Generation Praktikum, Leiharbeit und in Arbeitslosigkeit.

03.09.10
WirtschaftWirtschaft, Soziales, TopNews 

 

Von Reinhold Schramm

Nach dem Praktikum folgt häufig die Leiharbeit. Der Anteil junger Leute an den (unterbezahlten) Leiharbeitern ist doppelt so hoch wie unter allen Beschäftigten.
Viele junge Menschen hangeln sich von Praktikum zu Praktikum, andere finden nach der Ausbildung keinen festen Arbeitsplatz. Viele junge Erwachsene kommen nur bei einer Zeitarbeitsfirma und Menschenhändlern unter.


Junge arbeiten häufig nur auf Zeit.
So verteilen sich Leiharbeiter auf die Altersgruppen ...

 unter 30 Jahre

39,3 %  

 30 - 39 Jahre

23,2 % 

 40 - 49 Jahre

22,9 % 

 50 Jahre und älter

14,5 % 



Junge Leute zählen zu den Verlierern der kapitalistischen Wirtschaftskrise. Der Anteil der Arbeitslosen unter den 15- bis 25-Jährigen ist seit Beginn der Wirtschaftskrise dreimal so stark gestiegen wie in allen anderen Altersgruppen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt deutlich über der Arbeitslosenquote insgesamt.  - Dabei erfasst die offizielle Statistik nicht alle Jungen ohne (bezahlte) Arbeit - wer einen Ausbildungsplatz sucht oder eine berufsfördernde Maßnahme durchläuft, gilt (formal) nicht als arbeitslos. 
Das Risiko von jungen Menschen unter 35, den Arbeitsplatz zu verlieren, ist in der Germany AG sechsmal größer als das älterer Kollegen. 

Die Jüngeren durchlaufen zwar nur kürzere Phasen der Arbeitslosigkeit, doch die Wissenschaftler warnen vor den langfristigen Folgen: "Die Erfahrung, nicht gebraucht zu werden, kann zu vermindertem Selbstvertrauen, zum Verlust sozialer Kontakte, zur psychischen Destabilisierung und sogar zu Depressionen führen." Dieses Erlebnis am Beginn des Arbeitslebens zieht folgenschwere Beeinträchtigungen nach sich. 

Im Jahr 2007 haben 600.000 Berufsanfänger (mindestens) ein Praktikum absolviert. Der Großteil der Praktikumsplätze ist prekär, es gibt keine oder nur eine geringe Vergütung. Junge Leute nehmen schlechte Bedingungen hin, weil sie die in Arbeitsverträgen garantierten Standards nicht kennen.  Der Mangel an Arbeitslohn und Anerkennung führe "zu einem pessimistischen Blick auf die eigene Zukunft", so die Wissenschaft. Erwachsene in prekären Arbeitsverhältnissen sind oft nicht in der Lage eine Familie zu gründen.

Nach der Ausbildung: 2007 wurden 40 Prozent der Ausgebildeten nicht übernommen - eine Quote, die sich nach der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise nochmals erhöhte. Auf die Nicht-Übernahme (in den vorherigen Ausbildungsbetrieb) folgt häufig Arbeitslosigkeit oder eine atypische, prekäre Beschäftigung.

Der Anteil der Unter-25-Jährigen in ungesicherter (atypischer) Beschäftigung (Lohnarbeit) hat sich binnen zehn Jahren verdoppelt. Die Wissenschaftler beobachten eine massive Zunahme der befristeten Stellen infolge der Wirtschaftskrise; vor allem in großen Unternehmen ist es üblich geworden, neue Arbeitsverträge zeitlich zu begrenzen (befristete Arbeitsverträge - Zeitverträge). Eine Befristung ist häufig ein "Einstieg in eine unstete Beschäftigungskarriere". Nur 23 Prozent der beruflich qualifizierten Jugendlichen landen nach einer befristeten in einer stabilen Beschäftigung (Lohnarbeit).

Leiharbeit und Zeitarbeit: Mehr als die Hälfte der Leiharbeiter ist jünger als 36 Jahre. 40 Prozent der Unter-30-Jährigen mit einer Vollzeit-Tätigkeit hatten 2007 keinen festen Arbeitsplatz, sondern bekamen ihr Geld von einer Zeitarbeitsfirma (bzw. vom Menschenhändler). - Leiharbeiter fühlen sich "aufgrund ihres Beschäftigungsverhältnisses strukturell in den Entleihunternehmen ausgegrenzt". Leiharbeiter sind unzufriedener mit ihren Arbeitsumständen und stehen unter besonderem Druck, belegen wissenschaftliche Studien. Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund für eine Krankschreibung von Leiharbeitern - obwohl man davon ausgehen muss, dass Leiharbeiter in der Hoffnung auf eine mögliche Übernahme oft trotz gesundheitlicher Probleme zur Arbeit gehen. Diese Probleme und gesundheitlichen Folgen belasten junge Menschen, die noch weitere Jahrzehnte dem (kapitalistischen) Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen. (?)

Quelle vgl.: Böckler Impuls 12/2010. Arbeitsmarkt:
*Viele Hürden vor dem ersten sicheren Job. -
http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2010_12_2.pdf
Thomas Langhoff, Ina Krietsch, Christian Starke:
Der Erwerbseinstieg junger Erwachsener: unsicher, ungleich, ungesund,
in: WSI-Mitteilungen 7/2010 -  
In: Ganzes Heft downloaden (pdf) (25. August 2010) 
http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2010_12_gesamt.pdf
*Siehe hier auch:
Altersübergang - Viele mit 60 reif für die Rente.
Schlechte Arbeitsbedingungen - Ballast fürs ganze Leben.
Einmalige Pauschalen - auf Dauer weniger Gehalt.
Altersteilzeit - Zwiespältige Bilanz. <//strong>

 







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