Stummes Sterben unter Wasser

23.02.21
UmweltUmwelt, TopNews 

 

Von WWF

WWF-Report: Ein Drittel aller Süßwasserfische vom Aussterben bedroht / WWF fordert freifließende Flüsse

Ein neuer Bericht der Naturschutzorganisation WWF warnt vor dem weltweiten Fischsterben und seinen Folgen. Global ist ein Drittel aller Süßwasserfischarten vom Aussterben bedroht. 80 Spezies sind bereits ausgestorben, allein 16 davon im letzten Jahr. Insgesamt nimmt die Artenvielfalt in Flüssen und Seen weltweit doppelt so rasch ab wie jene in den Meeren oder Wäldern, schreibt der WWF gemeinsam mit 16 weiteren Organisationen in seinem Bericht. WWF-Süßwasserexpertin Theresa Schiller kommentiert: „ Am schnellen Schwinden der Süßwasserfische sehen wir, wie schlecht es um ihre Lebensräume bestellt ist. In Flüssen, Seen und Feuchtgebieten zeigt sich das weltweite Artensterben wie unter einem Brennglas. Um den Abwärtstrend zu stoppen, müssen wir diese Lebensräume endlich naturnaher bewirtschaften, wo möglich renaturieren und die letzten frei fließenden Flüsse bewahren.“
 
Zu den Hauptursachen des Artenschwunds zählen Wasserkraftwerke und Staudämme, Wasserentnahmen für die Bewässerung und die Verschmutzung durch Industrie, Landwirtschaft und Haushalte. Dazu kommen die extremen Folgen der Klimakrise und der Überfischung. Besonders dramatisch ist die Situation der wandernden Süßwasserfischarten. Die untersuchten Bestände gingen laut dem Report seit 1970 weltweit um 76 Prozent zurück, jene großer Fischarten sogar um 94 Prozent.

Auch Deutschland ist besonders betroffen. Von den 103 heimischen Süßwasserfischarten auf der Roten Liste gelten aktuell nur 45 Prozent der bewerteten Arten als ungefährdet. Zehn Fischarten sind bei uns bereits ausgestorben – darunter Hausen, Rhein-Schnäpel sowie Baltischer und Altantischer Stör. Die fehlende Durchgängigkeit von Fließgewässern aufgrund von zahlreichen Wasserkraftwerken und weiteren Barrieren ist laut WWF ein Hauptgrund dafür, dass sich eingebrochene Fischbestände nicht dauerhaft erholen können. Eine WWF-Analyse zeigte kürzlich, dass in Bayern rein rechnerisch alle 500 Meter eine Barriere den Weg der Fische blockiert. WWF-Expertin Schiller sagt: „Nur naturnahe und freifließende Flüsse sind ein geeigneter Lebensraum für Süßwasserfische.“ Dazu fordert der WWF von der Bundesregierung den Rückbau von Querbauwerken voranzutreiben. Statt Kleinwasserkraftanlagen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auch noch zu fördern, sollte die Bundesregierung besser einen Rückbaufonds für diese Bauwerke aufsetzen. Damit kann Deutschland einen wichtigen Beitrag zur EU-Biodiversitätsstrategie leisten. Diese fordert bis 2030 EU-weit mindestens 25.000 km zusätzliche freie Fließstrecken zu schaffen.
 
Der WWF nennt im Report mehrere Beispiele besonders bedrohte Fischarten. Die Hilsa-Fischerei im indischen Ganges ist nach dem Bau der Farakka-Staustufe in den 1970er Jahren von einem Ertrag von 19 Tonnen Fisch auf nur noch eine Tonne pro Jahr eingebrochen. Wilderei für illegalen Kaviar ist ein Hauptgrund dafür, dass Störe zu den am stärksten bedrohten Tierfamilien der Welt gehören. Übermäßig hohe Fangquoten im Fluss Amur trugen zu einem katastrophalen Rückgang des größten Lachsbestandes Russlands bei. Im Sommer 2019 wurden keine Keta-Lachse in den Laichgebieten mehr gefunden. Verbauung, Wilderei und Überfischung schadet Fischen und Menschen. Denn Süßwasserfische sind Hauptproteinquelle für 200 Millionen Menschen weltweit.

 







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