Hennig-Wellsow: Tariflöhne für Haushaltshilfen

11.01.22
WirtschaftWirtschaft, Soziales, Politik, News 

 

Zu der von Bundesarbeitsminister Heil geplanten staatlichen Förderung von Haushaltshilfen erklärt Susanne Hennig-Wellsow, Vorsitzende der LINKEN:

„Arbeitsminister Heil möchte die Haushaltshilfen aus der Schwarzarbeit holen. Das Ziel ist gut, aber das Mittel greift zu kurz. Denn nicht nur die fehlende soziale Absicherung ist ein Problem, sondern auch die niedrige Entlohnung. Ein garantierter Stundenlohn von 12 Euro ist natürlich besser als 8, 9 oder 10 Euro. Aber auch von 12 Euro lässt es sich alles andere als gut leben. Und auch die Rente fällt nach 45 Versicherungsjahren dann so schmal aus, dass es nicht zum Leben reicht.

Wenn der Staat Beschäftigung fördert, dann sollten allgemeinverbindliche Tarifverträge zugrunde gelegt werden. Das ist der einzig vernünftige Weg, um Menschen ein gutes Einkommen zu ermöglichen.

Die geplanten Zuschüsse haben aber auch noch einen zweiten Haken: Sie zementieren die Spaltung der Gesellschaft in Bezieherinnen und Bezieher guter Einkommen, die sich mit Haushaltshilfen das Leben erleichtern und in eine Dienstleistungsklasse, die die Wohnungen der anderen putzt, ohne je selbst die Chance auf einen gesellschaftlichen Aufstieg zu bekommen. Und diese Menschen, die auch Kinder alleinerziehen oder Angehörige pflegen, werden aufgrund der niedrigen Entlohnung auch mit den Gutscheinen nie selbst eine Haushaltshilfe anstellen, weil sie sie sich schlichtweg nicht leisten können.

Damit würde die Kluft zwischen Menschen mit guten Einkommen und einer arbeitenden aber armen Dienstleistungsklasse weiter zementiert, statt sie aufzubrechen. Dazu gibt es Alternativen: Mit einer deutlichen Arbeitszeitverkürzung für alle würde der Druck geringer, Hausarbeit zu delegieren. Und mit der Ausweitung allgemeinverbindlicher Tarifverträge würden Niedriglöhne für Haushaltshilfen ausgeschlossen.“







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