen und Federn auszureißen (Lebendrupf).

Erst informieren, dann einkaufen

Auch wenn alle großen deutschen Supermärkte sich verpflichtet haben, kein Gänsefleisch aus Stopfmast oder Lebendrupf anzubieten, sollten VerbraucherInnen sich informieren:  VIER PFOTEN appelliert an die KonsumentInnen, sich hier genau nach der Herkunft des Gänsefleisches zu erkundigen. Dies gilt besonders auch für Außer-Haus-Verkauf der Gastronomie, Bringdienste und Restaurantbesuche, wenn diese wieder erlaubt sind. „Beim Einkauf hilft es, auf das Länderkürzel, die sogenannte EWG-Nummer zu schauen und nachzufragen, wie sichergestellt wird, dass qualvolle Praktiken ausgeschlossen sind. Die EWG-Nummer befindet sich meist in der Nähe des Mindesthaltbarkeitsdatums, so z.B. FR für Frankreich, wo die Stopfmast erlaubt ist. Supermärkte und Restaurants können bei der Auswahl der Gänselieferanten genauer nachfragen, ob und welche Maßnahmen unternommen worden sind, um qualvolle Praktiken auszuschließen“, sagt Martin Rittershofen, Kampagnenverantwortlicher für Nutztiere bei VIER PFOTEN. Besondere Vorsicht gilt allgemein bei Enten oder Gänsen ohne Innereien. Denn wo die Leber fehlt, kann schwer nachgewiesen werden, ob das Tier gestopft wurde oder nicht. Auch bei Gänseleberpasteten oder Terrinen ist eine Bestimmung der Herkunft schwierig.

Billiggans aus Intensivmast oder schonendere Weidemast

Lebendrupf und Stopfmast sind nicht die einzigen Probleme bei der Gänsehaltung. Ein Großteil der Gänse aus dem Ausland wird in Intensivmast gehalten, das heißt: große Bestände, kürzere Mastperioden, hochkonzentriertes Futter und kein Badezugang. Gänse sind aber Wasservögel und brauchen das Wasser etwa zur Gefiederpflege. Oft werden diese Billig-Gänse unter dem Handelsnamen „Hafermastgans“ vertrieben. Und selbst, wenn in Deutschland eine relativ artgemäße Weide- und Freilandhaltung mit mehr Auslauf und längeren und schonenderen Mastzeiten gängig ist, haben auch diese Tiere meist keinen Zugang zu Wasser. In der Regel gilt: Je teurer die Gänse, umso besser für die Tiere. „Hafermastgänse werden schon für ca. 5 EUR und sogar weniger für das Kilo verscherbelt, eine Verbesserung der Tierhaltung ist bei solchen Preisen unmöglich. Wer so wenig Geld für Gänsefleisch ausgibt, kann nahezu sicher sein, dass dieses aus problematischer Intensivmast stammt. Für Freilandgänse sollten VerbraucherInnen je Kilo mit 15 bis zu 20 EUR rechnen. Bei Bio-Gänsen fallen ca. 25 EUR pro Kilo an“, so Martin Rittershofen. Trotzdem sagt der Preis allein nichts über die Haltungsbedingungen aus, daher sollte man zusätzlich auf verlässliche Siegel sowie Herkunft achten.

VIER PFOTEN appelliert an VerbraucherInnen, im Zweifelsfall auf Gänsefleisch zu verzichten, wenn die Produktionswege nicht nachvollzogen werden können. Aus Tierschutzsicht ist es generell am besten, kein Gänsefleisch zu verzehren. Wenn es jedoch unbedingt der Gänsebraten sein muss, rät VIER PFOTEN zu einer Bio-Weidegans aus regionaler Haltung. Verlässliche Labels sind auch „Auslaufhaltung“, Freilandhaltung“ oder „Weideganshaltung“.

Weitere Informationen zur Thema finden Sie hier.

 







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